Wie Staat und Unternehmen an Information kommen
Die Datensammler vom Dienst

Politiker, Verbraucherschützer, Medien – derzeit sprechen alle über Datenmissbrauch. Das Problem ist allerdings alles andere als neu: Schließlich sammeln Unternehmen und Staat schon seit Jahren Informationen. Aber wer weiß was?

DÜSSELDORF. Datenmissbrauch ist derzeit in aller Munde. Das Phänomen ist allerdings alles andere als neu. Unternehmen sammeln schon seit Jahren Information über ihre Kunden. Oft ist das Ziel, möglichst viel über den Gegenüber zu erfahren, das Kaufverhalten zu analysieren und damit das Angebot zu optimieren.

Der deutsche Einzelhandel bedient sich dazu des Rabattsystems Payback. Und das nun schon seit über acht Jahren. Dabei legen die Kunden beim Bezahlen ihre Payback-Karte vor und erhalten Punkte in Höhe des Einkaufs gutgeschrieben. Mit den Punkten können dann Prämien gekauft werden. Die teilnehmenden Partner - darunter Ketten wie Real, Galeria Kaufhof und der Drogist dm - schicken die Daten an die Firma Loyalty Partner. Dort werden die Informationen gebündelt. So können komplette Einkaufslisten mit persönlichen Daten verknüpft werden. Im Durchschnitt hat jeder Deutsche vier Karten solcher Rabattsysteme im Portmonee. Payback ist dabei der größte Anbieter.

Aber nicht nur der Einzelhandel schaut genau hin und nutzt sein Wissen zur Gewinnsteigerung. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, kaufen und verkaufen Callcenter Telefonnummern von tausenden Bürgern und Lotterien buchen ungefragt Teilnahmegebühren von Privatkonten.

Die Daten kaufen sie von sogenannten Auskunfteien. Diese haben sich darauf spezialisiert, interessante Informationen zu recherchieren. Gesammelt wird alles: Name, Geburtsdatum, Telefonnummer, Adresse. Besonders wichtig sind Angaben zu Gewohnheiten und Interessen, Familienstand und Haushaltsgröße. Und eben auch die Kontoverbindung.

Ein Beispiel dafür ist die Schober Information Group. Der Anbieter verfügt über 50 Millionen Privatadressen aus Deutschland. 5,5 Millionen Firmen hat die Schober Information Group nach Betriebsgröße, Umsatz und Branche klassifiziert. Deren Führungskräfte werden nach „Entscheider-Typologie“ und akademischen Grad geordnet. Der besondere Clou: Der Adresshändler hat nach eigenen Angaben nahezu alle Häuser, und die dazugehörigen Haushalte, in Deutschland bewertet – unter anderem nach Wahlverhalten und Kaufkraft.

Die Privatwirtschaft sammelt allerdings nicht allein Daten. Gigantische Mengen an Informationen werden per Gesetz gehortet. Alle Anbieter von Telekommunikationsdiensten müssen sechs Monate lang speichern, welcher Anschluss welche Nummer angerufen hat und wie lange das Telefonat dauerte. Das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung von Anfang dieses Jahres macht Ermittlern im Bedarfsfall diese Verbindungsdaten zugänglich. Die Inhalte der Gespräche bleiben weiterhin geheim. Ab kommendem Jahr werden aber auch Internet-Adressen und E-Mail-Kontakte erfasst.

Auch der Staat selbst ist Herr verschiedener Datenbanken. Die Antiterrordatei umfasst unter anderem Name, Waffenkenntnisse und körperliche Merkmale von Terrorverdächtigen. Die DNA-Datenbank des Bundeskriminalamts umfasst 700 000 Dateien. Und in der Datenbank Inpol-Neu sind alle Personen gespeichert, gegen die einmal ein Ermittlungsverfahren lief oder die wegen eines Verdachts festgenommen wurden.

In der Diskussion um Datenschutz und Datenmissbrauch darf nicht vergessen werden, dass viele Informationen nicht durch gesetzlichen Zwang oder mit dubiosen Praktiken dem Privatmann abgeluchst werden. Viele geben allzu bereitwillig ihre Adresse und ihre Telefonnummer heraus. Und mehr als fünf Millionen junger Menschen haben den Auskunfteien die Arbeit erspart und selbst ein Profil von sich angelegt – im sozialen Netzwerk StudiVZ.

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