Podiumsdiskussion
TTIP braucht mehr Transparenz

Die USA sind Gastland der Hannover Messe 2016. Schon in diesem Jahr warf die Partnerschaft bei einer Veranstaltung ihre Schatten voraus: Diskutiert wurde über TTIP und die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen.
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Hannover/WashingtonSchon in diesem Jahr waren die USA bei der Hannover Messe präsent: Spekulationen um einen möglichen Abstecher von US-Präsident Barack Obama nach Hannover im kommenden Jahren waren auf den Fluren zu hören. Spitze Anmerkungen, ob die USA als Partnerland 2016 wohl mit dem bunten Auftritt Indiens in diesem Jahr mithalten könnten. Und natürlich TTIP: Das geplante Freihandelsabkommen ist ein bestimmendes Dauerthema in der öffentlichen und politischen Debatte um den EU-Außenhandel und ebenso bei der weltweit größten Industrieschau bestimmend.

Eine Veranstaltung gab schon jetzt einen Vorgeschmack auf die Vielzahl von Programmpunkten, die den Eventplan der Hannover Messe 2016 füllen dürften: Die Podiumsdiskussion organisiert von DIHK und GTAI stellte die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen schon ein Jahr vor dem Auftritt der USA bei der Hannover Messe in den Vordergrund. „Wir wollen dazu beitragen, dass die Situation etwas versachtlicht wird“, sagte Gastgeber Benno Bunse, Geschäftsführer von GTAI, bevor er das Mikrofon an Moderator Kevin O’Brien übergab – einen laut Bunse „waschechten Amerikaner aus der Bronx“.

In der Tat kennt der Journalist beide Seiten in der Debatte um TTIP: Nach vielen Stationen in den USA, arbeitete O’Brien für verschiedene Medien in Deutschland und ist mittlerweile Chefredakteur der Handelsblatt Global Edition. Die Podiumsdiskussion begann O’Brien mit einer kleinen Umfrage im Publikum: „Wer befürwortet TTIP?“ Die Mehrheit der Zuhörer stimmte zu, gering war die Anzahl der Gegner und nur wenige hatten keine Meinung zu dem Thema. Ein Stimmungsbild, das man bei einer Industriemesse erwartet und tendenziell auch der Position der Gastgeber GTAI und DIHK entspricht. Es spiegelt aber längst nicht die Tendenz in der deutschen Gesamtbevölkerung wider. Nur 39 Prozent befürworten O‘Brien zufolge TTIP; laut Umfragen hätten die übrigen Befragten entweder keine Meinung oder sind dagegen.

Hartmut Tölle, DGB-Bezirksvorsitzender, kann die Bedenken in der Bevölkerung nachvollziehen. Die Verantwortlichen der EU hätten die Skepsis nur befördert, da die Verhandlungsabläufe weitgehend intransparent abgelaufen seien. „Zu einer Versachlichung der öffentlichen Debatte haben sie damit wenig beigetragen“, so Tölle. Immer wieder heißt es, diese laufe zu emotional und zu wenig argumentativ ab. Reizworte wie das Chlorhühnchen sind in aller Munde, wichtige Details zu den Verhandlungen hingegen nur einer Minderheit geläufig. Seit Monaten versinnbildlicht der mit Chlor gereinigte Gockel die vermeintliche Absenkung europäischer Standards.

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