Wandel auf den Telekom-Märkten
Der Aufbruch in die Flatrate-Welt

Vor zehn Jahren rüsteten neue Wettbewerber zur Jagd auf die Deutsche Telekom. Mit der Öffnung des Telekommunikationsmarkt fielen die Preise um bis zu 90 Prozent. Trotzdem werden heute in der Branche gut 20 Milliarden Euro mehr erlöst als in der Zeit vor der Liberalisierung - und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht.

HB BONN. Grenzenloses Telefonieren vom Festnetz und Handy, Surfen im Internet und Unterhaltung ohne Ende – und das alles zum Pauschaltarif? Undenkbar, als der Telekommunikationsmarkt noch eine uneinnehmbare Festung der Deutschen Telekom war. Doch alles wurde anders, als vor zehn Jahren das Sprachmonopol des rosa Riesen fiel und die Wettbewerber zur Jagd auf den Platzhirsch bliesen. Zur Freude der Verbraucher gerieten die Telefonpreise schon kurz nach Marktöffnung ins Taumeln. Bis zu 90 Prozent günstiger konnten die Verbraucher schon zwei Jahre nach Marktöffnung telefonieren - der Wettbewerb macht's möglich.

Die Call-by-Call-Gespräche waren der Schlüssel, um die Monopolstellung der Telekom zu knacken. Heute haben die Sparvorwahlen gegenüber Komplettanschlüssen und Flatrates an Bedeutung verloren. Michael Bobrowski von der Verbraucherzentrale Bundesverband ist erfreut über die Entwicklung. „Die Preise sind deutlich gefallen und es herrscht ein großer Wettbewerb bei Diensten und Anbietern, sagt der Fachreferent für Telekommunikation. Kostete ein Drei-Minuten- Gespräch im Fernbereich damals umgerechnet 86 Cent, sind es heute bei günstigen Sparvorwahlen weniger als drei Cent. Und wer erinnert sich nicht an den Wirrwarr unterschiedlicher Taktungen, an Haupt- und Nebenzeiten, den City-, Regional- und Ferntarif.

Doch wie alles hat auch die Liberalisierung eine Kehrseite, weiß Bobrowski. Der Markt sei für die Verbraucher sehr unübersichtlich geworden. Die Beschwerden von Kunden, die ihre Telefonrechnungen nicht nachvollziehen könnten, häuften sich. Die Telekommunikation sei in den vergangenen zehn Jahren zu einem Beratungsschwerpunkt der Verbraucherzentralen geworden. „Es ist ein Ärgernis erster Güte, dass wir die Informationsarbeit der Unternehmen machen müssen“, schimpft der Verbraucherschützer.

Von Beschwerden kann auch Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, ein Lied singen. Rufnummernmissbrauch, Spams, unverlangte Werbemails oder Telefonrechnungen sind immer wieder Themen, mit denen sich die Aufsichtsbehörde herumschlagen muss. Doch der Regulierer sieht das große Ganze, wenn er ein Fazit über die Marktentwicklung zieht: „Zehn Jahre Regulierung und damit die Öffnung von früheren Monopolmärkten sind eine einmalige Erfolgsgeschichte“, gerät Kurth ins Schwärmen. Die Angebote hätten sich vervielfacht und es gebe zahlreichen Innovationen und neue Dienstleistungen sowohl im Festnetz wie auch im Mobilfunk.

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