Ableger auf drei Kontinenten
Ein Messe-Konzept auf Weltreise

Nachdem gestern die Cebit in Hannover zu Ende ging, beginnt damit keineswegs eine einjährige Cebit-Pause. Seit 2001 hat sich die IT-Messe zu einer internationalen Veranstaltung in Fortsetzungen entwickelt. Schon im Mai öffnet in Sidney die Cebit Australia ihre Tore, im September folgen die Cebit Bilisim Eurasia in Istanbul und die Cebit Asia in Schanghai.

FRANKFURT. Offenbar ist es der Messegesellschaft gelungen, ihre Leitmesse-Marke erfolgreich zu exportieren. Auch deshalb, weil alle Cebit-Ableger schwarze Zahlen schreiben, wie Sven Prüser, bei der Deutschen Messe AG zuständig fürs internationale Geschäft, betont. Bei der Wahl der Auslandsstandorte habe sich die Messe nach der Nachfrage gerichtet. "Die Hauptidee war, dorthin zu gehen, wo unsere bestehenden Kunden große Marktchancen sehen", sagt Prüser. Diese Strategie verfolgen auch andere deutsche Großmessen wie Düsseldorf, Frankfurt oder München, die ihre Leitmessen als Marketing-Plattformen zunächst für die angestammte Kundschaft multiplizieren.

Für Prüser ist es selbstverständlich, dass eine Messe kaum jemals eins zu eins zu kopieren ist: "Wir setzen zwar unser Know-how ein, müssen aber das Konzept lokal anpassen. Wichtig ist vor allem: Welche Elemente erwarten die Kunden?" In Australien kommt der Forschungspark nach deutschem Muster besonders gut an, in dem sich Universitäten, Forschungseinrichtungen und staatliche Stellen präsentieren. Die Erklärung: "Ausbildung ist für Australien ein wichtiger Exportartikel."

In der Türkei punkten die Hannoveraner mit dem "Public Sector Park", einer Teilausstellung, in der sich die Anbieter von Lösungen für die elektronische Verwaltung auf Behörden und kommunale Einrichtungen treffen. Nur in Schanghai wurde der durchaus marktkonforme Wunsch, Satellitentechnik zu präsentieren, als unerwünscht abgewiesen - Chinesen dürfen keine privaten Satellitenschüsseln besitzen.

Die drei Auslands-Cebits sind bislang stetig gewachsen, aber natürlich kleiner als die Mutter-Show mit ihrer knappen halben Million Quadratmeter Hallenfläche. So hat die Istanbuler Ausstellung - mit 26 000 Quadratmetern Nettofläche in zehn Hallen, 800 Ausstellern und 146 000 Besuchern der größte Cebit-Ableger - inzwischen die Kapazitätsgrenze des Geländes erreicht. Wartelisten für die Aussteller sind die Folge, und "qualitatives statt quantitativem Wachstum" ist vorläufig angesagt. Auch in Schanghai (17 500 Quadratmeter netto, 450 Aussteller) wachsen die Bäume nicht in den Himmel, hier aber wegen der starken lokalen Konkurrenz der Elektronikmessen und der eingeschränkten Palette der frei handelbaren Produkte.

In Sidney dagegen geht es munter bergauf, 10 % Wachstum sind für 2006 angesagt. Hier aber ist die Basis noch schmal: Mit 7000 Quadratmetern, 600 Ausstellern und 28 000 Fachbesuchern, die komplett elektronisch registriert werden, ist die Cebit Australia noch das Schlusslicht. Immerhin rekrutieren sich die Besucher aus dem gesamten pazifischen Raum, überwiegend aus Neuseeland, Indonesien, Singapur und Malaysia. Inder könnten sich übrigens bald den Weg nach Australien oder Hannover sparen: Prüser hat als nächsten Cebit-Standort Indien ins Auge gefasst.

Ausländische Cebit-Messen

Australien: Cebit Australia, in Sidney, Mai

Türkei: Cebit Bilisim Eurasia, in Istanbul, September; Cebit Broadcast, Cable & Satellite, konzentriert sich auf Produkte der Telekommunikationsinfrastruktur

China: Shanghai Cebit Asia, September

USA: "International Satellite & Communications Exchange - a Cebit Event" (ISCe) in San Diego, im Juni. Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine Infrastruktur-Kongressmesse. Zuvor waren zwei Anläufe der Deutsche Messe AG, in den Jahren 2003 und 2004 eine Cebit America im größten IT-Markt der Welt zu organisieren, gescheitert. Nicht nur die Cebit hatte allerdings in den USA Probleme. Auch die bis dahin größte US-Computermesse Comdex in Las Vegas vertagte sich nach der Veranstaltung 2004 auf unbestimmte Zeit, um über neue Konzepte nachzudenken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%