Die Datenrevolution
Wie gewährleisten wir, dass Daten den Menschen zugutekommen?

Den Umgang von Digitalunternehmen mit unseren Daten sollten wir nicht verdammen, im Gegenteil: Daten sind gut. Zumindest wenn wir als Bürger und Kunden die Kontrolle darüber haben – über die Welt der Datensammler.
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DüsseldorfDaten verändern unser Leben. Die globale Datenmenge vergrößert sich allein bis 2025 um das 10fache wie eine aktuelle Studie zeigt. Aber was bedeutet es eigentlich, in einer Welt zu leben, in der alles aufgezeichnet wird? Wer sammelt diese Daten – und wofür? Wie arbeiten die Datenraffinerien? Fragen, auf die Andreas Weigend in seinem Buch »Data for the People«, das gerade bei Murmann erschienen ist, Antworten gibt. Der folgende Beitrag ist ein exklusiver Auszug für Handelsblatt Online.

„Jede Revolution war zuerst ein Gedanke im Kopf eines Menschen; und wenn derselbe Gedanken einem anderen Menschen kommt, ist er der Schlüssel zu diesem Zeitalter.“ (Ralph Waldo Emerson)

Um 6:45 Uhr morgens klingelt der Wecker meines Mobiltelefons. Begierig, den Tag zu beginnen, gehe ich mit meinem Handy in die Küche, während ich meine E-Mails und Facebook-Benachrichtigungen durchsehe. Die GPS- und WLAN-Adapter des Geräts registrieren jede Änderung meines Aufenthaltsorts, die Verlagerung meiner Position einige Meter nach Norden und Osten. Während ich mir eine Tasse Kaffee einschenke und richtig in Schwung komme, verzeichnet der Beschleunigungsmesser meines Handys, wie schnell ich gehe, das Barometer misst, wann ich die Treppe nach oben steige. Weil ich Google-Apps auf meinem Smartphone installiert habe, registriert Google all diese Daten.

Nach dem Frühstück bin ich bereit, mich auf den Weg zur Universität Stanford zu begeben. Die Elektrizitätsgesellschaft hat bei mir einen »intelligenten« Stromzähler eingebaut, der die Abnahme des Stromverbrauchs verzeichnet, wenn ich das Licht ausschalte und meine Mobilgeräte aus der Steckdose ziehe. Beim Öffnen der Garagentür erkennt der Zähler ihre spezifische Nutzungssignatur. So hat mein Stromanbieter, während ich den Wagen auf die Straße lenke, genug Daten, um zu wissen, dass ich nicht länger zu Hause bin. Wenn die Signale meines Handys von verschiedenen Mobiltelefonmasten erfasst werden, gilt dasselbe für meinen Telefonanbieter.
Unterwegs nimmt eine Kamera, die an einer Kreuzung installiert ist, ein Foto von meinem Nummernschild auf für den Fall, dass ich bei Rot über die Ampel fahre.

Zum Glück beweise ich heute beste Manieren und werde daher in den nächsten Tagen kein Knöllchen in der Post finden. Doch auf meiner Fahrt wird mein Nummernschild wieder und wieder abgelichtet. Einige dieser Kameras gehören der Kommune, andere wurden von Privatfirmen angebracht, die mit den Daten Mobilitätsmuster analysieren – um sie an die örtliche Polizei, Erschließungsunternehmen, Stadtplaner und andere Interessenten verkaufen.

In Stanford angekommen, benutze ich die EasyPark-App auf meinem Handy, um meine Parkgebühr zu entrichten. Das Geld wird automatisch von meinem Bankkonto abgebucht und die Parkraumverwaltung der Universität wird benachrichtigt, dass ich meine Schuld beglichen habe, so können sowohl die Uni wie meine Bank sehen, dass ich seit 9:03 Uhr auf dem Campus bin. Als mein Handy sich nicht mehr mit der Geschwindigkeit eines Autos bewegt, zieht Google daraus den Schluss, dass ich an dieser Stelle mein Auto geparkt habe, und speichert den Ort, damit ich es wiederfinde, falls ich später vergessen sollte, wo ich es abgestellt habe. Es ist außerdem an der Zeit, die App meines Autoversicherers Metromile aufzurufen, die aus dem bordeigenen Diagnosesystem Daten über meine Fahrt gespeichert hat. Ich sehe auf einen Blick, dass mein Spritverbrauch heute weniger effizient war – 19 Meilen pro Gallone, umgerechnet knapp 12,4 Liter pro Kilometer – und dass sich meine Benzinkosten für den Weg zur Arbeit auf 2,05 Dollar belaufen. Nach meinem Tag in Stanford treffe ich mich mit einem neuen Bekannten in San Francisco. Wir haben uns »virtuell« kennengelernt, als wir beide einen Beitrag eines gemeinsamen Freundes auf Facebook kommentierten und jeder die Ansichten des anderen zum Thema mochte. Wie sich herausstellte, hatten wir über 30 gemeinsame Freunde auf Facebook, mehr als genug Gründe, uns einmal zu treffen.

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