Barack Obama
Hannover im Ausnahmezustand

Nicht winken, keinen Müll herausstellen, das Auto wegparken: Tausende Menschen in Hannover müssen sich wegen des Obama-Besuchs auf strikte Sicherheitsvorkehrungen einstellen. Auch Obamas Matratze spielt eine Rolle.

HannoverKeine geflaggten Sternenbanner und auch keine Plakatwände mit Willkommensgrüßen für „Mister President“: Wenige Tage vor der Ankunft von US-Präsident Barack Obama in Hannover deutet noch wenig auf seinen Besuch am Sonntag und Montag hin. Dabei laufen hinter den Kulissen längst enorme Sicherheitsvorkehrungen. Sie betreffen Tausende Anwohner und Besucher der Hannover Messe, das Ziel von Obamas Visite. Es gilt die höchste Sicherheitsstufe.

„Die Polizeidirektion Hannover bereitet sich seit Monaten akribisch auf diesen Einsatz vor“, sagt Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Wie viele Beamte im Einsatz sind, sagt die Polizei nicht: „Das ist immerhin der am meisten gefährdete Mann der Welt.“ Als Obama 2009 Dresden besuchte, wurden 6.000 Polizisten eingesetzt.

Die Bevölkerung wird wenig Chancen haben, dem Präsidenten zuzujubeln. Seine Wege und Stationen wurden bereits abgesichert. Das Kanalsystem wurde durchsucht, 2000 Kanaldeckel sind versiegelt, Papierkörbe werden noch abmontiert und auf gesperrten Flächen vergessene Autos und Fahrräder abtransportiert. Als streng gesicherte Zonen gelten der Flughafenbereich, die Herrenhäuser Gärten, das Zooviertel mit dem Congress Centrum und das Messegelände.

Für Anlieger gibt es ein regelrechtes Winkverbot: Für den Moment, in dem Obama mit seiner Kolonne zum Congress Centrum fährt, rät die Polizei Anwohnern, sich von den Fenstern fernzuhalten. Dies sei nötig, um Irritationen mit den Sicherheitskräften zu vermeiden. Im Umfeld von Obamas Hotel gerät sogar die Müllentsorgung durcheinander: Keine Tonnen und Säcke herausstellen, lautet die Anordnung.

Die Abstimmung erfolgt zwischen dem Secret Service des Präsidenten, dem Bundeskriminalamt und weiteren Stellen. Anfang März schaute sich ein Voraustrupp der Sicherheitsbehörden das Congress Centrum und die Messe an. Aus Sicherheitskreisen sickerte durch, dass Großraumtransporter mehrere Limousinen und zwei Kampfhelikopter nach Hannover einfliegen.

Wegen des Obama-Besuchs sperrt der Flughafen eine seiner drei Bahnen. Sie wird zum Be- und Entladen von Transportflugzeugen aus Obamas Begleittross benötigt sowie als Parkfläche für sein Flugzeug. Wenn die Air Force One einschwebt, wird der an- und abfliegende Verkehr auf dem Flughafen Hannover kurz unterbrochen. Ansonsten gilt während des Besuchs im Umkreis von 100 Kilometern eine Flugverbotszone, von der nur kommerzielle Flüge ausgenommen sind.

Einquartiert wird Obama voraussichtlich im „Seefugium“ im Nordosten der Stadt, das dem Sicherheitsdienst des Präsidenten perfekt geeignet schien: Im Umkreis von 500 Metern gibt es keine weiteren Gebäude. 2009 feierte schon Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) dort seinen 65. Geburtstag. Wie die dpa erfuhr, muss der Secret Service das Gebäude vor der Ankunft des Präsidenten freigeben. Sprengstoff, Strahlung, biologische oder chemische Gefahrenquellen, Abhörwanzen – die Prüfvorgaben seien hoch. Eine Matratze für Obama, deren Herkunft der Secret Service nicht kennt? Darf es nicht geben!

Während des Messe-Rundgangs von Obama und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montagvormittag sind mehrere Hallen für Besucher gesperrt. Die Polizei ist auch deshalb unter Druck, weil nicht nur Obama und andere Top-Politiker abgesichert werden müssen, die zur Messe anreisen: Von Samstag an sind auch mehrere Demonstrationen gegen das transatlantische Handelsabkommen TTIP geplant, für das Obama bei seinem Besuch werben will. Dazu werden 35.000 Teilnehmer erwartet.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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