Veranstalter im Interview
„Die Messe ist immer Spiegelbild der Märkte“

Messe-Vorstand Jochen Köckler denkt an die Zukunft: Während bei der Industrieschau des Veranstalters 6.500 Aussteller die Zukunft der Industrie zeigen – hat er schon die Hannover Messe 2016 im Blick.
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HannoverHerr Köckler, Ihre Veranstaltung zeigt den Trend in der Industrie, die Produktion immer mehr zu vernetzen und zu digitalisieren. Damit rücken die Themen der Hannover Messe und der Cebit auch enger zusammen. Wollen Sie die Messen irgendwann zusammenlegen?
Nein, denn thematisch bleiben sie getrennt. Die Hannover Messe richtet sich an das produzierende Gewerbe, die Cebit bezieht sich mehr auf das Internet der Dinge. Sie ist eine ehemalige Computermesse, die heute als ITK-Messe die Digitalisierung der gesamten Wirtschaft betrifft. Da wir jetzt mit einem voll belegten Messegelände mit 6.500 Ausstellern an den Start gehen, stellt sich die Frage auch faktisch gar nicht.

Industrie 4.0 ist nun schon zum dritten Mal in Folge Leitthema der Industrieschau. Wann gibt es mal wieder einen anderen Schwerpunkt?
Wir haben schon früh, erstmals im Jahr 2013, auf das Thema gesetzt und sind darüber auch aktuell sehr froh, denn wir bemerken das große weltweite Interesse an der Messe und ihrem Themenschwerpunkt. Wir setzen jetzt zum dritten Mal auf „Integrated Industries“ mit dem Zusatz „Join the Network“, weil wir überzeugt sind, dass die Zukunft der Industrie nur im Netzwerk gestaltet werden kann – eben von Maschinenbau, Elektrotechnik und IT zusammen. Was wir im nächsten Jahr machen, werden wir noch mit den Beiräten besprechen. Aber letztlich sind Messen immer Spiegelbilder der Märkte. Wenn weiterhin in den Bereich Industrie 4.0 investiert wird – und danach sieht es aus – sind wir gut beraten, die Hannover Messe ebenfalls in diese Richtung weiterzuentwickeln.

Das Thema bleibt das gleiche, aber innerhalb dessen hat sich einiges bewegt. Welche sind die größten Innovationen, die dieses Jahr in den Messehallen vorgestellt werden?
Inhaltlich haben wir drei Schwerpunkte. Zunächst Industrie 4.0: Es gibt auf der Messe vollvernetzte Fertigungsanlagen zu sehen, fantastische Beispiele, wie das Produkt in Zukunft selbstständig durch die Fabrik steuert und Montageeinheiten Aufträge erteilt. Zweiter Schwerpunkt ist die Mensch-Maschine-Kollaboration: Die Roboter werden nicht länger hinter Schutzzäunen arbeiten, sondern mit den Arbeitern ein Team bilden. Der Kollege Roboter nimmt dem Menschen eintönige und körperlich belastende Aufgaben ab. Drittes Schwerpunktthema sind intelligente Energiesysteme: Mit der Energiewende gehen immer mehr dezentrale Stromerzeuger ans Netz – seien es Wind-, Solar-, Wasserkraft- oder Biogasanlagen. Sie in einem intelligenten Energienetz zusammenzuführen, ist eine Herausforderung, für die unsere Aussteller Lösungen zeigen.

Sie haben mit den Hannover Fairs ein Pendant in den USA. Vor nicht mal zwei Jahren haben Sie zusätzliche die Dependance in Washington eröffnet. Ist die Chance auf einen Besuch von US-Präsident Obama im kommenden Jahr das Ergebnis für diese Anstrengungen in Übersee?
Um die USA als Partnerland zu gewinnen, hatten wir in Washington das Büro gegründet. In einem Partnerland-Konzept haben wir zunächst mal abgesichert, dass wir den Technologietransfer, die Business-Plattform und die Investitionen zwischen Deutschland, den USA und auch Europa abbilden werden. So wie jetzt Indiens Premier Narendra Modi oder in der Vergangenheit andere Staatschefs die Messe eröffnet haben, hoffen wir auf einen Besuch des US-Präsidenten 2016. Wir haben dafür die Unterstützung aus der Politik, aber zwölf Monate vorher können wir noch nicht mitteilen, ob das tatsächlich in Obamas Terminkalender passt. Immerhin sind die Chancen nicht schlecht.

Indien ist dieses Jahr schon zum dritten Mal Gastland. Ist Grund dafür unter anderem das umfangreiche Reformpaket, mit dem die neue Regierung um Premierminister Modi, ausländische Investoren anlocken will?
Indien ist ein Land im Aufbruch: 1,2 Milliarden Einwohner in einem Schwellenland streben danach, an der globalisierten arbeitsteiligen Welt teilzuhaben. Indien tritt unter dem Slogan „Make in India“ auf. Damit will die neue Regierung hier in Hannover drei Dinge erreichen: Indien präsentiert sich als Land im Wandel, das moderne Strukturen aufbauen will. Zum Zweiten werben sie um Investitionen; schon jetzt betreiben viele Konzerne dort Produktionseinheiten. Und schließlich will sich Indien mit dem Slogan als Exportnation positionieren. Der Zeitpunkt ist hervorragend, denn der Premier besucht erstmals Europa und verknüpft seinen Besuch in Deutschland mit der Eröffnung der Hannover Messe. Er kommt mit einer riesigen Delegation an Entscheidern. Zudem prägen rund 400 Aussteller aus Indien die Messe. Kurz: für uns in diesem Jahr ein hervorragendes Partnerland.

Caroline Lindekamp
Caroline Lindekamp
Handelsblatt / Freie Journalistin

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