Arbeitswelt
Ist die Fabrik 4.0 menschenleer?

Die Fabrik der Zukunft ist vernetzt, digitalisiert und automatisiert – so macht es die Hannover Messe vor. Dabei geht es auch um Konsequenzen für die Arbeitswelt. Die einen prophezeien mehr Jobs, andere warnen vor Stellenabbau.
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StuttgartYumi könnte der Star der Hannover Messe werden. Noch bevor überhaupt die ersten Besucher in die Hallen stürmten, stand der zweiarmige Roboter von Maschinenbauer ABB im Blitzlichtgewitter der Eröffnungs-Pressekonferenz. Fliegende Leichtbauroboter der Firma Festo, die sich im Schwarm organisieren, oder der folgsame Transport-Roboter Fifi, den das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wie einen Hund auf Handzeichen abgerichtet hat, konkurrieren mit der kopflosen Maschine von ABB um die Aufmerksamkeit der Messe-Besucher. Doch was den einen als wahrgewordene Science Fiction erfreut, entwirft für andere eher Horror-Szenarien. Wirtschaft, Politik, Gewerkschaften und Wissenschaft diskutieren, wie die Industrie 4.0 die Arbeitswelt verändert: Schafft der Wandel neue Jobs oder fallen mit ihm bestehende weg?

Während Gewerkschaften den Wandel der Produktion mit Argusaugen betrachten, prophezeien verschiedene Studien mit dem nächsten industriellen Wandel hunderttausende neue Jobs – zuletzt etwa die Boston Consulting Group (BCG). Insgesamt 390.000 neue Arbeitsplätze könnten in den kommenden zehn Jahren durch die Industrie 4.0 entstehen, teilte die BCG pünktlich zum Messebeginn in Hannover mit.

Die zum Teil gegensätzlichen Prognosen zur Arbeitswelt in der Vision „Industrie 4.0“ ordnet Bernd Dworschak ein. Am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) beschäftigt er sich mit der Frage, wie Unternehmen und Ausbildungseinrichtungen zukünftige Qualifikationsanforderungen frühzeitig erkennen können. „Industrie 4.0 ist ein Hype-Thema, bei dem alle noch viel im Nebel stochern. Bisherige Anwendungsbeispiele decken nur Teilfacetten ab, daher müssen wir mit Szenarien arbeiten“, sagt Dworschak. Sein Team und er entwerfen zwei solcher Szenarien, um die Auswirkungen des industriellen Wandels auf die Arbeitswelt zu skizzieren: das Automatisierungsszenario einerseits und das Spezialisierungsszenario andererseits. Die spannende Frage für die Forscher ist, wie groß der Handlungsspielraum der Angestellten mit fortschreitender Automatisierung ist.

Erstere Variante ist sehr technikzentriert: Die Systeme agieren und entscheiden eigenständig, sodass sie den Facharbeiter zur ausführenden Instanz degradieren. Er kann kaum noch intervenieren, weil die Abläufe im Hintergrund zu komplex sind – der Produktionsablauf wird für ihn immer mehr zur Blackbox. „In der Extremversion nähert sich dieses Automatisierungsszenario der menschenleeren Fabrik an. Die ist nicht komplett menschenleer, soweit sind die Systeme nicht. Aber die Personen, die in ihr eine Aufgabe finden, sind hochqualifiziert“, erklärt Dworschak. Im Spezialisierungsszenario sehen die IAO-Experten hingegen durchaus Qualifikationsmöglichkeiten für Facharbeiter mittlerer Qualifikationsebenen. Wichtige Entscheidungen im Produktionsprozess treffen in dem Fall nach wie vor Menschen und nicht das System selbst.

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„Wir haben den Roboter aus seinem Käfig geholt“

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