Verbraucherschützer gehen vor
Klingelton-Anbieter abgemahnt

Klingeltonanbieter geraten in Deutschland in schweres Fahrwasser: Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat den Marktführer Jamba wegen seiner undurchsichtigen Vertragsbedingungen abgemahnt. Die Musiksender MTV und VIVA haben angekündigt, im Nachmittags- und Abendprogramm keine Klingeltonwerbung mehr zu senden.

HB BERLIN. Stein des Anstoßes waren die Verkaufspraktiken des Berliner Unternehmens. Die Verbraucherschützer hatten beanstandet, dass beim Kauf eines Klingeltons oder Logos nicht bloß das einzelne Produkt erworben, sondern meist ein ganzes Paket an Leistungen geordert wurde. Im Normalfall kostet ein solches "Sparabonnement" 4,99 Euro, die bis zur Kündigung monatlich über die Handyrechnung eingezogen werden oder das Guthaben einer Prepaid-Karte belasten. Jamba hatte sich am vergangenen Montag verpflichtet, auf seiner Website genauer darauf hinzuweisen, wenn ein solches Abonnement abgeschlossen wird.

Inzwischen teilt Jamba beim Kauf eines Klingeltons mit, dass der Verbraucher mit seiner Bestellung einen "Sparabo-Download" startet. Bestätigt er einfach nur die Bestellung, wird das Abo aktiviert. Um das zu vermeiden, muss der Verbraucher das Bestellformular über den Link "andere Bezugsmöglichkeiten" verlassen.

"Jamba hat unsere Forderung für die Website erfüllt. Trotzdem bleibt die Bedienung schwierig für den Verbraucher", sagte Patrick von Braunmühl, Fachbereichsleiter beim Verbraucherzentralen Bundesverband. Es sei noch nicht abzusehen, wie viel klarer das Angebot durch die Änderung werde. Der Verband werde den Anbieter weiter im Auge behalten, um im Notfall erneut tätig zu werden.

Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) kritisierte die Anbieter: „Die Klingeltonindustrie boomt vor allem deshalb, weil sie die geschäftliche Unerfahrenheit von Kindern und Jugendlichen ausnutzt“, sagte Künast dem Tagesspiegel. Die Ministerin forderte die Unionsländer auf, ihre Blockade aufzugeben und am 5. September im Vermittlungsausschuss dem neuen Telekommunikationsgesetz zuzustimmen. Das Gesetz enthält zahlreiche Vorschriften für einen besseren Verbraucherschutz bei Handy-Diensten.

Ein Hauptvertriebskanal von Jamba und Co. ist außerdem die TV-Werbung, wo die Bestellung von Klingeltönen per Handy-Kurzwahl beworben wird. Die Spots laufen fast ausschließlich bei Musiksendern wie MTV oder VIVA und sind wegen ihrer Penetranz schon oft auf Kritik gestoßen. Dem wollen die Musiksender nun begegnen. MTV kündigte an, ab Oktober keine Klingeltonwerbung mehr zwischen 16 und 24 Uhr zu senden. VIVA soll im März kommenden Jahres nachziehen. "Wir wollen vermehrt klassische Werbekunden ansprechen", heißt es von Seiten des Senders. Diese hatten sich in letzter Zeit immer stärker zurückgezogen, da ihre Spots in den aggressiven Klingelton-Werbeblöcken untergegangen waren.

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