Stellenabbau
Telekom will Umbruch der Branche trotzen

Die Telekommunikationsbranche befindet sich in einer tiefen Umbruchphase: Die Verbraucher kündigen ihren gewohnten Festnetzanschluss zu Gunsten von Mobilfunk und Internet-Telefonie. Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Gartner wird bis 2009 ein Drittel der weltweiten Telefonkunden ihren Anschluss wechseln. Auch wenn die Entwicklung in Deutschland nicht ganz so rasch ablaufen wird wie im Ausland, die Deutsche Telekom bekommt den Wandel zu spüren.

dpa BONN. Europas größter Telekom-Konzern wird am Mittwoch bei Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal voraussichtlich erneut sinkende Erlöse für ihr deutsches Festnetzgeschäft bekannt geben. Nach Einschätzung der von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten sackte der Umsatz von T-Com gegenüber dem Vorquartal um 100 Mill. Euro auf 5,33 Mrd. Euro ab. Ein Ende der Abwärtsspirale ist nicht in Sicht: Mit niedrigen Preisen jagen Wettbewerber dem Konzern Marktanteile im Festnetz ab. Zudem locken Mobilfunkfirmen mit speziellen Angeboten, die Handy- und Festnetz verknüpfen. Einer Studie des Branchenverbands Vatm zufolge wird die Telekom 2005 im deutschen Festnetz- und Mobilfunkgeschäft zusammen genommen erstmals seit der Jahrtausendwende einen Umsatzrückgang einfahren.

Nachdem die Bonner dem Treiben der Konkurrenz lange Zeit tatenlos zugesehen haben, leitete Vorstandschef Kai Ricke-Uwe einen weit reichenden Strategiewechsel ein. Mit dem erfolglosen Übernahmeversuch von O2 bewies Ricke, dass er bereit ist, wieder große Summen in Zukäufe zu investieren. Zudem will der Telekom-Chef mit dem Bau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes die Konkurrenz im Breitbandgeschäft in die Schranken weisen. Spielraum für die Expansionsstrategie erhielt die Telekom durch den konsequentem Entschuldungskurs, der mittlerweile Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe zulässt. So sieht die WestLB die Telekom als einen der wichtigsten Spieler bei der Konsolidierung des europäischen Telekomsektors.

Das energische Durchgreifen von Ricke bekommen auch die Mitarbeiter zu spüren: Über die kommenden drei Jahre sollen 32 000 von ihnen das Unternehmen verlassen. Betroffen ist vor allem T-Com, deren Belegschaft in Deutschland sich zur Hälfte aus Beamten zusammensetzt. Der Vorstandsvorsitzende begründete den Stellenabbau neben dem technologischen Wandel vor allem mit der Regulierung in Deutschland. Das Unternehmen verliere 100 000 Kundenanschlüsse pro Monat an die Konkurrenz, sagte er in einem Zeitungsinterview. "Der Regulierer tut dabei ein Übriges, dass die Deutsche Telekom politisch motivierte Marktanteilsverluste hinnehmen muss."

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, weist die Kritik zurück: "Die Telekom ist bei ihrer Freiheit bei Endkundentarifen mit uns bislang recht gut gefahren." Bisher seien fast alle Tarifmodelle unverändert in den Markt gebracht worden, sagt er dpa-AFX. Gartner-Experte Martin Gutberlet bezeichnet die Vorwürfe von Ricke an die Bundesnetzagentur als "normal". "Das machen Konkurrenten im Ausland auch." Die Telekom habe bei der Regulierung in vielen Bereichen Aufschub bekommen.

Den von den Gewerkschaften hart kritisierten Stellenabbau bezeichnete Gutberlet als "sehr bedauerlich, aber unvermeidlich". Positiv sei, dass Ricke Perspektiven aufzeige. "Es ist gut, dass er parallel Stellen aufbaut." In anderen Ländern gebe es nur den Kahlschlag. Die Telekom will neue Mitarbeiter einstellen, die sich vor allem um das neue Breitband-Glasfasernetzes kümmern sollen. Der Stellenaufbau hängt allerdings an dem Bau des Netzes. "Sollte beispielsweise der Aufbau eines Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes auf Grund von Regulierung dieses neuen Marktes gefährdet sein, droht ein zusätzlicher Entfall von 5 000 Stellen", sagte Ricke. Laut Medienberichten könnten sich SPD und Union der Forderung beugen und erwägen bereits, das Netz von der Regulierung auszunehmen.

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