30 Jahre Mac Die erste Revolution des Steve Jobs

Er ist ein eckiges Stück Technikgeschichte: Vor 30 Jahren präsentierte Steve Jobs den ersten Macintosh. Der legendäre Computer trieb Apple erst fast in die Pleite, dann gemeinsam mit dem iPhone und iPad zu neuen Höhen.
Kommentieren
Wendepunkt der Computergeschichte: Der junge Steve Jobs (l.) und der damalige Apple-Präsident John Sculley mit dem ersten Macintosh. Quelle: dpa

Wendepunkt der Computergeschichte: Der junge Steve Jobs (l.) und der damalige Apple-Präsident John Sculley mit dem ersten Macintosh.

(Foto: dpa)

BerlinLange bevor Apple die Technikwelt mit iPhones und iPads umkrempelte, schrieb der US-Konzern mit einem klobigen Rechner für den heimischen Schreibtisch Computergeschichte. Am 24. Januar 1984 präsentierte das Unternehmen den Apple Macintosh, den ersten massentauglichen Computer mit grafischer Benutzeroberfläche sowie der Kombination aus Tastatur und Maus. Seit drei Jahrzehnten trotzt der Mac nun schon der PC-Konkurrenz mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows – und überstand auch die Beinahe-Pleite von Apple Ende der 90er Jahre.

Der sprichwörtlichen kalifornischen Garage, Startpunkt vieler Erfolgsgeschichten im Silicon Valley, war Apple Anfang der 80er Jahre bereits längst entwachsen: Mit dem Apple II beherrschte das Unternehmen damals den noch jungen Markt der damaligen „Mikrocomputer“. Doch die Karten wurden neu gemischt, als der Computergigant IBM am 12. August 1981 seinen IBM Personal Computer auf den Markt warf.

Der Erfolg des ersten IBM-PCs wurde von Apple-Mitbegründer Steve Jobs und seinen Mitstreitern zunächst komplett unterschätzt. „Ich war an dem Tag, als IBM seinen PC ankündigte, bei Apple“, erinnerte sich später Microsoft-Gründer Bill Gates. „Die haben sich damals um dieses Thema gar nicht gekümmert.“ Gates hatte mit MS DOS das Betriebssystem für den IBM PC geliefert und clever darauf geachtet, die Software auch an andere PC-Hersteller lizenzieren zu dürfen.

Nachdem ein erster Vorstoß von Apple gegen den IBM-PC mit dem teuren Bürocomputer Apple Lisa fast wirkungslos verpuffte, ruhten die ganzen Hoffnungen auf dem Macintosh. Jobs hatte sich schon im Sommer 1980 an die Spitze des Mac-Projekts gesetzt. Mit dem Mac wollte er die Idee einer grafischen Benutzungsoberfläche aus dem legendären Forschungszentrum Xerox PARC für die Massen umsetzen. Der Rechner sollte nicht länger über kryptische Kommandos bedient werden, sondern intuitiv mit Bildschirmsymbolen und Menüs mit Hilfe einer Maus.

Wie Computer wurden, was sie sind
Apple_Lisa
1 von 13

Apple-Mitgründer Steve Jobs wollte einen Computer entwickeln, den jeder bedienen kann. Inspiration fand er im Forschungszentrum Xerox PARC: Dort hatten die Tüftler eine grafische Benutzeroberfläche (graphical user interface, GUI) programmiert, die Jobs bei einem Besuch elektrisierte. „Innerhalb von zehn Minuten war mir klar, dass eines Tages alle Computer so arbeiten würden“, sagte er Jahre später in einem Fernsehinterview.

1983 brachte Apple das Modell Lisa samt einer Maus heraus – den ersten Computer mit grafischer Benutzeroberfläche für den Massenmarkt. Allerdings reagierte die Technik nur sehr behäbig. Und der Preis von 10.000 Dollar war für die meisten Privatanwender zu hoch (in Deutschland kostete der Rechner 30.000 DM). Lisa erwies sich als großer Flop, die Restbestände wurden später in der Wüste von Utah entsorgt. Doch Lisa bahnte der Technologie den Weg.

27325935
2 von 13

Doch Steve Jobs ließ sich vom Misserfolg mit dem Lisa nicht beirren und entwickelte bei Apple mit einem verschworenen Team den Macintosh, der sich ebenfalls mit einer Maus bedienen ließ und deutlich billiger war. Hier ist der junge Firmengründer (l.) 1984 bei der Vorstellung des Rechners mit dem damaligen Apple-Chef John Sculley zu sehen. Der Werbespot für diesen Computer, gedreht von Regisseur Ridley Scott, ist bis heute legendär – er soll zeigen, wie der Apple-Rechner die geknechteten Nutzer von IBM, dem „Big Brother“ mit seinen Einheits-PCs, befreit.

27329060
3 von 13

Das Gerät sollte nicht die Geschäftsleute begeistern, sondern die Massen. In Sachen Benutzerfreundlichkeit setzte Apple Maßstäbe, doch der Erfolg stellte sich erst über die Jahre ein, zumal Konkurrent IBM mit seinem PC reißenden Absatz fand. Der war zwar nicht so bequem zu bedienen, es gab aber viel mehr Anwendungen für ihn. Immerhin gelang es Apple mit der Zeit, eine treue Fangemeinde aufzubauen – auch in den Jahren ohne Steve Jobs. Der musste Apple 1985 nach einem Machtkampf mit Firmenchef Sculley verlassen.

21525282
4 von 13

Zum Durchbruch verhalf der grafischen Benutzeroberfläche nicht Steve Jobs, sondern ein junger Bursche namens Bill Gates. Sein Startup Microsoft entwickelte für den Computerhersteller IBM das Betriebssystem MS-DOS. In den 80er Jahren entdeckte Gates beim damaligen Partner Apple die intuitive Bedienung per Maus und ließ daraufhin die Benutzeroberfläche Windows entwickeln, die später Bestandteil aller Systeme wurde. 1985 kam die erste Version heraus, die ersten großen Erfolge gelangen in den 1990er Jahren mit Windows 3.0 und Windows 3.1. Heute ist Microsoft ein Software-Gigant und Windows der Quasi-Standard auf PCs.

7481290
5 von 13

Windows 95 bedeutete für Microsoft den Durchbruch – spätestens seit der Präsentation im namensgebenden Jahr 1995 kam kein Computerhersteller mehr an dem Betriebssystem vorbei. Damals führte der Software-Konzern auch den Start-Button ein, über den heute Millionen von Nutzern Programme aufrufen oder auch den Rechner ausschalten. Weitere Meilensteine in der Entwicklung sind Windows XP (2001) und Windows 7 (2009). Aktuell vermarktet Microsoft Windows 8.

Apple iPhone, Steve Jobs
6 von 13

Steve Jobs verhalf nicht nur der grafischen Benutzeroberfläche zum Durchbruch, sondern auch dem Touchscreen: Nach seiner Rückkehr zu Apple ließ er das iPhone entwickeln – hier die Präsentation im Januar 2007. Es war zwar nicht der erste Handy mit berührungsempfindlicher Oberfläche, hatte aber dank seiner intuitiven und ruckelfreien Bedienung so viel Erfolg wie kein Gerät zuvor. Für damalige Verhältnisse war das revolutionär, heute ist es Standard. Denn Apple fand viele Nachahmer.

Apple
7 von 13

Auch im iPod Touch setzte Apple später seinen Touchscreen ein. Inzwischen kommt die Technologie in immer mehr Geräten zum Einsatz, auch in Notebooks oder Uhren.

„Der Macintosh war der Wendepunkt“, sagt Daniel Kottke, ein IT-Ingenieur der ersten Stunde bei Apple. Der Computer-Visionär Doug Engelbart hatte die Maus zwar bereits in den 1960er Jahren erfunden. Die Steuerung über Bildschirmsymbole wurde in den 1970er Jahren im Forschungszentrum Xerox PARC im Silicon Valley entwickelt. Doch die Firma mit dem Apfel-Logo setzte die Neuerungen für den breiten Markt um. Es war die erste revolutionäre Tat des Steve Jobs'.

Nach etlichen Verzögerungen konnte Jobs am 24. Januar 1984 auf einer denkwürdigen Aktionärsversammlung im Flint Center Auditorium des De Anza Community College den ersten Mac der Öffentlichkeit zeigen. Zwei Tage zuvor hatte Apple mit einem aufsehenerregenden Werbespot („1984“) während des American-Football-Endspiels Super Bowl XVIII die Öffentlichkeit auf den Marktstart vorbereitet.

Der erste Mac kam für knapp 2500 Dollar (nach heutiger Kaufkraft rund 4000 Euro) auf den Markt. Der beige Kasten mit integriertem 9-Zoll-Bildschirm und Diskettenlaufwerk hatte einen Arbeitsspeicher von 128 Kilobyte. Damit war er für die revolutionäre Bedien-Oberfläche zu schwach ausgelegt und konnte den Erfolg des IBM-PCs kaum eindämmen.

Das Verhältnis zwischen Jobs und der damaligen Apple-Führung um CEO John Sculley zerbrach während dieser schwierigen Phase. 1985 verließ der Apple-Mitbegründer das Unternehmen, gründete die Computerfirma NeXT und baute den Grafik-Spezialisten Pixar zu einem Animationsstudio aus. Apple feierte zwar Anfang der 90er Jahre noch einige Erfolge, insbesondere bei Grafikern und im Verlagswesen baute das Unternehmen eine treue Fan-Gemeinde auf. Doch den Vormarsch von Microsoft mit seinem Windows-System konnte Apple auch nicht durch Plagiat- und Patentklagen aufhalten.

Fundament eines unglaublichen Wiederaufstiegs
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: 30 Jahre Mac - Die erste Revolution des Steve Jobs

0 Kommentare zu "30 Jahre Mac: Die erste Revolution des Steve Jobs"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%