Digitale Supply Chain
Maximale Offenheit

Die Digitalisierung vernetzt die Mitspieler der industriellen Produktion und schafft so eine nie gekannte Transparenz. Nicht jeder Firma ist wohl dabei.
  • 0

DüsseldorfEs ist wie der Blick in die sprichwörtliche Glaskugel: Wer wünscht sich nicht, ab und zu in die Zukunft schauen zu können? Für viele Firmen ist das dringende Notwendigkeit. Sie steuern ihre Produktion inzwischen so, dass sie ihre Kunden zu jeder Zeit optimal beliefern können – und nicht das eigene Lager füllen.

Denn das kostet nur Geld und ist wenig effektiv – in Zeiten harten Wettbewerbs kann sich das kein Unternehmen mehr leisten. Selbst ein tolles Produkt verliert an Bedeutung, wenn es nicht verfügbar ist oder rechtzeitig den Auftraggeber erreicht. „Die Zeiten sind vorbei, dass sich etwas von selbst verkauft“, sagt Klaus Wenger vom US-Industriesoftware-Spezialisten JDA. „Das ganze Geschäftsmodell ändert sich, ist mehr und mehr kundengetrieben.“

Doch was so einfach und logisch klingt, ist komplex: Viele Teile der Versorgungs- und Logistikkette müssen miteinander verbunden werden, damit sich Abläufe koordinieren lassen und verlässliche Vorhersagen möglich sind. Dass dies immer besser funktioniert, ist den Fortschritten der digitalen Vernetzung zu verdanken – und den entsprechenden Softwaretools. „Hier liegt noch eine Menge Potenzial“, sagt Marcus Schüller, Supply-Chain-Experte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. „Denn eine komplette Durchgängigkeit kann noch keine Branche vorweisen.“

Das gilt selbst für die auf Effektivität getrimmte Autoindustrie, die in puncto Digitalisierung anderen Branchen gerade den Rang abläuft. „Die technologische Herausforderung ist hoch“, sagt Schüller. So müssen nicht nur alle Daten im Unternehmen verfügbar und über Algorithmen auswertbar sein, sondern auch die der Lieferanten und Kunden. Nur so lässt sich ein optimales Zusammenspiel gewährleisten – und das gleich die ganze Wertschöpfungskette entlang.

Wie umfangreich und kompliziert eine solche Verknüpfung ist, macht JDA-Manager Kaltenbrunner gern am Beispiel der Reifenindustrie deutlich. Die hat gleich zwei große Kundengruppen: Die Autohersteller für die Erstausstattung und das Ersatzgeschäft mit den Autofahrern. „Beide Geschäftsfelder ticken völlig unterschiedlich“, sagt Kaltenbrunner. Die Belieferung von VW & Co lässt sich einigermaßen gut vorhersagen, die im Endkundengeschäft nur bedingt.

Fällt der Winter beispielsweise hart und lange aus, werden viele Winterreifen nachgefragt. Bleibt es mild, eben nicht. Gleichzeitig haben die Reifenhersteller ein großes Interesse daran, ihre Maschinen kontinuierlich auszulasten. Fragen viele Autofahrer neue Winterreifen nach, können Conti & Co nicht mal eben die Lieferung an die Autokonzerne einstellen, weil sie keine Kapazitäten haben – und umgekehrt.

Kommentare zu " Digitale Supply Chain: Maximale Offenheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%