Hoher Investitionsbedarf: Milliarden für neue Stromspeicher

Hoher Investitionsbedarf
Milliarden für neue Stromspeicher

Die Zukunft der Energieversorgung hängt nicht nur davon ab, wie man Strom produziert - sondern auch wie man in speichert. In Deutschland müssen dazu laut einer aktuellen Studie Milliardensummen investiert werden.
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DüsseldorfDer Boom der erneuerbaren Energien erfordert gewaltige Investitionen in Technologien zum Speichern von Energie. Bis 2030 müssten alleine in Deutschland 25 bis 30 Milliarden Euro für zusätzliche Energiespeicher ausgegeben werden, hat die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in einer aktuellen Studie errechnet, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Weltweit werden sich die Investitionen in weitere Pumpspeicherkraftwerke, aber auch neue Technologien wie Druckluftanlagen oder Großbatterien sogar auf rund 280 Milliarden Euro summieren. Auf die Energiebranche kommen damit hohe Kosten zu, Anlagenbauern oder Batterieherstellern winkt dagegen ein lukratives Geschäft.

Hintergrund ist der weltweit forcierte Umstieg auf umweltfreundliche Energieerzeugung, der die Versorger und Netzbetreiber vor große Herausforderungen stellt. Die Stromausbeute aus Windrädern oder Solaranlagen, die derzeit massenweise gebaut werden, schwankt schließlich stark und ist nur schwer zu prognostizieren. Wenn der Wind bläst oder die Sonne strahlt, ist sie hoch, bei Flaute oder Bewölkung ist sie gering. Die Netzbetreiber müssen deshalb immer mehr Aufwand betreiben, um Stromangebot und -nachfrage in Einklang zu bringen. Die Stromversorger können zwar die Schwankungen abfedern, indem sie konventionelle Kraftwerke, beispielsweise Gasanlagen, zum Ausgleich hoch- oder herunterfahren. Das ist aber teuer.

Effizienter ist die Speicherung von überschüssiger Energie. Bislang wird dies vor allem mit Pumpspeicherkraftwerken gemacht. Dabei wird in Bergregionen Wasser aus Tälern in höher gelegene Reservoirs gepumpt. Steigt die Nachfrage, wird das Wasser wieder abgelassen und dabei Strom produziert, der ins Netz eingespeist wird. Derzeit sind weltweit Speicher mit einer Kapazität von 100 Gigawatt installiert – das entspricht etwa der Leistung von 100 Kernkraftwerken. „Ohne einen deutlichen Zubau von Speichern wird es schwierig, die zunehmenden Schwankungen im Stromangebot aufzufangen“, sagt BCG-Partner Holger Rubel, Autor der Studie. Derzufolge wird sich das Speichervolumen bis 2030 um zusätzliche 330 Gigawatt erhöhen. Insbesondere in Westeuropa, den USA und China sei der Bedarf hoch.

Druckluftspeicher im Salzstock

Dass zusätzliche Stromspeicher sinnvoll sind, ist unstrittig. In ihrem Energiekonzept bezeichnet die Bundesregierung die „Entwicklung und Förderung der Speichertechnologien“ als eine der größten Herausforderungen. Sie will zum einen alle Möglichkeiten in Deutschland für zusätzliche Pumpspeicherkraftwerke ausschöpfen, aber auch solche im Ausland nutzen – beispielsweise in Norwegen. Zum anderen will sie aber auch die Forschung an neuen Technologien unterstützen. Versorger und Industrie loten auch eifrig neue Möglichkeiten aus. RWE plant gemeinsam mit General Electric und dem Baukonzern Züblin eine Demonstrationsanlage für die Speicherung von Druckluft. Dabei soll bei einem Überangebot Luft komprimiert und in unterirdische Höhlen gepresst werden. Bei hoher Stromnachfrage soll sie dann abgelassen werden und eine Turbine antreiben. Die Anlage soll ab 2013 bei einem Salzstock in Sachsen-Anhalt entstehen und eine Leistung von 200 Megawatt haben.

Der Mischkonzern Evonik entwickelt gemeinsam mit Partnern eine Megabatterie. Der Großspeicher wird zwölf Meter lang sein, fünf Tonnen wiegen und zunächst eine elektrische Leistung von einem Megawatt haben, später sollen zehn Megawatt möglich sein. Der BCG-Studie zufolge wird das jährliche Marktvolumen von derzeit einer Milliarde Euro in den kommenden Jahren auf zwei bis drei Milliarden Euro steigen. Ab 2015 werde es dann bei sechs Milliarden Euro liegen und ab 2020 bei mehr als zehn Milliarden Euro.

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  • warum wird geforscht wenn es doch alles schon gibt. Man braucht sich nur auszusuchen was man zum speichern nimmt. Methanisierungsanlagen wurden nach dem Krieg schon an Tankstellen betrieben. Das Gasnetz kann Energie für ein halbes Jahr speichern. Es kann ja reiner Wasserstoff bis 10% oder methanisierter Wasserstoff zu 100% eingespeist werden. Der Kohlenstoff für die Methanisierung kann aus dem Abgas von Zementwerken u. Kalköfen entnommen werden.

  • Der Artikel ist löchrig wie Emmentaler Käse:

    - Pumpspeicher-Kraftwerke stoßen vor Ort auf große Vorbehalte - sofern es überhaupt ein "vor Ort" gibt. Dafür braucht man möglichst große Höhenunterschiede auf kleinem Raum und genug Wasser, das man auch hochpumpen kann. Live kann man das gerade im Hochschwarzwald beobachten.

    - Das gilt beispielsweise auch in Norwegen. Die Bevölkerung dort sieht überhaupt nicht ein, warum sie sich für die Deutschen die eigene Natur verschandeln lassen soll.

    - Norwegen ließe sich, wegen der Entfernungen und der nötigen Seekabel, nur per Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) anbinden. Dazu müssten aber quer durch Deutschland komplett neue Leitungstrassen gebaut werden.

    - Druckluftspeicher sind überhaupt nur sinnvoll im Zusammenhang mit Gasturbinen und haben einen sehr schlechten Wirkungsgrad: Beim Komprimieren wird Luft warm - kennt jeder von der Fahrradpumpe. Diese Wärme geht verloren. Wegen der Gaspreise sind Gasturbinen-Kraftwerke als Stromlieferanten hier zu Lande äußerst unbeliebt (und sorgen z.B. in Italien für sehr hoche Strompreise).

    - Vonwegen "Megabatterie": 10 MW sind gerade mal 2% der Leistung eines üblichen Steinkohle-Kraftwerks. Wenn dort mal gaaaanz leicht am Frischdampf-Ventil gedreht wird, kommen die 10 MW mal schnell zusätzlich raus. Das nennt sich dort "Regelenergie".

    Realistisch sind deshalb eher Eingriffe auf der Verbraucherseite - Stichwort "intelligenter Stromzähler". Wir werden mittelfristig beispielsweise die Möglichkeit haben, für die Waschmaschine einen maximalen Strompreis anzugeben, den wir dafür bezahlen wollen. Die Waschmaschine läuft dann eben nicht mehr Montag früh um 11, sondern irgendwann am Abend nach dem Fußballspiel.

  • Sin die alle blöd.
    Es ist doch "einfacher" Elektrische Energie in Großanlagen in Wasserstoff umzuwandeln in Tanks und an Tankstellen (Umbau) zu speichern. Brennstoffzellen gehen doch schon im Alltagseinsatz und lassen sich sicher noch weiter entwickeln. Aber an Zukunft denkt hier wohl niemand, man will jetzt Geld mit "Zukunftsschrott" verdienen

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