Smartphone-Bereich verspricht starkes Wachstum
Microsoft startet neuen Anlauf im Handy-Markt

Der US-Softwareriese Microsoft nimmt nach mehreren Misserfolgen im Mobilfunk einen neuen Anlauf: Am heutigen Montag gibt der Konzern eine Allianz mit dem US-Mobiltelefonhersteller Motorola bekannt. Spätestens im vierten Quartal dieses Jahres wollen die Unternehmen gemeinsam ein Handy auf den Markt bringen, für das Microsoft das Betriebssystem liefern.

DÜSSELDORF. Die Mobilfunknetzbetreiber Orange, AT & T Wireless sowie der Mobilfunkdienstleister Debitel werden die Geräte vertreiben. Das kündigte Thomas Aufermann, bei Microsoft Deutschland Direktor für den Bereich Mobility, gegenüber dem Handelsblatt an. Debitel bestätigte, dass die Geräte ab Oktober angeboten würden.

Microsoft ist es damit zum ersten Mal gelungen, einen der großen Handykonzerne als Partner zu gewinnen. Motorola ist weltweit die Nummer zwei. Bisher griff der Softwarekonzern auf unbekannte Mobiltelefonhersteller wie den Auftragsfertiger HTC aus Taiwan zurück. Damit erklären Analysten einige Misserfolge von Microsoft auf dem Mobilfunkmarkt. Denn die HTC-Geräte mit Microsoft-Betriebssystem machten mit Qualitätsproblemen von sich reden - daher hat T-Mobile, Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, die Einführung eines solches Handys jüngst verschoben.

Die Geräte werden im Fachjargon auch Smartphones genannt, da sie die Funktionen eines kleinen Computers wie E-Mail, Internetsurfen oder Terminplanung bieten. Während die Marktanteile bei klassischen Mobiltelefonen weitgehend zementiert sind, entsteht der Markt für Smartphones erst und bietet daher höhere Wachstumsraten. So waren von den mehr als 400 Millionen in 2002 verkauften Mobiltelefonen nach Schätzungen von Marktforschern nicht mal 10 % Smartphones. Bereits in vier Jahren hingegen sollen bereits 300 Millionen Europäer Smartphones besitzen.

Orange, die Mobilfunktochter von France Télécom, hat ein solches Gerät mit Microsoft-Betriebssystem im vergangenen Jahr in Großbritannien auf den Markt gebracht. Nach einem holprigen Start hatte das Orange-Handy im ersten Quartal dieses Jahres nach Angaben von Microsoft-Manager Aufermann einen Anteil von 12 % auf dem Markt für Smartphones in Europa.

Das Gros der Handyproduzenten, darunter Siemens, Sony Ericsson und der Marktführer Nokia, nutzen Symbian-Software für ihre Geräte. Sie ist auch zu Microsofts PC-Programmen kompatibel. Word-Texte, Excel-Charts oder Outlook-Mails lassen sich auch auf Symbian-Geräten problemlos lesen.

Symbian ist ein Zusammenschluss mehrerer Handyproduzenten. Er hat das Ziel, die Vormachtstellung, die Microsoft auf dem PC-Markt hat, auf dem Mobilfunkmarkt zu verhindern. Doch Branchenkenner geben dem US-Softwarekonzern gute Chancen, das in einigen Jahren zu ändern, da sich Microsoft langen Atem angesichts einer gefüllten Kriegskasse leisten kann.

Motorola fährt bei der Herstellung seiner Geräte mehrgleisig und nutzt unterschiedliche Betriebssysteme, darunter Linux. Anfang des Monats hatte sich Motorola zwar aus dem Symbian-Konsortium zurückgezogen und die Anteile an Nokia verkauft, doch der Konzern will weiterhin auch Geräte mit Symbian-Software herausbringen.

Ursprünglich wollte Microsoft bereits im vergangenen Jahr sein Smartphone mit dem britischen Handyhersteller Sendo herausbringen. Doch die beiden Unternehmen überwarfen sich und verklagten sich gegenseitig. Die Vorwürfe von Sendo lauten unter anderem auf Diebstahl geistigen Eigentums. Microsoft wiederum wirft dem einstigen Partner den Bruch von Absprachen vor. Sendo ist inzwischen ins Symbian-Lage gewechselt.

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