Unternehmen planen eine weitere Allianz für einheitliche Handy-Dienste
Kleinere Mobilfunkbetreiber gehen in die Offensive

Nach dem Vorbild der globalen Allianzen in der Luftfahrt wollen die Mobilfunker durch Kooperation ihre Kunden im Ausland besser bedienen und Lücken in der eigenen Netzabdeckung schließen.

and/slo LONDON/DÜSSELDORF. Der britische Mobilfunkkonzern MMO2 verhandelt mit einigen kleineren Konkurrenten über eine europaweite Kooperation bei mobilen Datendiensten. Damit reagieren die Briten auf die jüngst besiegelte Allianz der führenden europäischen Mobilfunker – T-Mobile, Orange, Telefónica Móviles und Telecom Italia Mobile (TIM). „Das Abkommen soll in den nächsten zwei Monaten stehen“, sagte ein MMO2-Sprecher.

Nach dem Vorbild der globalen Allianzen in der Luftfahrt wollen die Mobilfunker durch Kooperation ihre Kunden im Ausland besser bedienen und Lücken in der eigenen Netzabdeckung schließen. So wollen sie dem weltweit größten Mobilfunker Vodafone effektiver die Stirn bieten können. Vodafone betreibt in fast allen europäischen Ländern eigene Netze.

Die Verhandlungspartner wollte MMO2 nicht nennen. Nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen werden Gespräche mit der französischen Bouygues Telecom, der spanischen Amena, der italienischen Wind, der niederländischen KPN Mobile und Sunrise in der Schweiz geführt. In der Branche ist auch von Verhandlungen mit Telenor in Norwegen und One in Österreich die Rede. Die Unternehmen wollten das offiziell nicht bestätigen. Die potenziellen Partner haben zusammen mehr als 50 Millionen Kunden.

Zunächst will MMO2 das Allianz- Netz in Kerneuropa festzurren und später Skandinavien abdecken. Zum Weihnachtsgeschäft sollen die ersten Produkte zur Verfügung stehen. Dabei geht es nach Angaben des britischen Unternehmens nicht nur um vereinfachte Tarife für das mobile Telefonieren im Ausland, sondern vor allem auch um die grenzüberschreitende Nutzung verschiedener Service-Angebote. So sollen beispielsweise MMO2-Kunden in Spanien, wo die Briten nicht vertreten sind, ihren mobilen Anrufbeantworter über die selbe Nummer anwählen wie in ihrer Heimat, sie sollen die gewohnten Handy-Dienste nutzen oder ihre Guthabenkarten ähnlich aufladen können, wie sie es von zu Hause aus gewohnt sind.

Übernahmen werde es in diesem Zusammenhang nicht geben, sagte der MMO2-Sprecher. Spekulationen, MMO2 könne in Großbritannien mit dem UMTS-Pionier Hutchison fusionieren, wies er zurück.

Nach Ansicht von Analysten sind Allianzen sinnvoll, wenn sich die Partner nicht gegenseitig Konkurrenz machen. Daher hatte MMO2 im Prinzip gar keine andere Wahl, als selbst ein Mobilfunkbündnis aufzubauen. Denn das Unternehmen kann sich schwerlich der Allianz um T-Mobile, die etwa 170 Millionen Nutzer hat, anschließen. Beide Anbieter konkurrieren in Großbritannien und in Deutschland.

Hinzu kommt: Durch das Bündnis der Branchenschwergewichte um T-Mobile drohen kleineren Mobilfunkbetreibern Einnahmeausfälle. Die Umsätze durch ausländische Kunden im Netz (Roaming-Gebühren) können niedriger ausfallen, wenn künftig beispielsweise Kunden der italienischen TIM bei Reisen nach Großbritannien nur noch über das Netz des Allianzpartners T-Mobile telefonieren und nicht im MMO2-Netz. Roaming-Gebühren machen nach Schätzungen der Marktforscher von Ovum 10 bis 15 % der Mobilfunker-Umsätze aus. Matthew Lewis, Analyst bei Daiwa Securities, hält Bündnisse der kleineren Mobilfunker daher für unvermeidbar. So ließen sich Ersparnisse und Größenvorteile realisieren.

Die ersten Produkte, die die Allianz um T-Mobile bisher vorlegte, haben Experten aber nicht überzeugt. Das Telefonieren mit vorausbezahlten Karten soll in mehr Ländern möglich und das Versenden von Bildnachrichten einfacher werden. „Die Allianz wird erst interessant, wenn sich die Partner auf ein transparentes Preissystem einigen“, sagt Markus Sander, Analyst bei Sal. Oppenheim. „Denn bisher hat die Allianz keine Auswirkungen auf das Geschäft der Unternehmen.“

Quelle: Handelsblatt

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