Übernahmewelle
Konsolidierung im US-Telekom-Markt

Die Konsolidierung am US-Telekommarkt hat sich dramatisch beschleunigt. Nach einer gewaltigen Übernahmewelle kristallisieren sich mit SBC Communications und Verizon zwei dominierende amerikanische Telekom-Giganten heraus. Dagegen steht der Rest der amerikanischen Telekom-Firmen zukünftig im zweiten Glied.

dpa NEW YORK. Die Konsolidierung am US-Telekommarkt hat sich dramatisch beschleunigt. Nach einer gewaltigen Übernahmewelle kristallisieren sich mit SBC Communications und Verizon zwei dominierende amerikanische Telekom-Giganten heraus. Dagegen steht der Rest der amerikanischen Telekom-Firmen zukünftig im zweiten Glied.

SBC kauft jetzt die größte amerikanische Ferngesprächsfirma AT & T für 16 Mrd. Dollar. Verizon übernimmt seinerseits die zweitgrößte US-Ferngesprächsfirma MCI für 6,7 Mill. Dollar. SBC und Verizon verschaffen sich damit landesweite und globale Reichweite. Ihr Interesse konzentriert sich dabei weniger auf die rasant schrumpfenden Ferngesprächssparten mit 24 Mill. AT & T - und 14 Mill. MCI-Kunden, sondern viel mehr auf die Mill. lukrativer Unternehmenskunden beider Firmen in aller Welt.

Die Konzerne können nunmehr gebündelt lokale, regionale und landesweite sowie globale Telefon-, Mobilfunk-, Daten-, Internet- und andere Breitbanddienste aus einer Hand anbieten und so die Kunden anlocken. Und sie können damit kleineren Konkurrenten die Kunden abnehmen. Beide Transaktionen müssen von den US-Wettbewerbshütern und von der für den Telekombereich zuständigen Aufsichtsbehörde FCC gebilligt werden.

US-Verbrauchergruppen befürchten bereits steigende Preise. Die US- Telekomunternehmen verweisen hingegen auf den Vorstoß von Kabelfernsehfirmen ins Telefongeschäft.

Denn Kabel-TV-Firmen wie Comcast, Time Warner und Cox haben den Telefonkonzernen den Kampf angesagt. Sie bieten ihren eigenen Kunden zu sehr günstigen Preisen nicht nur Kabelfernsehen, sondern inzwischen auch Internet- und Telefondienste über ihre Breitband- Verbindungen an.

Die Telefongesellschaften sind ihrerseits dabei, ihre Breitbandnetze aufzurüsten. Sie wollen so zukünftig ebenfalls Fernsehen in die Häuser und Wohnungen der Amerikaner einspielen, gegen Bezahlung versteht sich. So können die Amerikaner dann von einer Telefon- oder einer Kabelfernsehfirma Telefon-, Mobilfunk-, Internet- und Fernseh-Dienste gebündelt aus einer Hand beziehen. Dies ist das große Ziel der Kontrahenten.

Hinzu kommt der Siegeszug des Mobilfunks, der die gesamte Telekombranche in den USA umgekrempelt hat. Die drittgrößte Ferngesprächsgesellschaft Sprint konzentriert sich auf diesen Bereich und kauft die Mobilfunkfirma Nextel für 35 Mrd. Dollar. Sie hat dann 32 Mill. Mobilfunkkunden. Verizon ist mit seiner Mobilfunkfirma Verizon Wireless und 42 Mill. Mobilfunkkunden die Nummer zwei. Die britische Vodafone hat eine Minderheitsbeteilung bei Verizon Wireless.

Cingular Wireless war durch den Kauf der AT & T Wireless im Februar 2004 für 47 Mrd. Dollar größter US-Mobilfunkanbieter geworden und hat rund 48 Mill. Handy-Nutzer. Cingular gehört SBC und der Telefongesellschaft Bellsouth gemeinsam.

Bellsouth steht jetzt vor der großen Frage, was das Unternehmen angesichts der rasanten Branchenkonsolidierung machen soll. Die große aber überschuldete Telefongesellschaft Qwest hatte in letzter Sekunden 7,3 Mrd. Dollar für MCI offeriert, doch hatten MCI- Chef Michael Capellas und der Verwaltungsrat die solidere Verizon mit ihrem niedrigeren Angebot vorgezogen.

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