Wichtigster Handelspartner für Deutschland
Das Comeback der USA

Bei der Wiederbelebung der amerikanischen Industrie spielen deutsche Firmen eine große Rolle. Im Vordergrund steht die digitale Vernetzung der Maschinen. Ein Besuch in den Fabriken der Zukunft.

Das Stadtviertel hat schon bessere Zeiten erlebt: Vorbei an halb verfallenen Wohnhäusern, die angenagelte Bretter vor dem Zusammenbruch bewahren. Trostlose Brachflächen, ab und zu ein Autowrack säumen den Weg zum größten und produktivsten Autowerk des US-europäischen Autokonzerns Fiat Chrysler. Hier im Nordwesten Ohios, nur 60 Meilen südlich der früheren Autometropole Detroit, werden seit dem Zweiten Weltkrieg Jeeps gebaut. Aktuell sind es der Wrangler und der Grand Cherokee, zwei Vorzeigemodelle des Autokonzerns - 460.000 Stück haben 2015 die Fließbänder verlassen, es war das dritte Rekordjahr in Folge. Die hohe Produktivität in seinem Werk hier unweit des Eriesees verdankt Fiat Chrysler auch einem deutschen Zulieferer.

In einem Teil des Werks stellt der Augsburger Roboterbauer Kuka auf eigene Rechnung die Rohkarossen für den populären Jeep Wrangler her. 250 Roboter schweißen, formen, montieren mit 345 menschlichen Kollegen in drei Schichten rund um die Uhr in einer eigenen Halle, die dem Autowerk angeschlossen ist. Es ist ein Ballett der Schwergewichte: rund 60 Kilo wiegt ein Seitenteil des Offroaders, das sich Roboter R10-PS schnappt, spielerisch um drei Achsen schwenkt und an den Kollegen R09 weiterreicht. Minutiös setzt dieser die Schweißpunkte, ein paar Funken fliegen, ab geht es zum nächsten Produktionsschritt - eine Choreografie eingespielter Bewegungsabläufe.

43 Karossen verlassen die Halle Stunde um Stunde, "das ist die höchste Produktivität in den USA", ruft Betriebschef Jake Ladouceur in den Lärm der Halle hinein. Auch die Qualität der Produktion, schwärmt der Kuka-Manager, sei einzigartig in der Automobilwelt: So habe es 2015 nur drei Mängel bei 245 000 produzierten Karossen gegeben. "Unglaublich!" So klingt amerikanische Leidenschaft: "Passion" wird in den Fabrikhallen großgeschrieben - für europäische Ohren manchmal ungewöhnlich.

Kuka kooperiert bei Datensammlung und - analyse mit dem US-Softwarekonzern Microsoft. Jeder der mehrere Tausend Schweißpunkte wird sorgsam dokumentiert - tritt irgendwo ein Fehler auf, lässt sich sofort feststellen, wo am Band der Schwachpunkt entstanden ist. Die wiedererstarkten US-Autobauer haben die Geschäfte des Augsburger Roboterbauers beflügelt. Fast ein Drittel seines Umsatzes macht Kuka in den USA, vor allem mit der Automobil- und Luftfahrtindustrie. "Die USA sind ein bedeutender Markt für uns", bestätigt Kuka-Chef Till Reuter.

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