15 Jahre World Wide Web
Die Browserkriege

Wer heute mit Internet Explorer oder Firefox durch Web segelt, denkt wohl kaum mehr an jenes Unternehmen, das vor gut einem Jahrzehnt den Browsermarkt beherrschte. Auf bis zu 90 Prozent Markanteil brachte es der Netscape Navigator - bis Microsoft Mitte der 90er-Jahre zum Angriff auf den Konkurrenten blies. Ein Rückblick zum 15. Geburtstag des WWW.
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BERLIN. In den 90er Jahren dominierte Netscape mit dem kostenpflichtigen Netscape Navigator den Browsermarkt. Die Basis des Navigator war der Browser NCSA Mosaic, der als erster Browser auch grafische Elemente in Webseiten darstellen konnte. Weitere Funktionen kamen mit dem Netscape Navigator und später dem Netscape Communicator dazu. 1995 erreichte der Netscape-Browser einen Anteil von 80 Prozent im Browsermarkt; Netscape wollte damit die Nachfrage entsprechender Serverprodukte ankurbeln.

Als Microsoft Mitte der 90er Jahre gewahr wurde, welche Bedeutung das World Wide Web einnehmen wird, versuchte der Softwaregigant verlorenes Terrain wettzumachen. Bis dahin spielte das WWW für Microsoft kaum eine Rolle, aber nun befürchtete der Konzern, dass Netscape eine immer stärkere Konkurrenz werden könnte. Microsoft setzte ebenfalls als Basis auf Mosaic und brachte im August 1995 den ersten Internet Explorer auf den Markt, der es funktional allerdings nicht mit dem Netscape-Konkurrenten aufnehmen konnte.

Mit dem Markteintritt des Internet Explorer entflammte der Browserkrieg, in dem vor allem Microsoft versuchte, Netscape Marktanteile abzuluchsen. Während der Netscape-Browser bis Anfang 1998 kostenpflichtig war, verteilte Microsoft den Internet Explorer von Anfang an gratis.

Netscape reagierte zunächst nur zaghaft auf den Angriff von Microsoft und nahm offenbar an, seine beherrschende Marktmacht jener tage sei nicht angreifbar. Doch Microsoft taktierte geschickt: Um Netscape möglichst schnell besiegen zu können, koppelte das Unternehmen den Internet Explorer mit Windows. Seitdem werden Windows-Installationen üblicherweise vorinstalliert mit dem Internet Explorer ausgeliefert.

Das Kalkül von Microsoft ging auf, der Marktanteil vom Internet Explorer nahm rasant zu und Ende der 90er Jahre dominierte Microsofts Browser den Markt, während der Netscape-Browser nur noch auf einen Marktanteil von unter 20 Prozent kam. 2002 lag der Marktanteil vom Internet Explorer sogar bei über 90 Prozent. Zum Netscape-Todessturz trug wesentlich die Tatsache bei, dass der damals sehr dominante Internet-Provider AOL mit Microsoft paktierte und der AOL-Browser die Rendering Engine von Microsoft verwendete. Pikanterweise war es dann ausgerechnet AOL, das Jahre später Netscape aufkaufte und die Marke schließlich ganz beerdigte, nachdem die Bedeutung des Browsers immer weiter schwand.

Microsofts Koppelgeschäft führte letztendlich zum US-Kartellprozess gegen das Unternehmen, der weitere Zivilklagen nach sich zog. Microsoft wurde vorgeworfen, die eigene monopolartige Marktmacht im Betriebssystemmarkt zu missbrauchen und auf den Browsermarkt zu übertragen. Microsoft musste zum Teil hohe Strafen zahlen, zahlreiche Auflagen erfüllen und steht seitdem unter gerichtlicher Beobachtung. Auf den Browserkrieg hatten diese Entscheidungen aber keinen Einfluss mehr.

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