Tester zu Googles Datenbrille „Die Leute glotzten mich an“

Mehrere tausend Testpersonen hat Google auf seine Datenbrille „Google Glass“ angesetzt. Die Urteile fallen gemischt aus: Mobile Anwendungen kommen gut an, die Reaktion der Außenwelt ist eher skeptisch.
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Francesca Marie Smith, eine Testnutzerin der Datenbrille „Google Glass“. Quelle: AFP

Francesca Marie Smith, eine Testnutzerin der Datenbrille „Google Glass“.

(Foto: AFP)

San FranciscoGoogles neue Datenbrille Google Glass ist nicht nur etwas für Computerfreaks. Geht es nach dem Internetkonzern, wird Google Glass den Umgang des Menschen mit der Onlinewelt revolutionieren. Der Nutzer setzt die Datenbrille, die wie ein Smartphone funktionieren soll, einfach auf und fertig. Rund 10 000 Menschen testen derzeit Google Glass, darunter auch Lehrer, Zahnärzte, Friseure, Architekten, Sportler und sogar ein Zoowärter. Die Nachrichtenagentur AP hat sich bei einigen Testern umgehört, wie ihre Erfahrungen mit Google Glass sind.

Zu den Testpersonen gehören die ehemalige US-Fernsehmoderatorin Sarah Hill, die sich inzwischen für Kriegsveteranen einsetzt, und die Hausfrau Deborah Lee. Besonders gefallen an Google Glass hat Hill und Lee die Möglichkeit, mit der an der Brille befestigten Kamera Fotos und Filme zu produzieren, und zwar allein durch Sprachsteuerung. Auch der einfache Zugang zum Internet gefiel ihnen. Man tippt gegen den rechten Rahmen von Glass und scrollt dann per Wischbewegung durchs Menü. Darüber lässt sich beispielsweise der Kartendienst von Google aufrufen oder eine Suchmaschinenabfrage starten. Die Informationen erscheinen auf einem daumennagelgroßen transparenten Bildschirm oberhalb des rechten Auges, so platziert, dass das Sichtfeld des Nutzers möglichst nicht eingeschränkt wird.

Negativ bewerteten die beiden Frauen die kurze Akkulaufzeit. Besonders rasch lehrt sich die Batterie, wenn viel mit der Videokamera gearbeitet wird. Google gibt an, dass der Akku von Google Glass bei normaler Nutzung einen ganzen Tag reichen sollte, aber Hill berichtet, dass manchmal nach anderthalb bis zwei Stunden nichts mehr ging, wenn sie die Kamera viel benutzt hat.

Auch der Lautsprecher sei noch nicht optimal, sagten die Testerinnen. Der Lautsprecher arbeitet mit Knochenschall, der Ton sei jedoch außerhalb stiller Räume nur schwer zu verstehen, so die Frauen. „Draußen auf der Straße oder an einem anderen lauteren Ort versteht man überhaupt nichts“, sagt Lee. „Das ist schon anstrengend, weil es sich nicht korrigieren lässt. Eine Lautstärkeregelung würde meiner Meinung nach viele Probleme lösen.“

Hill ist begeistert, seit sie Google Glass im Mai das erste Mal getestet hat. „Es ist, als ob man das Internet im Auge hat, dabei aber weniger störend, als ich es gedacht hätte.“ Einen Vorteil entdeckte sie ziemlich früh, als sie bei einer Taxifahrt eine Videokonferenz einleitete. Als das Taxi am Flughafen ankam, wollte sie die Konferenz abbrechen, um die Hände für ihr Gepäck frei zu haben.

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8 Kommentare zu "Tester zu Googles Datenbrille: „Die Leute glotzten mich an“"

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  • Ich würde mal sagen, dass die TrägerInnen in Europa besser immer mehrere Ersatzbrillen im Gepäck haben. Ist schnell kaputt so ein Stück Plastik, wenn es immer wieder rünterfällt ;-)

  • Wenn ich jemanden sehe, der/die mich mit so einer Brille anschaut, dann werde ich zu dieser Person rübergehen und es gibt eine Anzeige, wegen unerlaubtem Filmen in öffentlichen Bereichen.

    Außerdem kann sich diese Person schon mal darauf einstellen, statt einer Anzeige ein paar ordentlich auf's Maul zu bekommen - je nachdem wie die Situation sich entwickelt (z.B. wenn die Person meint, dass diese nicht auf die Polizei warten muss und sich anfängt zu wehren).

  • „Die Leute glotzten mich an“

    Iss schon klar, würde ich auch tun!!!

    Diese Fuzzi-Tech-Brille!!!

  • Das Recht auf Privatsphäre kommt mehr und mehr unter die Räder.
    Bereits mit einem kleinen Handy kann man einiges anstellen.

    Mit der Google-Datenbrille wird es nun noch leichter.

  • Woher nimmt ein solcher Brillenträger das Recht andere Leute zu filmen und die Dateien zu speichern und an Google zu schicken? Das verletzt doch meine Privatsphäre.

  • Borg-Style

  • Für jemanden, der sowieso Brillenträger ist, mag so ein Gerät vielleicht eine Option sein. Für mich als Nicht-Brillenträger käme so ein Teil niemals in Frage.

  • Endlich wird man dann die ›ferngesteuerten digitalen Affen‹ (Spiegel) von denjenigen eindeutig unterscheiden können, die sich noch ein Stück persönliche Autonomie, Urteilsfähigkeit und Willensfreiheit erhalten haben.

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