Smartphone-Chaos
Die Tücken der Android-Freiheit

Beim iPhone behält Apple die Kontrolle - bei Android-Smartphones überlässt Google den Handyherstellern das Regiment. Das hat aber nicht nur Vorteile: Die Besitzer von Android-Handys warten lange auf Updates ihrer Software, die Hersteller kommen nicht nach. Und die Fragmentierung der Android-Landschaft bringt weitere Nachteile mit sich.
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BERLIN. Besitzer des Samsung Galaxy S beispielsweise müssen geduldige Menschen sein. Erst vor wenigen Tagen hat Samsung das von vielen Nutzern erwartete Update des Android-Betriebssystems auf Ende Oktober verschoben. Dabei war "Frozen Yoghurt", kurz Froyo, schon für diesen Monat angekündigt. Nicht das erste Mal, dass Besitzer von Android-Handys etwas länger als andere auf ihr Update warten müssen. Viele können froh sein, wenn es überhaupt kommt. Denn regelmäßige Überarbeitungen der Software sind bei Android-Handys alles andere als selbstverständlich.

Googles Android ist der Freigeist unter den mobilen Betriebssystemen. Es basiert auf Linux, ist quelloffen, leicht modifizierbar und damit der vermeintliche Retter aller Handybesitzer vor der Versuchung Apples. Jedenfalls sind davon wohl immer mehr überzeugt: Allein in den USA hat Android im zweiten Quartal seinen Marktanteil nach einer Analyse des Marketing-Instituts comScore um fünf Prozent gesteigert. Nach Angaben von Google-Chef Eric Schmidt werden täglich 200.000 neue Android-Handys verkauft.

Doch die vermeintlichen Vorteile ziehen auch Nachteile mit sich. Ein Wort, das dabei immer wieder fällt ist Fragmentierung. Im Gegensatz zu Apples iOS oder Nokias Symbian, zwei Betriebssystemen, die nur auf den eigenen Geräten zu finden sind, ist Android nicht an bestimmte Hersteller gebunden. Und viele der Hersteller, die es einsetzen, haben bereits mehrere Android-Handys in ihrem Programm. Von der größeren Auswahl profitieren zwar die Kunden, doch der Markt spaltet sich zunehmend auf.

Und die unterschiedliche Hardware stellt die Programmierer von Apps vor Probleme, auch wenn alle Android-Geräte Grundanforderungen erfüllen müssen. Ein kurzer Blick in die Kundenbewertungen im Android Market zeigt das Resultat: Es gibt Apps, die laufen auf manchen Geräten einfach besser als auf anderen. Eine Erfahrung, über die iPhone-Nutzer wohl nur den Kopf schütteln werden.

Die Fragmentierung wird dabei nicht nur durch unterschiedliche Geräte, sondern auch noch durch unterschiedliche Versionen des Betriebssystems vorangetrieben. Seit Januar 2009 gab es fünf davon. Zum Vergleich: Apple beschränkt sich auf lediglich ein neues System pro Jahr. Damit steht die Entwicklungszeit von Android in keinem Verhältnis zur der eines Smartphones, die rund zwölf Monate beträgt. Kurz, die Hersteller kommen mit den Updates kaum hinterher. Noch immer sind nach offiziellen Angaben rund ein Drittel aller Android-Nutzer mit den Betriebssystemen 1.5 und 1.6 unterwegs, aktuell läuft bereits 2.2. Viele Apps funktionieren damit jetzt, knapp ein Jahr später, schon nicht mehr.

Aber auch die Smartphone-Hersteller sind an dem Chaos nicht ganz unbeteiligt. Zwar liefert Google das Grundgerüst von Android, doch die meisten Hersteller nutzen die offene Schnittstelle, um eine eigene Oberfläche anzubieten. Egal ob sie HTC Sense, Samsung TouchWhiz oder Motorola MotoBLUR heißen - mit individuellen "Skins" setzen sich die Anbieter zwar voneinander ab. Der Mehrwert für den Nutzer ist gering. Stattdessen werden die Updates verschleppt, müssen sie doch für jedes Gerät angepasst werden. Das kostet Entwicklerzeit und Geld.

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  • Recht einseitige Sicht der Dinge. Vergleiche zwischen OS Updates und veralteten Geräte, auf denen neue Apps nicht laufen betreffen iphones noch viel mehr als Android Handys und damit hinken diese ziemlich. Für diesen beitrag gabs wohl eine Redaktionsladung iPads frei Haus?

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