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Permira an Mobilcom-Übernahme interessiert

An einer Übernahme des vor der Jahreswende knapp der Pleite entgangenen Mobilfunkdienstleisters Mobilcom ist nach Angaben aus Bankenkreisen die Investorengruppe Permira interessiert.

Reuters FRANKFURT/HAMBURG. "Das ist so", hieß es am Donnerstag aus den Kreisen. Auch der mit Mobilcom konkurrierende Mobilfunkdienstleister Debitel komme als Interessent in Frage. "Das ist nahe liegend", hieß es. Weder Permira noch Debitel wollten dies kommentieren. Die Financial Times Deutschland (FTD) berichtete unter Berufung auf das Unternehmensumfeld in ihrer Donnerstagausgabe, Permira und Debitel befänden sich bereits in konkreten Gesprächen. Mobilcom-Chef Thorsten Grenz erwarte schon im Oktober einen Vertragsabschluss. Ein Unternehmenssprecher wollte dies nicht kommentieren.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Bankenkreisen weiter erfuhr, könnte es sich bis ins nächste Jahr hinziehen, bis ein neuer Großinvestor für Mobilcom gefunden ist. Die Büdelsdorfer Firma gilt bei dem durch Übernahmespekulationen getriebenen Aktienkurs für einen Investor als zu teuer. Hinzu kommt, dass bei einem Kauf von mehr als 30 % der Anteile nach dem Aktienrecht ein Käufer allen freien Aktionären der Firma und ihrer Tochter Freenet ein Übernahmeangebot unterbreiten muss. "Wenn ich Finanzinvestor wäre, und den Deal nicht schon vor einem halben Jahr abgeschlossen hätte, würde ich mich jetzt schwarz ärgern. Vor ein paar Monaten war noch viel Fantasie in der Aktie, die ist jetzt raus", hieß es aus Finanzkreisen.

Mit einem Hinweis, wohin die Reise geht, sei zum Jahresende zu rechnen, wenn der als Treuhänder für die Anteile von Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid eingesetzte frühere RTL-Chef Helmut Thoma rund fünf Prozent der Aktien verkaufen müsse. Bis dahin dürften die Banken, bei denen Schmids Aktien verpfändet sind, täglich versuchen, weitere Anteile zu verkaufen. "Die wollen ihren Krediteinsatz wieder haben. Ich glaube, da haben in den vergangenen Tagen schon einige ein ganz fröhliches Lächeln auf den Backen gehabt," hieß es. Die ehemals rund 40 % Mobilcom-Anteile von Schmid und seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram könnten bis dahin also abschmelzen. Bislang sollen bereits drei bis vier Prozent, wie es heißt kursschonend, über die Börse verkauft worden sein.

Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs der im TecDax gelisteten Mobilcom-Aktie mehr als vervierfacht. Damit wies das Papier mit weitem Abstand das größte Kursplus in diesem Index auf. Der Börsenwert des Büdelsdorfer Mobilfunkdienstleisters erhöhte sich im gleichen Zeitraum nach Reuters-Berechnungen um rund 410 Mill. auf 540 Mill. ?. Am Donnerstag notierte der Titel bei 11,30 ? knapp acht Prozent höher.

In den Bankenkreisen wurde darauf hingewiesen, dass der Marktwert von Mobilcom derzeit nur den der Internettochter Freenet wiedergebe. An Freenet hält Mobilcom 72,9 %. Dieser Anteil ist zu aktuellen Kursen rund 800 Mill. ? wert, also deutlich mehr als Mobilcom selbst. "Die Interessenten wollen zumeist Freenet haben und suchen jemanden, der ihnen das Mobilfunk-Providing abnimmt." Bei jetzigen Kursen müsse ein Käufer bis zu einer Milliarde Euro für Mobilcom einschließlich Freenet bezahlen. "Bei einem Kreditanteil von vier-, fünf- oder sechshundert Mill. ?, das macht heute keine Bank mehr", hieß es in den Kreisen.

Mobilcom sucht einen Käufer für die über kurz oder lang freiwerdenden Mobilcom-Anteile von insgesamt rund 70 % in Händen der beiden Großaktionäre Schmid und France Telecom . Der französische Telefonkonzern hielt zuletzt noch 28,8 % an Mobilcom.

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