Verbraucherverbände klagen: Roaming-Preise sinken nicht

Verbraucherverbände klagen
Roaming-Preise sinken nicht

Das mobile Telefonieren im Ausland (Roaming) ist trotz einer von der EU-Kommission angedrohten Verordnung zur Preisbegrenzung immer noch nicht billiger geworden. Dies erklärte der Direktor des Dachverbandes der EU-Verbraucherorganisationen (Beuc), Jim Murray, am Dienstag in Brüssel.

dpa BRÜSSEL. Der Verband forderte einen Roaming-Höchstpreis von 33 Cent pro Minute. Die tatsächlichen Kosten der Anbieter seien oft deutlich niedriger. Heute zahlen die Handy-Kunden beim Telefonieren im Ausland nach Angaben der EU-Kommission durchschnittlich 1,15 Euro pro Minute.

In einer Studie des Beuc heißt es, die Mobilfunkbetreiber operierten zwar mit vielen „Bündel-Angeboten“ und Tarifplänen aller Art. Diese seien „sehr komplex, schwer zu benutzen und ohne nachvollziehbare Auswirkungen auf die Gesamtkosten“. Sie dienten offensichtlich lediglich der Vernebelung. Die Tarife seien, gerade was das Telefonieren im Ausland angehe, sehr unübersichtlich. Vor allem gebe es oft keine Unterschiede beispielsweise zwischen dem Telefonieren aus dem Ausland nach Hause, dem Telefonieren innerhalb eines ausländischen Staates oder zwischen zwei Staaten.

Die EU-Kommission hatte im Juli vergangenen Jahres den Entwurf einer Verordnung zur Begrenzung der Roaming-Kosten vorgelegt. Diese Verordnung soll nach bisherigen Planungen noch unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft bis Ende Juni verabschiedet werden. Die Kommission will unter anderem, dass der Endkundenpreis nicht mehr als 30 Prozent über dem Großkundenpreis liegen darf. Von den hohen Roaming-Tarifen sind der Kommission zufolge 110 Mill. Geschäftskunden und 37 Mill. Touristen betroffen. Die Kosten für einen Roaming-Anruf lägen fünf mal höher als die tatsächlichen Kosten und vier mal höher als die Inlandstarife. Die Kommission begründet das beabsichtigte Eingreifen in den Roaming-Markt damit, die Tarife stellten vor allem für mittlere Unternehmen „einen erheblichen Kostenfaktor“ dar.

Der EU-Verbraucherverband Beuc bezeichnete die Argumentation der Betreiber, die Geschäftskunden seien zum Roaming gezwungen und würden bei niedrigeren Endpreisen auch nicht mehr als bisher telefonieren, als „bizarr“. Dies erkläre zwar „exorbitante“ Preise, sei aber falsch: Nicht nur Geschäftskunden, vor allem Touristen würden wesentlich mehr im Ausland mobil telefonieren, wenn das nicht so teuer wäre. Der Verband kam bei der Prüfung der Handy-Rechnungen von 29 Europa-Abgeordneten zu dem Ergebnis, dass jeder Parlamentarier bei Begrenzung der Roaming-Kosten im Durchschnitt 1 159 Euro pro Monat sparen würde.

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