VR-Kamera Ozo
Nokias Zukunft hat acht Augen

Nokia will sich neu erfinden: Der einstige Handyhersteller entwickelt eine Virtual-Reality-Kamera. In den Aufnahmen können sich die Zuschauer umschauen, als wären sie selbst vor Ort. Hobbyfilmer brauchen aber Geduld.

DüsseldorfNokia hat sich in seiner langen Geschichte schon oft neu erfunden. Das finnische Unternehmen hat erst Papier hergestellt, später Gummistiefel und Reifen, dann viele Jahre Mobiltelefone – bis es die Sparte nach Jahren des Niedergangs an Microsoft verkaufte. Nun steht die nächste Metamorphose an: Der Elektronikkonzern setzt auf das Thema Virtual Reality (VR). Er nimmt ab jetzt Vorbestellungen für eine Kamera entgegen, mit der Filmemacher 360-Grad-Bilder aufnehmen können. Er setzt damit auf eine vielversprechende Technologie, der bald der Durchbruch gelingen könnte.

Ozo, so der Name des Gerätes, ist eine Kugel von der Größe eines menschlichen Kopfes, in die acht Kameras eingelassen sind. Die Linsen nehmen ein 360-Grad-Bild auf, parallel fangen Mikrofone die Geräuschkulisse ein. Eine Software fügt all das zu einem Film zusammen, in dem sich die Zuschauer umgucken können sollen – ganz so, als wären sie selbst an diesem Ort. Dafür brauchen sie lediglich eine VR-Brille, deren Bildschirm einen Rundum-Effekt erzeugt.

Das neue Gerät richtet sich an professionelle Filmemacher, schon wegen des Preises von 60.000 Dollar. Ein Vorteil gegenüber anderen Kameras besteht darin, dass die Bilder in Echtzeit aufbereitet werden. Somit könnte beispielsweise ein Regisseur am Set gleich überprüfen, ob die Aufnahmen so geworden sind wie gewünscht. Man sei mit allen wichtigen Filmstudios im Gespräch, ließ denn auch Nokia-Manager Ramzi Haidamus das Technikportal „Venture Beat“ wissen. Was auch immer das im Detail heißt.

Nokia will die Ozo-Kamera ab dem ersten Quartal 2016 ausliefern. Ein günstiger Zeitpunkt: Im nächsten Jahr kommen mehrere Brillen für die Rundumbilder auf den Markt, beispielsweise von Oculus VR, HTC und Sony. Computerspiele gelten derzeit als wichtigstes Einsatzgebiet, aber auch etliche Medienunternehmen experimentieren mit dem Format. So hat die „New York Times“ ein Feature über die Flüchtlingskrise erstellt. Auch etliche Filmemacher wollen die virtuelle Realität mit ihren 360-Grad-Bildern nutzen. Bislang mangelt es jedoch an professionellen Kameras dafür. Neben Nokia arbeiten auch der Actionkamera-Hersteller Gopro und die Start-ups Lytro und Jaunt an solchen Geräten.

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Nur ein erster Schritt für Nokia

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