Hannover Messe
Schaulaufen mit Barack und Angie

Die Kanzlerin und der US-Präsident schlendern gut gelaunt über die Hannover Messe – und Journalisten und PR-Menschen sind gleichermaßen entzückt. Wenn da nicht das Freihandelsabkommen TTIP wäre.
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HannoverSo hatte sich Angela Merkel (CDU) das wohl vorgestellt, als sie am Sonntagabend versprach, diese Hannover Messe werde Industrie 4.0 zum Anfassen bringen. Die Kanzlerin steht am Montagvormittag in Halle 11 des Messegeländes und besichtigt mit US-Präsident Barack Obama den Stand der Firmen Weidmüller und Kuka. Vor Merkel dreht ein Roboterarm seine Runden. „Dieser Roboter kann drahtlos Energie aufnehmen“, sagt Weidmüller Chef Peter Köhler, 240 Watt werden über 0,5 Zentimeter übertragen.“

Merkel staunt. Doch dann kommt Kuka-Chef Till Reuter: „Und dieser Roboterarm reagiert außerdem auf Menschen. Fassen Sie mal an, Frau Kanzlerin.“ Merkel schaut ungläubig, traut sich aber dann doch, packt den drehenden Roboterarm, alle Gesichtsmuskel angespannt. Und tatsächlich, die Maschine bleibt stehen: „Das ist ja toll. Kann mir so einer künftig dann auch in der Küche beim Zitronenpressen helfen?“ Obama steht staunend daneben: „Impressive – Beeindruckend“, meint er dann. Kameras lösen aus, das Fernsehen hält drauf, die Journalisten jubeln – und die PR-Menschen der beiden Firmen auch. Visite gelungen.

Der Messerundgang der Kanzlerin und der US-Präsidenten ist der Höhepunkt für die ausstellenden Firmen. Vor Wochen schon mussten sie sich um einen Besuch der beiden Staatschefs an ihrem Stand bewerben – schriftlich im Kanzleramt und im Weißen Haus. Die Stäbe von Merkel und Obama wollten dann lesen: Was macht ihren Stand besonders, warum steht ihre Firma gut für die deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen oder welches extraordinäre Fotomotiv können sie bieten? Zwei Stunden nehmen sich Merkel und ihr Gast, um insgesamt 13 Ständen die Aufwartung zu machen.

So testet Obama dann eine 3D-Brille, Merkel und der Präsident bestaunen ein Diner im 50er Jahre-Look – Sandwiches von Serviererinnen im Petticoat wollen sie dann aber doch nicht. Beim Anlagenbauer ABB lernen die beiden eine Motorsteuerung kennen, die auch alte Elektromaschinen noch zehn Prozent leistungsfähiger macht und beim Stuttgarter Kabelspezialisten Lapp nimmt es Obama fast im Basketball gegen einen Roboter auf – unglücklich nur, dass der Secret Service all die Bälle eingesammelt hat, auch Sicherheitsgründen. „Ich hätte das Ding besiegt, Angela“, bleibt dem Präsidenten also nur zu scherzen.

Gute Stimmung also beim Abschluss des öffentlichen Teils von Obamas Deutschlandbesuch. Am gestrigen Sonntag was der US-Präsident Mittags in Hannover gelandet und hatte die Stadt für 24 Stunden in Ausnahmezustand versetzt: 2.000 Gullydeckel wurden versiegelt, im Innenstadtbereich durften Kinder in einigen Straßen nicht zum Spielen in den Garten, aus manchen Vierteln verschwanden gleich ganz alle Papierkörbe und Streusandkisten, und das Gebiet um das Congress Centrum im Stadtpark wo am Abend die Eröffnungsfeier stattfand: eine einzige Hochsicherheitszone, sowieso.

Kommentare zu " Hannover Messe: Schaulaufen mit Barack und Angie"

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  • Frau Annette Bollmohr@
    Sie sind echt, die Sonne geht hinter all den Verschwörungen und Trollen auf.

  • Ich wäre beinahe mitgegangen aber als Demokrat war es mir dann doch zu peinlich.

  • "... keine Argumente, BETEUERUNGEN und Beschwörungen..."

    Glaubense's jetzt?

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