Tchibo und O2 entfachen den Kampf um die preisbewussten Mobilfunknutzer
Billiganbieter mischen Markt auf

Als im vergangenen Herbst bei Tchibo plötzlich drei mäßig schicke Handy-Modelle zwischen Kaffeesäcken und Tennissocken lagen, war Mobilfunk-Experten schlagartig klar: Jetzt hat die Schlacht um Kunden im untersten Preissegment auch Deutschland erreicht. "Einfach günstig tchibofonieren" - lautete der Claim der Attacke. Als angriffslustige Verbündete präsentierten sich der größte deutsche Kaffeeröster und O2, die Nummer vier auf dem deutschen Mobilfunkmarkt.

HB HAMBURG. Über Nacht brachte das Duo den vermeintlich satten deutschen Mobilfunkmarkt in Wallung - mit neuen Niedrigpreisen. 35 Cent pro Minute für jeden Anruf, egal in welches Netz, egal um welche Uhrzeit. Die Kaffeekunden goutierten diese ungewohnte Transparenz in einem Markt, dessen Tarif-Dschungel ohne Fußangeln und Fallgruben nicht auszukommen schien.

Wesentlicher Pluspunkt: Die Tchibo-Offerte war auf den ersten Blick verständlich - auch für die anvisierte Zielgruppe. "Ältere Leute und Hausfrauen - also diejenigen, die sich bisher gegen ein Handy gesträubt haben" - solche Neukunden wollte O2 in dem mit rund 71 Millionen Handykunden weitgehend gesättigten Markt aktivieren, sagt Ekkehard Stadie, Telekommunikationsexperte der Strategieberatung Simon Kucher & Partners (SKP). Seiner Einschätzung nach ist das gelungen: "Besonders groß ist die Käufergruppe der Frauen über 40 Jahre", sagt Stadie mit Blick auf eine aktuelle SKP-Untersuchung. "Viele Handynutzer fühlen sich im Tarifdschungel überfordert. Die meisten wären sogar bereit, für einfachere Tarife mehr Geld auszugeben", sagt Stadie. Unter den Tchibofonierern sind nach SKP-Angaben 38 Prozent, die erstmals ein Handy besitzen. 42 Prozent nutzten das Billiggerät anstelle des bisherigen Handys und 20 Prozent als Zweitgerät. "Die fast überstürzten Reaktionen der Branchenführer zeigen, wie sensibel der Markt auf den Eintritt der Billiganbieter reagiert", sagt Stadie.

In Skandinavien und England haben Discounter den Minutenpreis auf teils neun Cent gedrückt. Dabei treten so genannte "Mobile Virtual Network Operators" (MVNO) im Markt auf, die über kein eigenes Funknetz verfügen, sich die Kapazitäten bei den Netzbetreibern kaufen und unter eigener Marke billig vermarkten. Die Taktik entspricht der der Billigflieger: "No frills". Der Verzicht auf "Schnickschnack" zeigt sich im neu entstehenden Mobilfunksegment darin, dass die Geräte nicht subventioniert werden, nur ein eingeschränkter Service geboten wird und das Internet als oft einziger Vertriebskanal dient.

Inzwischen ziehen die etablierten Anbieter nach. So hat E-Plus eilig eine Zweitmarke namens Simyo aufgesetzt und Vodafone preist gemeinsam mit Payback und einer Boulevard-Zeitung den neuen "Volkstarif". Dem Trend zur echten Zweitmarke kann sich offenbar auch der Marktführer T-Mobile nicht verschließen, wenngleich die Profitabilität der No-Frills-Strategie noch zu beweisen ist. Branchenkennern zufolge liegen die Pläne für eine Billigmarke bei T-Mobile bereits ausgearbeitet in der Schublade. Auch die Drillisch AG kam mit ihren Guthabenkarten namens "Simply" schnell aus den Startlöchern und unterbot den Minutenpreis von Simyo um einen Cent. Seither können Schnäppchenjäger für 18 Cent pro Minute mobil telefonieren. Rein rechnerisch geht es auch noch billiger: Mobilcom bietet 200 Gesprächsminuten für knapp 20 Euro. Um auf den magischen Minutenpreis von 9,9-Cent zu kommen, müsste man allerdings das Paket sekundengenau abtelefonieren, was kaum gelingen dürfte.

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