Selbst entwickelter Standard
China baut eigenes UMTS-Netz

China hat die ersten Großaufträge zum Aufbau eines Multimedia-Mobilfunknetzes vergeben. Dabei wird zunächst nur der im eigenen Land entwickelte Standard TD-SCDMA in acht Testregionen – darunter die Metropolen Peking und Schanghai – eingerichtet. Damit droht für viele Olympia-Besucher mit UMTS-Handy die große Enttäuschung.

PEKING. Wie versprochen wird China im kommenden Jahr zu den Olympischen Spielen in allen Austragungsorten außer Hongkong ein UMTS-Netz bieten können. Die Regierung in Peking hat bislang noch keine Lizenzen für den Betrieb vergeben. Damit wird frühestens für den Herbst gerechnet. Die Testnetze, die nun von China Mobile aufgebaut werden, können aber später jederzeit für den kommerziellen Betrieb genutzt werden. Die Lizenz-Vergabe war immer wieder verzögert worden, um den heimischen Firmen wie ZTE und Huawei Zeit für die Entwicklung des eigenen Standards zu geben.

Mit den ersten Testnetzen bekommt die in China entwickelte Technik nach Ansicht von Experten nun auch noch einen deutlichen Vorteil auf dem größten Mobilfunkmarkt der Welt. „TD-SCDMA wird einen Vorsprung über die konkurrierenden UMTS-Standards aus Europa und Amerika haben, da diesen bis zur Lizenzvergabe keine Testnetze erlaubt sind“, sagt Kevin Prest von der Marktforschungsfirma Norson Telecom Consulting in Peking.

Der Aufbau der bislang international genutzten Technologien WCDMA (Europa) und CDMA 2000 (USA, Japan) ist nach seiner Einschätzung bis zum Start der Olympischen Spiele kaum noch möglich. Für viele Olympia-Besucher mit UMTS-Handy droht die große Enttäuschung, denn TD-SCDMA ist weder mit dem in Europa üblichen Standard noch zu dem in den USA und Japan genutzten kompatibel.

Der chinesische Standard gilt aber als effizienter und schneller. China hat vor allem auf den Aufbau eines eigenen UMTS-Standards gedrängt, weil das Land nicht die relativ hohen Lizenzgebühren für Mobilfunkgeräte und Infrastruktur zahlen will. Nach Angaben des chinesischen Netzausrüsters ZTE liegen diese Gebühren bei rund acht Prozent der Auftragssumme.

Der Aufbau der Testnetze mit dem chinesischen Standard kostet umgerechnet rund 2,3 Mrd. Euro. Die ersten Aufträge im Wert von zusammen rund einer halben Mrd. Euro gingen nach Medienberichten an ZTE und Datang Mobile. Sie sollen angeblich am Ende 80 Prozent des Gesamtauftrages bekommen.

Norson Telecom Consulting sieht ZTE eindeutig als Gewinner. Der an der Börse notierte Konzern arbeitet mit Ericsson aus Schweden zusammen, Datang hat den französischen Konzern Alcatel-Lucent zum Partner. „Der erste Erfolg der beiden chinesischen Firmen gibt diesen Kapital und die Chance, mit den globalen Konzernen in Chinas UMTS-Markt zu konkurrieren“, sagt Chen Liang, Analyst von der Beratungsfirma Guotai Junan.

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