Videotelefonie
Guck mal, wer da spricht

Trauen Sie nicht der Fernsehwerbung: Um auf Dienstreisen mit dem Nachwuchs videotelefonieren, Grimassen schneiden und rumalbern zu können, müssen Sie sich nicht unbedingt mit einem Mobiltelefon in der Hand in der Hotellobby der Lächerlichkeit preisgeben.

HB DÜSSELDORF. Sie können sich auch mit einem Laptop auf dem Schoß im Straßencafé lächerlich machen. Alles, was Sie brauchen, ist eine kostenlose Software, eine tragbare Netzkamera (ab 30 Euro) und einen Breitband-Internetzugang.

Als erster Anbieter hat Microsoft Videotelefonie in seine Software MSN Messenger 7.0 eingefügt. Das ist mehr als die klassischen Programme. Die sind so etwas wie ein Walkie-Talkie in Schriftform. Ein Teilnehmer schickt eine Botschaft aus ein paar Worten oder lustigen Zeichen ("Smiley"), der andere antwortet und so weiter. Die Liste der Botschaften wird in einem Fenster angezeigt. In einer "Freundesliste" steht, wer gerade am Computer für einen Plausch erreichbar ist.

Der Gedankenaustausch hat einen eigenen Charme. Als Nutzer des AOL-Messengers kann der Autor das aus eigener Erfahrung nur bestätigen.

Der Messenger gibt viele Freiheiten, ist aber auch unerbittlich. Wer will, antwortet auf eine Botschaft sofort oder nimmt sich erst mal Bedenkzeit. Vom platten Schnack über das private Gespräch bis zum philosophischen Disput mit Freunden ist alles möglich.

Der Messenger zwingt zum Nachdenken, zur exakten Formulierung. Das einmal "Gesagte" steht im Raum - und das ist wörtlich gemeint. Es ist nicht vergänglich wie ein achtlos dahingeworfener Satz am Telefon. Die Textnachricht ist immer wieder nachzulesen, nicht rückrufbar und lässt sich nicht leugnen. Kurz: Text-Messaging ist eine Kunst für sich.

Und jetzt stattdessen der Videoplausch? Nun ja, mal sehen.

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