Tragbare Elektronik Nicht ohne mein Smartphone

Computeruhren, Fitnessarmbänder, drahtlose Kopfhörer und VR-Brillen verkaufen sich Jahr für Jahr besser. Doch so populär wie Mobiltelefone sind diese „Wearables“ noch immer nicht. Was gute Gründe hat.
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Die sogenannten „Wearables“ wie VR-Brillen oder Smartwatches bleiben auf absehbare Zeit ein Nischenprodukt. Quelle: dpa
Nutzer mit Virtual-Reality-Brille

Die sogenannten „Wearables“ wie VR-Brillen oder Smartwatches bleiben auf absehbare Zeit ein Nischenprodukt.

(Foto: dpa)

MünchenDie Konsumenten haben im zu Ende gehenden Jahr weltweit beherzt zu sogenannten „Wearables“ gegriffen. Rund 310 Millionen Computeruhren, Fitnessarmbänder oder drahtlose Kopfhörer gingen über die Ladentheken, schätzen die Marktforscher von Gartner. Das sind über 40 Millionen mehr als noch 2016.

Die tragbare Elektronik ist also durchaus im Kommen. Dennoch bleibt das Handy auf absehbare Zeit das Gerät der Wahl für die Menschen weltweit. „Bis 2021 kommt keine andere Kategorie an die Smartphones heran“, sagt Gartner-Analystin Annette Zimmermann. So weit reichen die Vorhersagen des Instituts.

Zum Vergleich: Alleine im dritten Quartal lieferten die Hersteller rund 380 Millionen Mobiltelefone aus, also deutlich mehr als „Wearables“ im gesamten Jahr. Es hat mehrere Gründe, dass die Kunden die Handys bevorzugen. Einerseits rüsten die Anbieter die Smartphones immer weiter auf und ersetzen damit zum Teil sogar die tragbare Elektronik. Andererseits sei der Mehrzahl der Menschen nach wie vor schleierhaft, was sie mit den modernen Geräten überhaupt anfangen soll.

Damit nicht genug: Es sei für die Leute einfach nicht ersichtlich, warum sie etwa für eine sogenannte Smart-Watch, also eine Computeruhr, so viel wie für ein Handy ausgeben sollen, meint Cindy Liu vom amerikanischen Marktforscher E-Marketer. Kommendes Jahr dürfte deshalb lediglich knapp jeder fünfte Amerikaner regelmäßig zu tragbarer Elektronik greifen. Selbst 2021 dürften es nur annähernd 23 Prozent sein, schätzt E-Marketer.

Etwa die Hälfte aller „Wearables“ entfällt auf drahtlose Kopfhörer. Hier erschießt sich der Nutzen sofort. Die mit der Bluetooth-Technik ausgerüsteten Geräte seien daher auch sehr beliebt gewesen im Weihnachtsgeschäft in den USA, so die Marktforscher der Npd Group. 41 Prozent der Apparate seien für 100 Dollar und mehr verkauft worden.

Die zweitgrößte Kategorie mit rund 44 Millionen Stück in diesem Jahr sind Fitnessarmbänder, wie sie schon seit einigen Jahren Firmen wie Garmin oder Fitbit anbieten. Auf gut 40 Millionen Geräte kommen die Hersteller von Computeruhren, allen voran Apple und Samsung. Der Verkauf von Sportuhren stagniert bei etwa 21 Millionen Apparaten im Jahr.

Einige Kategorien wachsen zwar stark, etwa die Computerbrillen oder die Action-Kameras; doch sie kommen von einem niedrigen Niveau. Beispiel Virtual-Reality-Brillen: Seit Jahren versuchen Hersteller wie Facebook oder Samsung, die Geräte einem Massenpublikum schmackhaft zu machen.

Doch weil die Inhalte fehlen, würde sich die breite Masse kaum dafür interessieren, bilanziert Gartner-Expertin Zimmermann. Derzeit seien es insbesondere eingefleischte Computerspieler, die sich gerne die klobigen Gestelle über den Kopf zögen. Die gewöhnlichen TV-Zuschauer hingegen gehören eher nicht zu den Fans dieser Brillen.

So kommt es, dass selbst in vier Jahren nur rund 500 Millionen „Wearables“ verkauft werden, falls die Prognosen der Marktforscher zutreffen. Das dürfte nur einem Viertel der Smartphone-Stückzahlen entsprechen.

Gleichzeitig können die Smartphones immer mehr. Über sogenannte virtuelle persönliche Assistenten würden heute schon fast 40 Prozent der Smartphone-Nutzer mit den Geräten sprechen, meint Analystin Zimmermann. Künftig werde die Software Sprache, Gesichtszüge und Formulierungen analysieren und so besser erkennen, was der Konsument wirklich möchte und dabei sogar Krankheiten vorhersagen.

Im nächsten Jahrzehnt könnte das ein Ausmaß annehmen, das sich heute noch niemand so richtig vorzustellen vermag. Dann dürften Smartphone oder Computeruhr besser über den Gemüts- und Gesundheitszustand des Nutzers im Bilde sein als dessen eigene Familie, ist Zimmermann überzeugt.

86 Mal greifen Jugendliche laut Gartner heute jeden Tag zu ihrem Smartphone. Die Hände und das Gerät selbst können die jungen Leute künftig wohl in der Hosentasche lassen, Sprachsteuerung wird das Tippen ersetzen. Damit werden die Handys vermutlich noch viel wichtiger im täglichen Leben werden, schließlich wird es noch viel einfacher und komfortabler sein, sie zu bedienen. Den „Wearables“ bleibt derweil die Rolle als Accessoire.

Das ist nicht zuletzt der Grund, warum große Sportkonzerne wie Adidas davor zurückschrecken, in das Geschäft zu investieren. Die Marke mit den drei Streifen hat gerade angekündigt, ihre bislang eigenständige Digitalsparte wieder aufzulösen.

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