Risikomanagement bei der vernetzten Produktion Gefährliche Nebenwirkungen

Die Vernetzung trägt neue Risiken in die Produktionsbetriebe. Doch wenige Unternehmen befassen sich systematisch damit. Dabei hat jede Störung des IT-Systems das Potenzial, die ganze Produktion zum Erliegen zu bringen.
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"Viele Unternehmen unterschätzen das Risiko, dass ihr Produkt beispielsweise durch ein Smartphone ersetzt werden könnte, ähnlich wie ein Parkautomat in Zeiten des Handytickets." Quelle: Getty Images
Die Schattenseiten der Vernetzung

"Viele Unternehmen unterschätzen das Risiko, dass ihr Produkt beispielsweise durch ein Smartphone ersetzt werden könnte, ähnlich wie ein Parkautomat in Zeiten des Handytickets."

(Foto: Getty Images)

KölnBeim ostwestfälischen Familienunternehmen Schwering & Hasse Elektrodraht ist sie schon Realität, die neue Welt der Industrie 4.0: Hier sind 300 Produktionsmaschinen an ein zentrales Lenkungssystem angebunden, sekündlich senden sie mehrere Tausend Datensätze. Die gesamte Fertigung wird an zentraler Stelle überwacht. Stimmt zum Beispiel die Temperatur der Ofenanlage nicht oder gerät die Lackschicht des produzierten Kupferdrahts zu dünn, schlägt die zugehörige Software sofort Alarm.

Die Technik hilft dem Unternehmen, in gleichbleibend hoher Qualität zu fertigen. Nötig geworden ist die Automatisierung durch den immer höheren Takt - bei Produktionsgeschwindigkeiten von bis zu Tausend Metern Draht pro Minute würden manuelle Prüfungen zwangsläufig lückenhaft sei. Den Sensoren an den Maschinen aber entgeht nichts. „Unsere Qualitätssicherung ist auf dem neusten Stand“, sagt Geschäftsführer Andreas Levermann.

Doch die Vernetzung hat auch eine Schattenseite. Denn jede Störung des IT-Systems hat nun das Potenzial, gleich die ganze Produktion zum Erliegen zu bringen. Und der neue Datenpool verrät viel über das Know-how des Unternehmens - verheerend, geriete er in falsche Hände. Levermann setzt auf Prävention: „Die Sicherheit unserer Produktion überprüfen wir regelmäßig, unter anderem, indem wir Hackerangriffe simulieren lassen.“

So vorausschauend gehen längst nicht alle Firmen vor, die den Weg zur vernetzten Produktion beschreiten. Experten mahnen, dass vielfach noch keine systematische Auseinandersetzung mit den Risiken stattfindet. Die IT-Sicherheit ist dabei nur ein Aspekt - mit dem verstärkten Einsatz von Robotern treten etwa neue Arbeitsschutzrisiken auf. Auch betriebswirtschaftliche und strategische Betrachtungen sind nötig. „Unternehmen sind gut beraten, ihr Risikomanagement frühzeitig auf Industrie 4.0 auszurichten“, sagt Dirk Schäfer, Geschäftsführer von Kerkhoff Consulting.

„Die erste Frage muss lauten, wie sieht mein Geschäftsmodell im Jahr 2025 aus“, sagt der Berater. Denn: Die Digitalisierung aller Wirtschaftszweige stellt auch an physische Produkte neue Anforderungen - und macht sie im Extremfall sogar überflüssig. „Viele Unternehmen unterschätzen das Risiko, dass ihr Produkt beispielsweise durch ein Smartphone ersetzt werden könnte, ähnlich wie ein Parkautomat in Zeiten des Handytickets.“

Separate Schutzräume nötig
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