90 Tage Frist
Yahoo will Datenschutz verbessern

In der Debatte um die Speicherung von Nutzerdaten durch Suchmaschinen-Betreiber setzt Yahoo seine Konkurrenten Google und Microsoft unter Druck. Der Internet-Konzern will die Daten seiner Nutzer bereits nach 90 Tagen anonymisieren.

DÜSSELDORF. Yahoo wird seine Politik bei der Speicherung persönlicher Daten der Nutzer deutlich verändern. Das gab der Internet-Konzern am Mittwoch überraschend bekannt. Statt bisher nach 13 Monaten sollen die Daten künftig bereits nach 90 Tagen anonymisiert werden.

Konkret bedeutet das: Die von einem Nutzer angesehenen und angeklickten Web-Seiten werden ebenso weiter gespeichert wie eingegebene Suchbegriffe – jedoch ohne die IP-Adresse des Nutzers. Eine solche Adresse sendet jeder aus, der im Internet surft. Je nach Art seines Web-Zugangs lässt sie sich bis auf seinen Rechner oder bis auf seinen Online-Zugangsdienst zurückführen.

Ausgenommen von der neuen Yahoo-Regel sind Daten, die zur Betrugsaufdeckung dienen sowie andere rechtliche Vorschriften, worunter auch die deutsche Vorratsdatenspeicherung fallen könnte. Bis zur Umsetzung der 90-Tage-Frist wird allerdings noch reichlich Zeit vergehen. „Es wird bis 2009, vielleicht gar 2010 dauern“, erklärte Yahoos Vize-Präsidentin für Datenschutz, Anne Toth in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Trotzdem setzt der Konzern damit seine Rivalen in Europa unter Druck. Dort treiben EU-Berater die Diskussion an mit dem Ziel, eine Speicherung von Nutzerdaten nur sechs Monate lang zu erlauben. Microsoft hatte vergangene Woche angekündigt, sich darauf einzulassen – wenn Marktführer Google ebenfalls mitzieht. Googles Senior Vizepräsidentin Marissa Mayer hatte dies im Gespräch mit dem Handelsblatt aber ausgeschlossen.

Derzeit speichert Google seine Daten neun, Microsoft sogar 18 Monate. Google ist laut dem Marktforscher Net Application mit 81 Prozent Marktanteilen die Nummer eins unter den Suchmaschinen, dahinter folgen Yahoo mit 10,5 und Microsoft mit drei Prozent.

Bislang begründen die Unternehmen die lange Speicherung damit, dass sie möglichst viel über das Verhalten von Nutzern wissen müssen, um bessere Suchergebnisse liefern zu können und Anzeigen auf die Interessen der Surfer zuzuschneiden. Yahoo-Vizepräsidentin Toth glaubt aber nicht, dass die Informationen wirklich so lange aufbewahrt werden müssten: „Unsere Nutzer werden keine Veränderung bemerken“ – und das treffe ebenso auf die Anzeigenkunden zu.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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