108. Deutscher Ärztetag
Mehr Zeit für elektronische Gesundheitskarte gefordert

Die deutschen Ärzte haben die geplante elektronische Gesundheitskarte grundsätzlich begrüßt, jedoch mehr Zeit bis zur kompletten Einführung gefordert. Die Schaffung der technischen Möglichkeiten „erfordert angemessene Test-, Lern- und Einführungsphasen“.

dpa BERLIN. Das betonte der 108. Deutsche Ärztetag in einem Beschluss am Freitag in Berlin. Aus dem derzeit bestehenden „unangemessenen Zeitdruck“ resultierten Fehler und Schuldzuweisungen, die „zu einer Verschwendung wertvoller Ressourcen“ führten.

Nach der für 2006 geplanten schrittweisen Einführung sollen alle 80 Mill. Versicherten in Deutschland die Gesundheitskarte bis 2007 erhalten. Zunächst soll die Karte mit der Möglichkeit zu elektronischen Rezepten ausgestattet werden, später auch mit Notfallinformationen, Angaben über Medikamentenunverträglichkeiten, chronischen Erkrankungen und elektronischer Patientenakte.

Ingo Flenker, Telematikbeauftragter der Bundesärztekammer, warb bei den Ärzte für die Karte. Es gebe „keine Alternative dazu, sich als Ärzteschaft aktiv einzubringen, um die großen Chancen zum Wohl unserer Patienten zu nutzen“. In ihrem Beschluss forderten die Delegierten: „Der Patient muss jederzeit in der Lage sein, sich einen Überblick zu verschaffen und zu entscheiden, welche Daten welchen dritten Personen zugänglich sind oder zugänglich sein sollen.“ Sichergestellt werden müsse, dass der Nutzen von Telematik langfristig die Kosten übersteigt.

Verstärkt wollen die Ärzte gegen selbst ernannte Schönheitschirurgen vorgehen. Die Facharztbezeichnung „Plastische Chirurgie“ wird durch den Zusatz „Ästhetische“ erweitert. Die nicht geschützte Bezeichnung Schönheitschirurgie könne die Patienten irreführen.

Im Zentrum des Ärztetags stand außerdem das zunehmende Krankheitsrisiko durch die Massenarbeitslosigkeit. Obdachlose und Heimpatienten sollen nach Meinung der Ärzte keine Praxisgebühr und Zuzahlungen mehr leisten müssen. Rund 300 000 Menschen seien nicht krankenversichert. Die Bundesregierung betonte, auch Menschen ohne Krankenversicherung seien über die Sozialhilfe abgesichert. Die Zahl der Bedürftigen ohne Krankenversicherung sei keineswegs drastisch gestiegen, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums am Freitag.

Am Donnerstag hatten die Ärzte beschlossen, dass durch ein besseres Fehlermanagement die Sicherheit der Patienten erhöht werden solle. „Plakative Schuldzuweisungen und Skandalisierungen“ trügen nicht zur Aufklärung bei, sondern verunsicherten Patienten vielmehr, sagte der Präsident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz. Um Fehler zu vermeiden, müssten unter anderem Mängel in der Kommunikation und Organisation des ärztlichen Dienstes beseitigt werden.

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