Softbank Pantone 5
Das erste Geiger-Handy der Welt

Sharp und der Handynetzbetreiber Softbank stellen ein Smartphone vor, dass die Angst der Japaner vor der Strahlengefahr lindern könnte. Mit dem Geigerzähler-Handy soll kein Hotspot unentdeckt bleiben.
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TokioKrisen schüren Innovation. Auch die Atomkatastrophe in Japan macht da keine Ausnahme. Gestern hat der japanische Mobilnetzbetreiber Softbank Mobile das erste Geigerzähler-Handy der Welt vorgestellt, dass die Strahlenmessung in Japan extrem demokratisieren wird.

Mit dem vom Elektronikkonzern Sharp hergestellten Gerät können künftig Softbanks Kunden ausschwärmen und auf Schritt und Tritt Strahlenkarten ihrer Umgebung erstellen. Ein Knopfdruck reicht. Und schon misst das Handy dank eines kleinen Chips, wie viele Gamma-Strahlen auf den Nutzer einprasseln.

Damit natürlich nicht genug: Der Wert lässt sich dann umgehend auf einer Landkarte vermerken und mit Freunden und der Welt teilen. Strahlende Aussichten: Kein Hotspot wird unentdeckt bleiben. Schon die Messbreite sorgt dafür: Das untere Messlimit liegt bei niedrigen 0,05 Mikrosievert pro Stunde und sollte damit auch die natürliche Hintergrundstrahlung erfassen. Und erst bei schon reichlich unkomfortablen 9,99 Mikrosievert pro Stunde ist Schluss.

Wer den Maximalwert misst, sollte nicht häuslich niederlassen. Der Wert entspricht einer Dosis von fast 90 Millisievert pro Jahr. Über 20 Millisievert wird in Japan evakuiert. Die gute Nachricht: Um solcher Strahlung ausgesetzt zu sein, müssten die Mitglieder der freiwilligen Radioaktivitätswehr sich schon in der direkten Umgebung der havarierten Meiler des Atomkraftwerks Fukushima 1 befinden, was angesichts der Sicherheitsmaßnahmen recht unwahrscheinlich ist. In den meisten Landesteilen werden die Menschen aber feststellen, dass sie sich derzeit in Sicherheit wiegen können – strahlentechnisch gesehen.

Und auch, wer sich kein neues Handy anschaffen will, braucht auf seinen tragbaren Strahlenmesser nicht zu verzichten. Für 7.900 Yen (80 Euro) lässt sich in Japan der handliche Air-Counter S der Firma S.T. erwerben, der wie ein überdimensioniertes Fieberthermometer oder ein Schwangerschaftstest aussieht. Das Gerät bietet genau den gleichen Messumfang wie das Handy. Der besorgte Bewohner des Archipels streckt einfache in rund einem Meter Höhe seine Hand aus, misst für 35 Sekunden und schon erscheint wie beim Fiebermessen das Ergebnis auf dem kleinen LCD. Das Resultat ist absolute Strahlentransparenz und ein in Japan ganz neues Gefühl: Die Bürger kontrollieren den Staat. Die Regierung wird künftig keinen Störfall verheimlichen oder kleinreden können.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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