Künstliche Intelligenz
Wenn der Roboter den Chef abschafft

Der Moment, in dem die künstliche Intelligenz die menschliche übersteigt: Darauf sollten sich alle vorbereiten. Dazu rät die Singularity University aus dem Silicon Valley nun auch den deutschen Unternehmen.

Mountain View/Berlin98 Führungskräfte aus 44 Ländern sitzen dicht gedrängt im großen Schulungsraum der kalifornischen Singularity University, auf den Tischen liegt Lego und anderes Spielzeug. Jeder hat 14.000 Dollar dafür bezahlt, sich sechs Tage lang für die Zukunft briefen zu lassen. Sie hören Pläne von der eigenen Abschaffung.

„Ich als CEO träume davon, dass eines Tages eine Form von künstlicher Intelligenz den Großteil meines Jobs erledigt“, sagt Rob Nail, Chef der Singularity University. „Ich glaube, dass 70 bis 80 Prozent der Entscheidungen, die ich jeden Tag treffe, auch von einem Algorithmus getroffen werden könnten. Wir könnten die Plattform so programmieren, dass sie genauso gut entscheidet wie ich, wenn nicht sogar besser.“

Manchmal vergesse er zum Beispiel, zu Mittag zu essen, sagt Nail. Er treffe dann sehr kurzentschlossen und hungrig Entscheidungen. Und besonders nett sei er auch nicht. „Jeder Roboter würde das sehr viel konsistenter machen.“

Think Big ist das Motto der Singularity University im Silicon Valley, die sich 2008 unter anderem mit dem Geld von Google, Autodesk und Genentech auf dem Nasa-Forschungsgelände gegründet hat. Weltweite Herausforderungen wie Energie und Jobs, Bildung, Weltraum und Medizin angegangen werden. Eine Art Thinktank, zugleich Ausbilder und Startup-Accelerator.

Immer wieder werden die Teilnehmer des „Executive Programs“ aufgefordert: „Denkt zehnmal größer! Wie sieht Euer Flug zum Mond aus?“ Und bitte keine Angst vor neuer Technik. Ein Ratschlag: „Kaufen Sie sich einen Telepräsenz-Roboter, damit Sie von überall auf der Welt mit ihrem Team kommunizieren können, als wären Sie selbst im Raum.“ Oder: „Hören Sie auf, die Nachrichten zu schauen. Die Welt ist viel besser als uns die Medien weismachen wollen. Wer eine negative Weltsicht hat, investiert nicht in die Zukunft“, sagt Peter Diamandis, Luftfahrtingenieur und Mitbegründer der University.

Die Manager erfahren, wie sehr jede Industrie im Moment anfällig ist für Disruption, was soviel heißt wie Störung, Unterbrechung und für das Prinzip steht, Märkte anzugreifen und Marktführer zu verdrängen. Die immer wiederkehrende Warnung: „Entweder ihr disrupted euch selbst oder ihr werdet disrupted.“

Auch ein deutscher Manager nimmt an dieser Brainstorm-Woche im Silicon Valley teil: Martin Hofmann, IT-Chef bei Volkswagen. „Die ganze Autobranche erfährt gerade Disruption, da müssen wir jetzt in den Angriffsmodus gehen, auch wenn viele Angst haben vor Veränderung.“ Hofmann nennt die digitale Einstellung hier vor Ort ein „Erweckungserlebnis“.

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Happening mit hoher Lernkurve

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