Wachdienst am PC Was kostenlose Virenscanner leisten können

Mit immer neuen Tricks versuchen Kriminelle, sich in Rechner einzuschleichen. Antiviren-Programme sollen davor schützen - einige machen das sogar kostenlos. Doch bieten solche Gratisangebote ausreichend Schutz?
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Quellcode eines Computervirus. Antiviren-Programme sind unverzichtbar, denn gehackte E-Mail-Konten, gestohlene Passwörter oder ein von Trojanern gekaperter Rechner sind ein Alptraum. Quelle: dpa

Quellcode eines Computervirus. Antiviren-Programme sind unverzichtbar, denn gehackte E-Mail-Konten, gestohlene Passwörter oder ein von Trojanern gekaperter Rechner sind ein Alptraum.

(Foto: dpa)

BerlinAntiviren-Programme sind nicht die beliebtesten Gäste auf dem Rechner. Tendenziell verlangsamen sie den Start von Windows, bremsen Anwendungen und können auch mal falschen Alarm schlagen.

Dennoch sind sie unverzichtbar: Denn ein gehacktes E-Mail-Konto, gestohlene Passwörter oder ein von Trojanern gekaperter Rechner sind ein Alptraum. Für guten Grundschutz muss man noch nicht einmal zahlen. Auch Gratis-Virenscanner schneiden in Tests gut ab.

Als „absolute Pflicht“ bezeichnet Christian Schlüter von der Stiftung Warentest Schutzprogramme. Die Bedrohungslage werde immer kritischer, vor allem für Windows-Rechner.

„Im Zweifel kann der normale Internet-Nutzer gar nicht einschätzen, ob er sich im Internet auf einer Seite bewegt, auf der er gefährdet ist“, sagt Schlüter. Denn nicht nur von zwielichtigen Websites können Gefahren ausgehen. Angreifer versuchen immer wieder, auch über seriöse Portal- oder Nachrichtenseiten Schafsoftware zu verteilen – vornehmlich durch Manipulation von Werbebannern.

Elf Anzeichen, dass Sie gehackt wurden
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Software installiert sich selbstständig

Ungewollte und unerwartete Installationsprozesse, die aus dem Nichts starten, sind ein starkes Anzeichen dafür, dass das System gehackt wurde. In den frühen Tagen der Malware waren die meisten Programme einfache Computerviren, die die "seriösen" Anwendungen veränderten - einfach um sich besser verstecken zu können. Heutzutage kommt Malware meist in Form von Trojanern und Würmern daher, die sich wie jede x-beliebige Software mittels einer Installationsroutine auf dem Rechner platziert. Häufig kommen sie "Huckepack" mit sauberen Programmen - also besser immer fleißig Lizenzvereinbarungen lesen, bevor eine Installation gestartet wird. In den meisten dieser Texte, die niemand liest, wird haarklein aufgeführt, welche Programme wie mitkommen.

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Was zu tun ist: Es gibt eine Menge kostenlose Programme, die alle installierten Applikationen auflisten und sie verwalten. Ein Windows-Beispiel ist Autoruns, das zudem aufzeigt, welche Software beim Systemstart mit geladen wird. Das ist gerade in Bezug auf Schadprogramme äußerst aussagekräftig - aber auch kompliziert, weil nicht jeder Anwender weiß, welche der Programme notwendig und sinnvoll und welche überflüssig und schädlich sind. Hier hilft eine Suche im Web weiter - oder die Deaktivierung von Software, die sich nicht zuordnen lässt. Wird das Programm doch benötigt, wird Ihnen das System das schon mitteilen…

Die Computermaus wird 40
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Die Maus arbeitet, ohne dass Sie sie benutzen

Springt der Mauszeiger wie wild über den Bildschirm und trifft dabei Auswahlen oder vollführt andere Aktionen, für deren Ausführung im Normalfall geklickt werden müsste, ist der Computer definitiv gehackt worden. Mauszeiger bewegen sich durchaus schon einmal von selbst, wenn es Hardware-Probleme gibt. Klick-Aktionen jedoch sind nur mit menschlichem Handeln zu erklären.

Stellen Sie sich das so vor: Der Hacker bricht in einen Computer ein und verhält sich erst einmal ruhig. Nachts dann, wenn der Besitzer mutmaßlich schläft (der Rechner aber noch eingeschaltet ist), wird er aktiv und beginnt, das System auszuspionieren - dabei nutzt er dann auch den Mauszeiger.

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Was zu tun ist: Wenn Ihr Rechner des Nachts von selbst "zum Leben erwacht", nehmen Sie sich kurz Zeit, um zu schauen, was die Eindringlinge in Ihrem System treiben. Passen Sie nur auf, dass keine wichtigen Daten kopiert oder Überweisungen in Ihrem Namen getätigt werden. Am besten einige Fotos vom Bildschirm machen (mit der Digitalkamera oder dem Smartphone), um das Eindringen zu dokumentieren. Anschließend können Sie den Computer ausschalten - trennen Sie die Netzverbindung (wenn vorhanden, Router deaktivieren) und rufen Sie die Profis. Denn nun brauchen Sie wirklich fremde Hilfe.

Anschließend nutzen Sie einen anderen (sauberen!) Rechner, um alle Login-Informationen und Passwörter zu ändern. Prüfen Sie Ihr Bankkonto - investieren Sie am besten in einen Dienst, der Ihr Konto in der folgenden Zeit überwacht und Sie über alle Transaktionen auf dem Laufenden hält. Um das unterwanderte System zu säubern, bleibt als einzige Möglichkeit die komplette Neuinstallation. Ist Ihnen bereits finanzieller Schaden entstanden, sollten IT-Forensiker vorher eine vollständige Kopie aller Festplatten machen. Sie selbst sollten die Strafverfolgungsbehörden einschalten und Anzeige erstatten. Die Festplattenkopien werden Sie benötigen, um den Schaden belegen zu können.

Illustration Cyberkriminalität
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Online-Passwörter ändern sich plötzlich

Wenn eines oder mehrere Ihrer Online-Passwörter sich von einem auf den anderen Moment ändern, ist entweder das gesamte System oder zumindest der betroffene Online-Dienst kompromittiert. Für gewöhnlich hat der Anwender zuvor auf eine authentisch anmutende Phishing-Mail geantwortet, die ihn um die Erneuerung seines Passworts für einen bestimmten Online-Dienst gebeten hat. Dem nachgekommen, wundert sich der Nutzer wenig überraschend, dass sein Passwort nochmals geändert wurde und später, dass in seinem Namen Einkäufe getätigt, beleidigenden Postings abgesetzt, Profile gelöscht oder Verträge abgeschlossen werden.

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Was zu tun ist: Sobald die Gefahr besteht, dass mit Ihren Daten handfest Schindluder getrieben wird, informieren Sie unverzüglich alle Kontakte über den kompromittierten Account. Danach kontaktieren Sie den betroffenen Online-Dienst und melden die Kompromittierung. Die meisten Services kennen derartige Vorfälle zu Genüge und helfen Ihnen mit einem neuen Passwort, das Konto schnell wieder unter die eigene Kontrolle zu bekommen. Einige Dienste haben diesen Vorgang bereits automatisiert. Wenige bieten sogar einen klickbaren Button "Mein Freund wurde gehackt!" an, über den Dritte diesen Prozess für Sie anstoßen können. Das ist insofern hilfreich, als Ihre Kontakte oft von der Unterwanderung Ihres Kontos wissen, bevor Sie selbst etwas davon mitbekommen.

Werden die gestohlenen Anmeldedaten auch auf anderen Plattformen genutzt, sollten sie dort natürlich schnellstmöglich geändert werden. Und seien Sie beim nächsten Mal vorsichtiger! Es gibt kaum Fälle, in denen Web-Dienste E-Mails versenden, in denen die Login-Informationen abgefragt werden. Grundsätzlich ist es immer besser, ausschließlich Online-Dienste zu nutzen, die eine Zwei-Faktor-Authentifizierung verlangen - das macht es schwieriger, Daten zu entwenden.

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Gefälschte Antivirus-Meldungen

Fake-Warnmeldungen des Virenscanners gehören zu den sichersten Anzeichen dafür, dass das System kompromittiert wurde. Vielen Anwendern ist nicht bewusst, dass in dem Moment, wo eine derartige Meldung aufkommt, das Unheil bereits geschehen ist. Ein Klick auf "Nein" oder "Abbrechen", um den Fake-Virusscan aufzuhalten, genügt natürlich nicht - die Schadsoftware hat sich bestehende Sicherheitslücken bereits zunutze gemacht und ist ins System eingedrungen.

Bleibt die Frage: Warum löst die Malware diese "Viruswarnung" überhaupt aus? Ganz einfach: Der vorgebliche Prüfvorgang, der immer Unmengen an "Viren" auftut, wird als Lockmittel für den Kauf eines Produkts eingesetzt. Wer auf den dargestellten Link klickt, gelangt auf eine professionell anmutende Website, die mit positiven Kundenbewertungen und Empfehlungen zugepflastert ist. Dort werden Kreditkartennummer und andere Rechnungsdaten abgefragt - und immer noch viel zu viele Nutzer fallen auf diese Masche herein und geben ihre Identität freiwillig an die Kriminellen ab, ohne etwas davon zu merken.

Was Virenschutzprogramme tatsächlich leisten, hat die Stiftung Warentest kürzlich untersucht und 17 Programme getestet, darunter 4 kostenlose. Das AV-Test-Institut in Magdeburg stellte jüngst gleich 25 Programme auf den Prüfstand. Aus Nutzersicht verwirrend: Es gibt ganz unterschiedliche Sieger.

Gründe dafür gibt es einige. Die Warentester prüften unter der noch am weitesten verbreiteten Windows-Version 7. Das AV-Test-Institut nahm das neueste Windows 8.1 als Grundlage. Zudem gewichten die Tester ihre Kriterien unterschiedlich.

„Wir sind der Meinung, dass die Kernfunktion eines Produkts am stärksten ins Gewicht fallen sollte – und das ist bei den Antiviren-Programmen eben die Schutzleistung“, erläutert Warentester Schlüter. „Deshalb wurde die auch mit 50 Prozent bewertet.“ 30 Prozent entfielen dann auf die Handhabung und 20 Prozent auf den Ressourcenverbrauch.

Eine Gewichtung der Prüfkriterien gibt es beim AV-Test-Institut dagegen gar nicht – alle fließen zu gleichen Teilen in die Bewertung. „Jeder testet ein bisschen anders“, räumt Andreas Marx vom AV-Test-Institut ein. Er rät: „Am besten nimmt man beide Tests oder auch mehrere Tests zusammen“, um sich ein Bild zu machen.

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