Übernahme-Vorboten in den USA: Flurbereinigung in der Telekombranche

Übernahme-Vorboten in den USA
Flurbereinigung in der Telekombranche

Auf dem US-Telekommunikationsmarkt haben sich in nur zwei Monaten vier Großfusionen angebahnt: Verizon bietet für MCI, SBC übernimmt die Ex-Mutter AT&T, Alltel kauft Western Wireless und Sprint will Nextel schlucken. Eine regelrechte Flurbereinigung im Bereich Festnetz und Mobilfunk ist in Gang gekommen.

HB DÜSSELDORF. Auch in Europa steht die Branche Experten zufolge vor einer Konsolidierung. Megafusionen werden hier zwar nicht erwartet, wohl aber diverse Übernahmen. Am ehesten dürfte der britische Markt in Bewegung kommen. Zudem seien Arrondierungen in Osteuropa und Zukäufe im Internetbereich wahrscheinlich.

Nach den milliardenschweren Investments zu Zeiten des "New-Economy"-Booms und dem anschließenden Fall der Hightech-Industrie herrschte in den vergangenen Jahren in Sachen "Mergers and Acquisitions" weitgehend Ruhe auf dem europäischen TK-Markt. Großkonzerne wie France Telekom oder die Deutsche Telekom waren hauptsächlich damit beschäftigt, die hohen Übernahmepreise zu verdauen und die Schuldenberge abzutragen, die sich aus teuren Übernahmen und dem Erwerb der UMTS-Lizenzen aufgetürmt hatten. Inzwischen haben sich die Unternehmen gefangen - es ist wieder Geld vorhanden, das Anlagen sucht.

"Wir sehen bei den europäischen Telcos zum Teil enorme Cash-Flows, die zur Zeit vor allem in Ausschüttungen, Aktienrückkäufe oder die Wiedereingliederung von Tochterunternehmen gehen", konstatiert Analyst Robert Gallecker, der die Branche für die Bayerische Landesbank beobachtet. Angesichts dessen rege sich Übernahmephantasie: "Kleinere Übernahmen drängen sich fast auf", sagt der Experte. Auch sein Kollege Uwe Neumann von Credit Suisse First Boston meint, eine Konsolidierung nach dem Vorbild der USA werde in Europa zunehmend wahrscheinlich.

Dafür nennt der Analyst vor allem zwei Gründe. Zum Einen sei eine zunehmende Sättigung in den Festnetz- und Mobilfunkmärkten festzustellen, was zu einem verschärften Kampf um Anteile führen und zu Übernahmen anstacheln dürfte. "Potenzielle Übernahme- oder Fusionskandidaten gibt es viele", erläutert Neumann in einer Studie. Seine Schlussfolgerung: "Grundsätzlich dürften vor allem Marktschwergewichte wie France Telecom, Telefonica oder Deutsche Telekom früher oder später tätig werden."

Zum Anderen hält es Neumann für möglich, dass manche Konzerne versucht sein könnten, durch teils fremdfinanzierte Zukäufe die Eigenkapitalrenditen zu verbessern. Einige Gesellschaften wie Swisscom, Belgacom oder TeliaSonera hätten keine oder kaum noch Schulden. Angesichts der niedrigen Zinsen böten sich da Übernahmen an. Auch Vodafone und Telefonica führt Neumann in diesem Zusammenhang an. Auf der Kostenseite sieht der Analyst kein vernünftiges Motiv: "Breite Zustimmung herrscht darüber, dass grenzüberschreitende Fusionen oder Übernahmen in der Telekommunikationsindustrie kaum operative Synergien bieten."

Angesichts des vergleichsweise hohen Wettbewerbsdrucks schätzt Neumann, dass die Marktbereinigung in Großbritannien starten wird. Für denkbar hält er unter anderem einen Zusammenschluss von British Telecom mit Cable & Wireless. In erster Linie aber bleibe der Mobilfunkbetreiber mmO2 ein Übernahmeziel. Im vergangenen Jahr hatte der Konkurrent KPN versucht, das Unternehmen zu schlucken, was in Deutschland auf eine Fusion der Mobilfunktöchter E-Plus und O2 hinausgelaufen wäre. Von den hiesigen Anbietern kommt für Neumann noch die mobilcom mit ihrem attraktiven hohen Verlustvortrag als Kaufobjekt in Frage.

Die eigene Tochter freenet.de liebäugelt bereits mit einem solchen Gedanken. Auch der europaweit tätige Service-Provider Tele2 könnte ein Auge auf mobilcom haben, meint Neumann. Der Deutschen Telekom unterstellt er neben dem Bestreben nach Aufstockungen von Beteiligungen in Osteuropa ein Interesse am Ausbau der ausländischen Internetaktivitäten. Hier seien Zukäufe in Frankreich (Iliad), Italien (Wind) oder Spanien (Amena) denkbar. Analyst Gallecker hält kleinere Übernahmen im Prinzip für sinnvoll. Die "Mammutfusionen" der Vergangenheit sollten aber nicht wiederkehren, warnt er: "Da war nicht alles Gold, was geglänzt hat."

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