Schnelle Mobilfunk-Technologie: Mobilfunker setzen auf Musik und Fernsehen

Schnelle Mobilfunk-Technologie
Mobilfunker setzen auf Musik und Fernsehen

Die Mobilfunkbranche macht sich Mut: Unisono beschwören Netzbetreiber, Ausrüster und Handyproduzenten auf der Branchenmesse 3GSM den bevorstehenden Siegeszug von neuen Multimedia-Diensten.

BARCELONA. Vor allem mobiles Fernsehen und das Herunterladen von Musik auf das Handy sollen der bedrängten Branche neue Expansionsmöglichkeiten bieten. „Fernsehen und Musik für das Handy kommen und treiben den Markt mit hohen Wachstumsraten an“, sagte Clemens Joos, Chef des Handyherstellers BenQ Mobile, dem Handelsblatt in Barcelona.

Eine neue Zukunftsperspektive haben die Unternehmen dringend nötig. Die einst mit rasantem Wachstum verwöhnte Branche stößt in zunehmend gesättigten Märkten an ihre Grenzen. Vodafone-Chef Arun Sarin schockte die Märkte vor wenigen Monaten mit der Ankündigung, die bisher gewohnten knapp zweistelligen Wachstumraten beim Gewinn nicht länger halten zu könnten. In zahlreichen europäischen Märkten hat bereits jeder Einwohner ein Handy. Die Mobilfunkanbieter wollen ihre Kunden deshalb mit neuen Diensten davon überzeugen, das Mobiltelefon häufiger zu benutzen.

Dies soll mit den bewährten Freizeit-Angeboten Fernsehen und Musik gelingen. Auf dem Riesenmarkt China hat das Audio-Angebot bereits zahlreiche Fans gewonnen: „Unser Umsatz mit Musik war im vergangenen Jahr höher als die Einnahmen der traditionellen Musikindustrie“, sagte Jianzhou Wang, Chef von China Mobile, in Barcelona. Während eine gute CD sich etwa eine Million Mal verkaufe, vertreibe China Mobile ein Lied 15 Millionen Mal.

Dieses Potenzial wollen sowohl die Mobilfunker als auch die Musikbranche abschöpfen. So hat Ericsson, der weltgrößte Ausrüster von Mobilfunknetzen, in Barcelona eine Kooperation mit dem Musikdienst Napster bekannt gegeben. „Im vergangenen Jahr wurden 800 Millionen Handys verkauft, zehn Prozent davon konnten Musik herunterladen. Das ist ein sehr großes Potential an Kunden für uns“, sagte Napster-Chef Brad Duea.

Beflügelt werden sollen diese Dienste durch den neuen Übertragungsstandard HSDPA, eine Art UMTS-Turbo. Die Netzbetreiber Vodafone und T-Mobile starten ihn in wenigen Wochen in Deutschland und können ihren mobilen Kunden dann mit 1,8 Megabit pro Sekunde dieselbe Geschwindigkeit bieten wie gängige DSL-Anschlüsse im Festnetz. Damit – so hoffen die Betreiber – beginnen sich endlich auch die milliardenschweren Investitionen in die UMTS-Lizenzen und -netze zu rentieren. Handy-Hersteller wie BenQ und Samsung haben in Barcelona die ersten HSDPA-Handys vorgestellt.

„HSDPA bringt die Qualität von Diensten wie mobiles Fernsehen auf eine ganz andere Ebene“, schwärmt Ericsson-Chef Carl-Henrik Svanberg im Gespräch mit dem Handelsblatt. Niemand wolle aber komplette Filme auf den kleinen Displays anschauen. „Handy-TV wird vor allem dazu dienen, sich über Nachrichten oder Sportergebnisse zu informieren.“ Noch mangelt es allerdings an einer einheitlichen Technik. Zwei verschiedene Standards konkurrieren, deshalb schicken die Netzbetreiber die bewegten Bilder noch über ihre UMTS-Netze. „Momentan reichen die Kapazitäten für die TV-Nachfrage noch aus“, sagt BenQ-Chef Joos. Aber das soll sich bald ändern – hoffen zumindest die Aussteller in der katalanischen Hauptstadt.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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