Cyber-Security Eine Frage der Sicherheit

Der Schutz der integrierten Produktionsnetzwerke vor Angriffen aus dem Internet ist der Schlüssel für den Erfolg einer intelligenten Fabrik. Schon jetzt gibt es jeden Tag mehrere Zehntausend Cyberattacken auf Unternehmen.
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In diesem Jahr dreht sich alles um Industrie 4.0. Quelle: Reuters
Eröffnungsshow der Hannover Messe:

In diesem Jahr dreht sich alles um Industrie 4.0.

(Foto: Reuters)

KarlsruhePlötzlich ging nichts mehr. Die Computerbildschirme wurden schwarz, das komplette Firmennetzwerk wurde auf null gefahren. Auch die meisten Telefone blieben stumm, weil sie inzwischen über das Internet laufen. "Zum Glück hatten wir noch 20 analoge Apparate, mit denen wir telefonieren konnten", erinnert sich Gunther Kegel, Vorstandschef beim Automations- und Sensorik-Spezialisten Pepperl +Fuchs in Mannheim. Die Ursache des Komplettausfalls war schnell gefunden: Die IT-Sicherheitssysteme hatten das Netz nach einer massiven Cyberattacke heruntergefahren.

Diesem Angriff aus dem Internet im vergangenen Jahr waren gleich mehrere Unternehmen der deutschen Elektrotechnik ausgesetzt, und Kegel hat eine Vermutung, wer dahinterstecken könnte: "Das sah nach gezielter Industriespionage aus", sagt er. "Da ging es sicher auch um Kenntnisse aus dem Bereich Industrie 4.0."

Kegel treibt das Thema IT-Sicherheit gleich von zwei Seiten um: Der Schutz des eigenen Know-hows ist das eine. Immer wichtiger wird aber die Absicherung der Produkte vor feindlichen Attacken aus dem Netz. Pepperl +Fuchs ist führend bei der Herstellung industrieller Sensoren für den Maschinenbau und die Autoproduktion und Weltmarktführer für elektronischen Explosionsschutz, wie er in Branchen wie der Chemie- oder Öl- und Gasindustrie zum Einsatz kommt.

Je stärker Sensoren zur Überprüfung der Produktionsabläufe ihre Daten austauschen, desto anfälliger werden sie für Hackerangriffe. "Die Gefahr eines Missbrauchs erhöht sich dramatisch", sagt Kegel. Die Konsequenzen liegen für ihn auf der Hand: "Wir müssen unseren Aufwand für die IT-Sicherheit deutlich erhöhen", bemerkt er, "sonst hat 4.0 keine Chance."

Mehr Schutz für Produktionsanlagen

Diese Sorge teilen Experten und Firmenchefs. "Die Gewährleistung der Netzwerksicherheit ist eine der zentralen Grundlagen für den Durchbruch von Industrie 4.0", sagt Peter Köhler, Vorstandschef des ostwestfälischen Elektrotechnikspezialisten Weidmüller. Wie tief Hacker in die Netzwerke von Unternehmen eindringen können, hat erst in der vergangenen Woche die Blockade des französischen Fernsehsenders TV5 Monde gezeigt.

Diese Hürden muss Deutschland bei der Digitalisierung überwinden
Hürde 1: Baustelle Breitband
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Industrial Internet, Big Data, Internet der Dinge – ohne Datenaustausch funktioniert nichts mehr. Je mehr die Vernetzung fortschreitet, umso größer werden die Datenmengen und deren Übertragung verlangt eine gute Infrastruktur. Doch da hat Deutschland noch Aufholbedarf. Ihrer Zielmarke, das 2014 drei Viertel der deutschen Haushalte schnelles Internet haben sollen, hinkt die Regierung hinterher: Es waren gerade mal rund 65 Prozent. Immerhin gibt es Zeichen für ein Umdenken: Aus dem Investitionspaket des Bundestages von 2016 bis 2018 erhält Digitalminister Alexander Dobrindt 4,35 Milliarden extra; mit 1,1 Milliarden davon kann er den Breitbandausbau fördern.

Hürde 2: Vorwärts im Schneckentempo
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Eine der Hürden, die die Digitalisierung für die deutschen Unternehmen bereithält, ist die Geschwindigkeit. Die IT-Branche legt ein Innovationstempo vor, mit dem andere Industrien kaum Schritt halten können: Während Software-Firmen wie SAP ihre neusten Programmversionen vorstellen, kämpfen deren Kunden noch mit der Einführung der Vorgängerversion. Je mehr Vernetzung und IT in der traditionellen Produktion Einzug halten, umso größer der Druck einen Schritt zuzulegen.

Hürde 3: Deutsche Leuchttürme gesucht
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Den US-Riesen der digitalen Wirtschaft kann Deutschland wenig entgegenhalten. SAP ist der einzige deutsche IT-Anbieter von Weltrang. Allerdings ist SAP nur im Geschäfts- und nicht im Konsumentenbereich aktiv – anders als Apple, IBM, Microsoft, Amazon oder Google. Der deutschen Wirtschaft fehlen die Leuchttürme in der IT- und Internet-Branche und das aus vielfältigen Gründen.

Hürde 4: Start-ups fehlt Kapital
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Das Silicon Valley gilt weltweit als Synonym für innovative Start-ups. Auch in Deutschland wagen sich immer mehr Neugründer an den Markt, doch im Vergleich zu den US-amerikanischen Vorreitern fehlt ihnen ganz entscheidend eines: Kapital. In den USA investierten Risikokalitalgeber 2014 über 48 Milliarden Dollar, davon allein 11,9 Milliarden in Internetfirmen. In letzterer Summe standen in Deutschland laut BVK gut 2,2 Milliarden gegenüber. Das war zwar doppelt so viel wie im Vorjahr, doch einige große Deals wie die Übernahme von Scout 24 verzerren das Bild.

Hürde 5: Politisches Gerangel
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Digitalpolitik ist ein Modethema, bei dem viele das Sagen haben wollen. Im Ring um die Vorherrschaft bei dem Thema stehen etwa Digitalminister Alexander Dobrindt (CSU, von links), Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) – und bremsen die „digitale Agenda“ letztlich eher aus. Neun Monate hatten die Minister beispielsweise gerungen, um im Sommer 2014 ein 30-seitiges Konzept vorzulegen. Es sei eher ein „Hausaufgabenheft“ stapelte de Maizière zurecht tief. Während die Industrie die Digitalisierung vorantreibt, kommen von der Regierung bisher vor allem Wortblasen.

Hürde 6: Der Mittelstand zögert
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Der Mittelstand gilt als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, doch bei der Industrie 4.0 scheint er einzuknicken. Laut ZVEI-Umfrage meinen gut 40 Prozent der Unternehmen, die Digitalisierung sei gar nicht ihr Thema. Diese Einschätzung kann fatal sein – für die Firmen wie den Wirtschaftsstandort Deutschland. Kritiker predigen, man verpasse bei einem Zukunftsthema den Anschluss.

Hürde 7: Die Angst der Deutschen
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Die „German Angst“ beschränkt sich nicht allein auf den Mittelstand; allgemein gilt, dass die Datensicherheit mit der zunehmenden Vernetzung mehr und mehr in Gefahr gerät. Mit immer höheren Schäden durch Cyberkriminalität und Spionage, wird der Schutz von Geschäftsgeheimnissen umso wichtiger.

"Wir müssen uns in Zukunft stärker auf die Sicherheit von Produktionsnetzwerken konzentrieren", fordert auch Birger Krägelin, IT-Sicherheitsexperte am Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe. Ein Stopp der Systeme wie bei Pepperl + Fuchs sei schließlich nur eine Notmaßnahme. "Es gibt industrielle Prozesse, die können Sie gar nicht von jetzt auf gleich abschalten." Einen Hochofen in der Stahlindustrie beispielsweise, oder eine Chemieanlage mit einer Vorlaufzeit von mehreren Tagen.

Krägelin ist verantwortlich für ein IT-Sicherheitslabor, das das IOSB erstmals auf der Hannover Messe vorstellt. Dabei geht es vor allem um den Schutz vernetzter Produktionsanlagen vor Cyberattacken - die große offene Flanke der faszinierenden Idee von Industrie 4.0, wenn künftig Menschen, Roboter, Systemkomponenten und Sensoren miteinander verbunden sind. Das Sicherheitslabor simuliert dabei eine ganze Fabrikanlage — hersteller- und systemübergreifend und bildet damit erstmals die Realität in den Werkshallen ab.

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