Trends der IFA
Das Festival der Vernetzung

Die Kamera hört aufs Wort, der Staubsauger erkennt den Bodenbelag, die Uhr dient als Portemonnaie: Auf der IFA geht es nicht nur um Fernseher, sondern um vernetzte Geräte aller Art. Die Elektronikshow dient als Experimentierfeld.
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BerlinDer graue Knopf wurde rot, Willy Brandts Teint nahm eine sommerliche Bräunung an: Vor 50 Jahren schaltete der damalige Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland das Farbfernsehen ein. Mit seinem symbolischen Knopfdruck auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) 1967 in West-Berlin veränderte er, wie die Menschen die Welt sahen. Wenn sie denn schon die richtige Bildröhre ihr Eigen nennen konnten.

So historisch dürfte es nicht zugehen, wenn die Messe am morgigen Freitag zum 57. Mal ihre Pforten öffnet und nach zwei Fachbesuchertagen das allgemeine Publikum auf das Gelände unter dem Funkturm darf. Auch der Fernseher steht nicht mehr so im Mittelpunkt wie damals.

Die IFA ist zu einer Bühne für vernetzte Produkte aller Art geworden, von smarten Uhren über vernetzte Thermostate und Türschlösser bis hin zu Smartphones und – natürlich – Smart-TVs. Was Gadgetfans und Messebesucher wissen müssen: die wichtigsten Trends im Überblick.

Rasante Evolution: Vernetzung

Die IFA ist eine Show für ausgefallene Neuheiten und Konzepte. Da gibt es eine Kamera, die aufs Wort hört; einen Haushaltsroboter, der selbst erkennt, ob er den Boden saugen oder wischen muss - oder Fernseher, die Sendungen der vergangenen Tage zeigen können, ohne dass der Zuschauer sie aufgenommen hat. All das ist nur möglich, weil die Geräte vernetzt sind: mit dem Smartphone und direkt mit dem Internet.

„Der Trend der Vernetzung steht über allem“, sagt Timm Lutter, Leiter des Bereichs Unterhaltungselektronik und digitale Medien beim IT-Verband Bitkom. „Die Geräte werden nach und nach alle miteinander verbunden.“

Einige Produktkategorien sind erst dadurch möglich geworden, etwa Wearables wie Computeruhren. Nun lässt sich nach der Einschätzung des Elektronikexperten ein evolutionärer Prozess beobachten: Mit Versuch und Irrtum finden die Hersteller heraus, welche Produkte auch sinnvoll sind.

Nicht alles, was auf der IFA zu sehen ist, wird sich durchsetzen, zumindest nicht auf dem Massenmarkt. Lutter nennt Computerbrillen als ein Beispiel: Google Glass sei bei vielen Menschen auf Skepsis gestoßen, weil sie nicht das Gefühl haben wollten, permanent gefilmt zu werden. Doch im kommerziellen Einsatz habe sich das Konzept bewährt, beispielsweise bei Monteuren oder Lagerarbeitern.

Wie ein Gemälde: Fernseher

Auch wenn das Smartphone immer dabei ist, auch wenn Netflix und Youtube nur einen Klick entfernt sind – auf einen Fernseher wollen viele Menschen trotzdem nicht verzichten. Für jeden Dritten ist das TV unverzichtbar, ergab eine Umfrage von TNS-Emnid vor einem Jahr.

Und eine aktuelle Umfrage von Samsung ergibt, dass vier von zehn Nutzern (41 Prozent) am liebsten gemeinsam mit dem Partner fernsehen und jeder Dritte (35 Prozent) mindestens einmal im Monat mit anderen Menschen Serien, TV-Events oder Sportereignisse schaut.

Streaming-Dienste fördern nach Ansicht von Samsung-Manager Kai Hillebrandt sogar die Nachfrage nach hochwertigen Fernsehern: „Serien wie ‚Game of Thrones‘ sind episch erzählt und bieten ein tolles Bilderlebnis – das macht Lust, sich wieder mehr mit Technologie zu beschäftigen.“ Nicht zuletzt, weil Anbieter wie Netflix experimentierfreudig sind und neue Standards früh ausprobieren - die hohe Auflösung Ultra-HD etwa, das Tonformat Atmos oder die Bildtechnik HDR.

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  • Mein Haus bleibt dumm, meine Uhr auch.

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