Sturm auf Innenstädte
Ein Paradies für Handys

Mobilfunkmarkt paradox: Jeder Deutsche besitzt ein Handy. Doch die Mobilfunkbetreiber denken gar nicht daran, ihre Vertriebsaktivitäten zurückzufahren. Die Betreiber fallen mit 500 weiteren Shops in die 1-a-Einkaufsmeilen ein.
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DÜSSELDORF. Thorsten Dirks kann die Einkaufsstraßen in den Großstädten kaum noch auseinander halten. "Wenn ich mit verbundenen Augen über einer Stadt abspringe und mit dem Fallschirm über der Fußgängerzone schwebe", frotzelt der Geschäftsführer des Mobilfunkers E-Plus, "dann kann ich nicht mehr erkennen, in welcher Stadt ich gerade lande."

Ob München, Frankfurt, Stuttgart oder Köln - überall bietet sich Shoppern das gleiche Bild. Die Innenstädte sind fest in der Hand von Weltmarken und Handelsketten, die Spitzenmieten bis zu 250 Euro pro Quadratmeter zahlen, um in den Topeinkaufsmeilen vertreten zu sein. Bevorzugt siedeln sich Boutiquen, Jeanspaläste und Modehäuser in der Nähe von Publikumsmagneten wie H&M oder Warenhäusern wie Kaufhof und Karstadt an. Die wenigen verbleibenden Verkaufsflächen dazwischen teilen sich Schnellrestaurants (McDonald's, Nordsee), Parfümerien (Douglas), Bäcker, Buchhändler und Juweliere.

Jetzt wirbeln die Telekomkonzerne dieses Branchengefüge kräftig durcheinander. Mobilfunkmarkt paradox: In diesen Tagen durchbricht die Handyverbreitung erstmals die magische 100-Prozent-Marke, wie Professor Torsten Gerpott von der Universität Duisburg in einer Hochrechnung für die WirtschaftsWoche prognostiziert. Statistisch gesehen besitzt nun jeder Deutsche ein Handy. Doch die Mobilfunkbetreiber denken gar nicht daran, ihre Vertriebsaktivitäten zurückzufahren.

Im Gegenteil: Stärker denn je drängen sie in die Einkaufsmeilen. Rund 500 Handyshops, so das Ergebnis einer WirtschaftsWoche-Umfrage, sollen noch in diesem Jahr eröffnet werden - der Großteil davon in den Toplagen. "Die Telekomkonzerne sind die aggressivste Nachfragergruppe in den 1-a-Lagen", sagt Gerhard Kemper, geschäftsführender Gesellschafter von Kemper's Holding, Deutschlands führendem Makler von Gewerbeimmobilien in den umsatzstärksten Shopping-Meilen.

Bisher begnügten sich die Mobilfunker mit preiswerten Randlagen. Solange nicht jeder Deutsche ein Handy besaß, konnten sie auch ohne Omnipräsenz in den 1-a-Lagen mit rasanten Zuwächsen aufwarten. Jetzt, da der Mobilfunkmarkt mit 82 Millionen Nutzern gesättigt ist und die viel erklärungsbedürftigeren Multimedia-Handys wie Blei in den Verkaufsregalen liegen, stocken die Betreiber ihre Investitionen in zusätzliche Anlaufstationen auf.

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