TouchPad
HP verschleudert Tablets jetzt auch in Deutschland

Nach dem Strategieschwenk von HP-Chef Leo Apotheker verramscht HP sein Touchpad auch hierzulande zum Schleuderpreis. Mit den Kunden in Deutschland will sich HP in Kürze in Verbindung setzen.
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Düsseldorf/BerlinWeil der weltgrößte PC-Hersteller Hewlett-Packard (HP) sein Geschäftsmodell radikal umstellen will, verschleudert der Konzern weltweit seinen aktuellen iPad-Konkurrenten TouchPad. Der neue Kampfpreis von 99 Dollar sorgte in den USA bereits für lange Schlangen bei Elektronikketten. Nun bietet auch die deutsche Tochter das Tablet in der 16-GB-Version zum Ramschpreis von 99 Euro an, teilte HP Handelsblatt Online auf Anfrage mit. Die Variante mit 32 GB Speicher sei ab sofort für 129 Euro zu haben, so eine Sprecherin. Auch bei den Smartphones mit WebOS stehen die Zeichen auf Ausverkauf: Das HP Pre 3 werde ab sofort für 79 Euro angeboten, das Smartphone HP Via gibt es nun für 59 Euro. Der Online-Store von HP Deutschland war am Nachmittag nur schwer zu erreichen. Wegen der enormen Nachfrage seien die Server zusammengebrochen, hieß es aus der deutschen Niederlassung des Unternehmens in Böblingen.

Auf allen genannten Geräten läuft das mobile Betriebssystem WebOS, das sich HP durch den Kauf des Mobil-Spezialisten Palm einverleibt hatte. Das System wird von Experten und Fachpresse durchgängig gelobt, es fehlen bislang aber die Apps. Daher lagen die Geräte wie Blei in den Regalen. Medienberichten zufolge hatte die US-Elektronikkette "Best Buy" zuletzt verlangt, dass HP mehr als 200.000 TouchPads wieder zurücknimmt. Eine ausführlichen Test des HP Touchpad finden Sie hier.

Nach dem Aus für das Geschäft mit mobilen Geräten will HP in Deutschland auf seine Kunden zugehen. „Zur Klärung aller Fragen, die sich mit Blick auf die Einstellung der mobilen Geräte ergeben, werden wir in den nächsten Tagen und Wochen mit allen Beteiligten sprechen, mit Vertriebspartnern und Kunden“, sagte Deutschland-Geschäftsführer Volker Smid der Nachrichtenagentur dpa. Dazu werde auch ein Fragenkatalog vorbereitet.

Programmierer sind verärgert

Weil der Verkauf von Smartphones und des erst im Juli eingeführten Tablet-Computers TouchPad die Erwartungen nicht erfüllt hat, beschloss Hewlett-Packard, die Entwicklung dieser Geräte mit dem eigenen Betriebssystem einzustellen. Käufer dieser Geräte äußerten sich daraufhin ebenso enttäuscht wie Programmierer für diese Plattform. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der WebOS-Entwickler“, sagte Rene Hennig von der Firma gjuce GmbH in Köln. Jetzt bestehe nur noch die Hoffnung, dass ein Partner gefunden werde, der weiter Geräte mit webOS herstellen werde.

Die Entscheidung zeige, wie sehr die Schnellebigkeit der Branche insbesondere im Consumer-Geschäft zugenommen habe, sagte Smid. Zu der Ankündigung, sich von dem in der Personal Systems Group (PSG) organisierten PC-Geschäft zu lösen, sagte der Deutschland-Chef von Hewlett-Packard: „Das Unternehmen wird in den nächsten zwölf bis 18 Monaten sorgfältig an die Klärung der Frage gehen, wie man dieses Geschäft künftig weiter betreibt. Es kann in verschiedene Richtungen gehen. Das kann ein Spinoff oder auch jede andere Möglichkeit sein.“

HP will sich auf das Cloud Computing konzentrieren

HP sieht die Zukunft im IT-Markt im Cloud Computing und hatte den radikalen Konzernumbau vergangenen Freitag angekündigt. Die Aktie des Konzern verlor daraufhin massiv an Wert. Mit der Übernahme von Autonomy versucht HP über den Zukunftsmarkt des Cloud Computing zu alter Form zurückzufinden. Das Cloud Computing umfasst Dienstleistungen, bei denen Nutzer die Programme nicht mehr auf ihrem Rechner installiert haben, sondern auf Server von Anbietern im Internet zugreifen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " TouchPad: HP verschleudert Tablets jetzt auch in Deutschland"

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  • DerBernd hat Recht - davon abgesehen, dass Léo A. aus der Softwarebranche kommt und einfach kein Hardwareverkäufer ist.

    Mehr zum Thema (vor der Ramschaktion geschrieben): http://wp.ujf.biz/?p=5396

  • Druck- und Darstellungstechnik mit entsprechenden Geräten wie auch PCs in allen Varianten lassen sich noch deutlich verbessern. Das Ziel von HP sollte nicht im immer biligerem Produzieren liegen sondern in Innovationen. Selbst Fernseher lassen sich noch entscheident verbessern. Mal sehen, wenn Apple der Ferseherindustrie zeigt, wie die Dinger bedienerfreundlich werden. Ein Millionengeschäft könnte daraus werden.

    Leider gehöhrt Leo A. wohl zu den 'metoo'-Managern und Kosteneinsparern. Aber SAP und Oracle mit Software und IBM mit Service nachzueifern dürfte der falsche Weg sein. Ohne eigene Produkte schwinden die Service-Gewinne.

  • Die Materialkosten des neuen TouchPad Tablet PC aus dem Hause Hewlett-Packard (HP) summieren sich auf 318 US-Dollar. Addiert man die Herstellungskosten von zehn US-Dollar pro Gerät hinzu, summieren sich die Produktionskosten des Geräts auf 328 US-Dollar, so die Marktforscher aus dem Hause IHS iSuppli.

    Verkaufserlöse: 99 US-Dollar bzw. lt. HB 99 Euro

    Da bleibt nicht viel an Marge hängen. Als Aktionär würde ich mir Sorgen machen.

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