Interview: Internet aus der Straßenlaterne

 

Interview
Internet aus der Straßenlaterne

In Duisburg könnte die Zukunft des mobilen Internets entstehen. Dort koordiniert Professor Andreas Stöhr ein internationales Forschungsprojekt zu G5. Testen werden die Forscher die neue Technik etwa bei Olympia in Tokio.
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DuisburgProfessor Andreas Stöhr forscht dort an der neuen Mobilfunkgeneration 5G. Der Ingenieur Stöhr von der Universität Duisburg-Essen koordiniert die Arbeit von fünf europäischen, sechs asiatischen und einer US-amerikanischen Forschungseinrichtung. Im Interview mit Handelsblatt Online erklärt er, wie sich HD-Filme bald innerhalb von Sekunden herunterladen lassen.

Herr Professor Stöhr, wie schnell wird das Mobilfunknetz 5G einmal sein?
Wir rechnen damit, dass fünf bis sechs Gigabit pro Sekunde beim Rollout in fünf Jahren möglich sind. In den letzten Entwicklungsphasen könnten es dann sogar bis zu 50 Gigabit werden. Zum Vergleich: Derzeit erreichen Sie mit LTE standardmäßig Übertragungsraten von 100 Megabits pro Sekunde. Also, da ist Einiges an Datenmengen zu schaffen. Hochauflösende Filme lassen sich mit 5G in wenigen Sekunden herunterladen.

Das ist schwer vorstellbar bei dem langsamen mobilen Internet vielerorts.
Wenn man diese Kapazitäten erreichen will, dann müssen die Funkzellen kleiner werden. Die Frequenzen für 5G stehen zwar noch nicht fest, aber es werden wahrscheinlich relativ hohe Frequenzen sein – und die gehen nicht besonders weit. Deswegen reicht es nicht mehr, dass wir die Antennen irgendwo auf einem hohen Haus anbringen. Stattdessen ist es das Ziel, sie nah an die User zu holen. Die Antennen müssen runter auf die Ebene der Straßenlaternen oder an Hauswänden befestigt werden.

Tatsächlich auf Straßenlaternen?
Ja, Straßenlaternen bieten sich in einigen Gegenden an, denn sie sind schon elektrifiziert und es gibt vergleichsweise weniger rechtliche Probleme. Für die Hauswände müssen Sie erst einmal entsprechende Verträge abschließen. Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass man versuchen wird, die Antennen in die Straßenlaternen anzubringen. An diesen Antennen arbeiten wir gerade.

Selbstfahrende Autos und Roboter sollen ebenfalls mit 5G gesteuert werden. Dabei ist eine geringe Latenzzeit wichtig. Also, die Zeit zwischen dem Senden und Empfangen von Daten. Sonst steigt zum Beispiel die Gefahr eines Unfalls. Kann Ihre Forschung dabei helfen?
In dem Projekt entwickeln wir prototypische Funkzellen, die Antennen sind ein Teil davon. Es ist genau unser Ziel eine geringe Latenzzeit von einer Millisekunde zu erreichen. Weit dürfen die Antennen dafür grundsätzlich nicht auseinander stehen. Die heutigen Mobilfunksysteme haben typische Latenzen von 30 bis 50 Millisekunden.

Das hört sich so an, als müssten die Netzbetreiber viel in die Infrastruktur investieren.
Logisch, das wird die Netzbetreiber Geld kosten. Dabei stellt sich auch gleich die Frage, wer die Kosten übernimmt. Es wird sicherlich für die Privatkunden wie bei LTE Extra-Tarife geben. Mit 5G könnte es ganz andere Absatzmärkte geben – etwa die selbstfahrenden Autos. Und dadurch lassen sich die Kosten vielleicht teilweise amortisieren.

Wo kommt die Technik zum Einsatz?
Unsere Partner wollen die Technik bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio in den Stadien einsetzen. Wir arbeiten auch mit dem europäischen Netzbetreiber Orange zusammen, der die Technik testet. Andere Partnerunternehmen wollen den 5G-Internetzugang in Zügen und Flugzeugen ermöglichen. Wir entwickeln ja die Hardware, mit der sich diese geringe Latenzzeit erreichen lässt. Die Vernetzung von Robotern in der Industrie 4.0 ist also sicherlich eine weitere Anwendungsmöglichkeit.

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