Clas Neumann von SAP
„Industrie 4.0 nimmt in Indien Fahrt auf“

Für den Software-Entwickler SAP ist Indien der zweitgrößte Standort. Clas Neumann hat ihn aufgebaut. Ihm zufolge eröffnet die Industrie 4.0 neue Perspektiven in dem Land – auch für deutsche Investoren und Unternehmer.
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Sie haben den Aufbau des SAP-Labs in Indien mal Ihren größten beruflichen Erfolg genannt. Jetzt, da Sie die SAP-Labs weltweit leiten, würden Sie das immer noch unterschreiben?
Einen neuen Standort von Grund auf aufzubauen, kommt in einer Karriere sehr selten vor. In meiner jetzigen Position geht es eher darum, Bestehendes zu optimieren, während wir in Indien von Null anfangen konnten. Dort gab es gerade in den ersten Jahren ein enormes Wachstum, viele Veränderungen und große neue Herausforderungen. Mittlerweile ist das Lab in Indien unser zweitgrößter Standort in der Software-Entwicklung – von daher auch für mich ein sehr großer Erfolg.

Indien ist SAPs zweitgrößter Standort. Was qualifiziert das Land dafür?
Indien hat viele Vorteile: Sie finden sicherlich in vielen Ländern smarte Mitarbeiter für den IT-Bereich, aber in Indien ist der Pool besonders groß. Zudem sind gute Englisch-Kenntnisse selbstverständlich. Außerdem ist das Eco-System einmalig: Partnerfirmen beschäftigen vor Ort selbst viele SAP-Spezialisten. In so einem Umfeld können wir sehr gut operieren und flexibel reagieren, weil wir auf tausende Experten direkt zugreifen können. Drittens wird das Land auch als Markt immer interessanter. Als wir mit unserem Lab hier her kamen, hatten wir vielleicht ein paar Dutzend Kunden in Indien. Inzwischen sind es viele Tausend. Das sind die drei Aspekte, die in Indien sehr schön zusammenspielen.

Sie sind 1999 nach Indien gekommen, kurz nach der Gründung des SAP-Labs und pünktlich zum Wirtschaftsboom im Land. In den vergangenen beiden Jahren konnte die Regierung ihre Versprechungen von weiterhin 8 bis 10 Prozent Wirtschaftswachstum nicht mehr halten. Warum der Rückgang auf rund 5 Prozent?
Es gab seitdem zwei große Krisen, die Finanzkrise und die Asienkrise. Zudem hat das Land häufige Regierungswechsel und große Koalitionen durchlaufen. Das führte teilweise zu Stillstand in der Gesetzgebung und bei der wirtschaftlichen Liberalisierung. Ein Bürokratieabbau lässt sich nicht über Nacht lösen, das dauert einfach. Inzwischen sind die Unternehmen deutlich zuversichtlicher, die Wachstumsraten steigern wieder und man spürt plötzlich, dass es wieder aufwärts geht. Wenn wir die Börse als Indikator nehmen, dann steht Indien bereits wieder sehr gut da.

Aber jenseits der Börse erwarten Sie weiteres Wachstum für das Land?
Ich denke schon. In Indien hat vieles mit „self-fulfilling prophecy“ zu tun: Wenn die Menschen und Unternehmen optimistisch sind, steigt der Konsum. Dadurch wächst die Binnennachfrage, wovon alle profitieren – kleine wie große Unternehmen. Das spüren wir auch bei SAP.

Der Binnenmarkt ist wichtig, aber letztlich ist Indien ganz entscheidend vom Export und von ausländischen Investitionen abhängig. Als Indiensprecher im Asien-Pazifik-Ausschuss haben Sie Überblick über das Engagement deutscher Firmen im Land. In welchen Bereichen sind die vertreten?
Lassen Sie mich mit der Automobilindustrie beginnen. In diesem Bereich haben die Deutschen Indien lange ignoriert. In den letzten fünf Jahren hat sich aber viel bewegt. Mercedes und BMW sind hier, Volkswagen hat in ein großes Autowerk investiert. Damit ist auch die Attraktivität für die Zulieferindustrie gewachsen. Diese Unternehmen beliefern natürlich auch die indischen Automobilunternehmen, deren Markt sehr dynamisch wächst. Ein zweiter Bereich ist sicherlich Pharma: Indien verfügt über sehr gute Unternehmen; deshalb investiert auch die pharmazeutische Industrie aus Deutschland immer mehr. Auch die chemische Industrie und der Maschinenbau haben Indien zwischenzeitlich entdeckt. Lange lag China bei deutschen Investitionen vorne. Viele haben Indien komplett ignoriert – vielleicht fälschlicherweise, denn manche Märkte sind inzwischen davon gelaufen. Gerade im Consumer Market gestaltet sich der Zugang immer schwieriger, weil viele Felder schon recht gut besetzt sind.

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„In Indien fühlt man sich nie richtig als Ausländer“

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