Hannover Messe
Schulterschluss im Digitalzeitalter

Unternehmer aus den USA und Deutschland wollen den Weg der Digitalisierung gemeinsam beschreiten. Vor der Hannover Messe diskutiert die Industrie, wie diese Kooperation gelingen kann.

HannoverGab es sie jemals, die Rivalität zwischen Deutschen und Amerikanern auf dem Weg zur Industrie der Zukunft? Wer dem BDI-Wirtschaftsforum unmittelbar vor dem offiziellen Beginn der Hannover Messe folgte, konnte den Eindruck gewinnen, dieser jahrelange Wettkampf um die Vorherrschaft der Vernetzung von Mensch und Maschine habe nie so stattgefunden. BDI-Chef Ulrich Grillo betonte in seinem Statement immer wieder die Gemeinsamkeiten: „Die gegen uns - da ist viel zu viel schwarz-weiß“ sagte er am Sonntagnachmittag in Hannover. „Wir brauchen die Erfahrungen beider Seiten des Atlantiks.“ Selbst die Ängste deutscher Mittelständler vor einem Verlust der Datenhoheit durch den unersättlichen Informationshunger der großen amerikanischen IT- und Internetkonzerne wie Google oder Amazon, deutete Grillo allenfalls als gewisse Form von Neid: „Das ist eine Abwehrhaltung, weil europäische Unternehmen nicht an der Spitze stehen.“

In der Tat haben sich in den vergangenen Monaten gerade deutsche und US-Unternehmen als Treiber der Digitalisierung ihrer Industrie erstaunlich angenähert: Die beiden Industriekonsortien Industrie 4.0 und das US-Pendant IIC haben einen umfangreiche Kooperation beschlossen, Google arbeitet mit deutschen IT-Wissenschaftlern zusammen, beide Seiten suchen in verschiedenen Testumgebungen nach Lösungen, mit Hilfe der digitalen Vernetzung die Produktivität zu erhöhen, die Qualität der Produkte zu verbessern und neue Geschäftsfelder rund um den Service wie die vorausschauende Wartung zu installieren. „Wir werden vom gemeinsamen Austausch profitieren“, sagte Grillo. „Deshalb setzt sich die deutsche Industrie auch vehement für eine starke Handelspartnerschaft ein.“

Allenfalls am Schluss der BDI-Veranstaltung mischten sich doch noch ein paar nachdenkliche Töne in die allgemeine Euphorie. Sie kamen ausgerechnet von Siemens-Chef Joe Kaeser: „Technologie ist sinnlos, wenn sie die Menschen nicht erreicht“, sagte er am vor Hunderten Industrievertretern. „Wir müssen sicherstellen, dass die gesamte Gesellschaft Nutzen aus der Digitalisierung zieht.“ Da war sie wieder, die etwas andere Herangehensweise an das Thema digitale Vernetzung zwischen Amerikanern und Deutschen.

Denn unmittelbar vor Kaeser hatte Microsoft-Chef Satya Nadella frei auf offene Bühne sprechend die enormen Chancen beschrieben, die sich aus der zunehmenden Vernetzung von Mensch und Maschine ergeben. „Wenn jedes Unternehmen diese intelligenten Systeme in ihre Fertigung einbaut, wird es auch zum digitalen Unternehmen“, warb er. „In Zukunft wird es gar keinen Unterschied mehr geben.“ Alles werde sich in der Cloud abspielen, 3D-Brillen am Arbeitsplatz, im Küchenstudio, in den Designbüros mit dreidimensionalen Hologrammen - so lautet seine Vision. Kaeser mit seinem bayerisch gefärbtem Englisch hielt mit einem Beispiel aus den USA dagegen, wo Siemens einem Startup namens „Local Motors“ ermöglicht, Autos mit Hilfe eines 3D-Druckers vor Ort und nach den individuelle Wünschen seiner Kunden zu fertigen. Ob die kleine US-Firma es wirklich schaffen werde, ein globales Netzwerk von Microwerken aufzubauen, wisse er nicht, sagte Kaeser mit einem Lächeln. „Aber es lohnt sich, es zu versuchen.“

Das sei eben das Besondere an der Digitalisierung: „Es schafft so viele Chancen und bietet enorme Wettbewerbsvorteile - aber nur für die, die es anwenden können.“ Industrie 4.0 sei ein Hype, sagte Kaeser, vielleicht sei es auch eine Blase. „Es werden viele Player kommen und auch wieder gehen. Aber die, die es schaffen, werden die Welt verändern.“ Deshalb müsse man sich anpassen an die sich schnell verändernde Welt, dürfe aber die Gesellschaft dabei nicht vergessen, mahnte er.

Die beste Voraussetzung dafür sei eine umfassende Weiterbildung der Arbeitnehmer, die sich  diesem digitalen Wandel stellen müssen. Dazu gehöre auch die entsprechende Einstellung. Die Amerikaner, so Kaeser, hätten diesen Unternehmergeist, „und sind deshalb führend in der Digitalisierung.“ Aber auch die Deutschen hätten einiges zu bieten, Mitbestimmung und eine gerechte Wohlstandsverteilung gehörten dazu. Letztlich, so Kaeser, sollten beide Länder das Beste einbringen: „Wir müssen zusammenarbeiten, wir werden das zusammen schaffen. Die beiden führenden Länder können zeigen, dass Digitalisierung wirklich gelebt werden kann.“

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