Afghanistan-Dokumente
Wikileaks-Enthüllungen offenbar harmlos

Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Robert Gates hat die Veröffentlichung der Afghanistan-Dokumente auf der Whistleblower-Plattform Wikileaks keine militärischen Geheimnisse der USA gefährdet. Der aus dem Projekt ausgeschiedene ehemalige deutsche Sprecher des Projekts, Daniel Domscheit-Berg, will unterdessen die stärkere Zusammenarbeit mit den Medien suchen.
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HB WASHINGTON/BERLIN/STOCKHOLM. Die Veröffentlichung geheimer Militärdokumente aus dem Afghanistan-Krieg auf der Internet-Plattform Wikileaks im Juli hat nach Einschätzung des amerikanischen Verteidigungsministeriums keine US-Geheimdienstquellen oder-methoden kompromittiert.

Die namentliche Nennung von Afghanen jedoch, die mit den USA zusammenarbeiteten, habe diese Leute gefährdet und könne den amerikanischen Sicherheitsinteressen womöglich erheblich schaden. Das geht aus einem Schreiben von Verteidigungsminister Robert Gates vom 16. August an den Streitkräfteausschuss des Senats hervor, das der Nachrichtenagentur Associated Press am Freitag zugänglich gemacht wurde. Nach Angaben von Wikileaks hat der Bezahldienst Moneybookers das Konto des Projekts nach den Ermittlungen von Behörden in den USA und Australien gesperrt, wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtet.

Die Bewertung lässt darauf schließen, dass sich einige der schlimmsten Befürchtungen Washingtons nach Veröffentlichung der Dokumente nicht bewahrheitet haben. Auf den ersten Blick bezögen sich die meisten Unterlagen eher auf alltägliche Militäreinsätze als auf heiklere Angelegenheiten, heißt es in dem Schreiben. Ein Pentagon-Sprecher erklärte am Freitag dazu, diese Einschätzung habe auch nach gründlicherer Überprüfung noch Bestand.

Ex-Wikileaks-Sprecher hält am "Whistleblowing" fest

Der ehemalige deutsche Sprecher von Wikileaks, Daniel Domscheit-Berg, hält auch nach seiner Trennung von diesem Enthüllungsportal an dessen Prinzipien fest. In einem Beitrag für die Wochenzeitung "Freitag" schrieb Domscheit-Berg, wichtig sei dabei allerdings eine enge Zusammenarbeit mit den Medien.

"Eine Whistleblowing-Plattform ist Zuarbeiter für Medien", erklärte Domscheit-Berg. Als Whistleblower werden Personen bezeichnet, die im Besitz vertraulicher Informationen sind und diese an Journalisten weitergeben. "Die Verknüpfung von Whistleblower- Plattform und Medien bewirkt auch die gegenseitige Kontrolle und Stützung beider Seiten."

Domscheit-Berg hat sich Ende September wegen Meinungsverschiedenheiten mit Wikileaks-Gründer Julian Assange das Projekt verlassen. "Wikileaks hat das Whistleblowing verändert, einen Kulturwandel angestoßen und die Grenzen des Möglichen wie auch des Akzeptierten nachhaltig verschoben", erklärte Domscheit-Berg und fügte hinzu: "Dieser Vorstoß der Zivilgesellschaft ist sehr wichtig." Das Projekt sei allerdings an seine Grenzen gestoßen. Der Whistleblower-Aktivist sprach sich für eine Diskussion über die Frage aus, "welcher Grad an Geheimhaltung für das gesunde Funktionieren unserer Gesellschaft akzeptabel ist und welcher Grad an Geheimhaltung nur legal sein darf".

Keine Aufenthaltserlaubnis für Wikileaks-Gründer Julian Assange

Die schwedische Einwanderungsbehörde hat unterdessen den Antrag des Wikileaks-Gründers Julian Assange auf eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis abgelehnt. Der Australier beabsichtigte, in Schweden die Zentrale von Wikileaks aufzubauen, um dort von dem gesetzlichen Informantenschutz zu profitieren. Wie die Sprecherin der Einwanderungsbehörde, Gunilla Wikstrom, der Nachrichtenagentur AP sagte, wurde der Antrag am Montag abgelehnt. Zu den Gründen machte sie keine weiteren Angaben.

Schwedische Staatsanwälte ermitteln weiterhin gegen Assange wegen des Verdachts auf Vergewaltigung und sexuelle Belästigung von zwei Frauen. Assange weist die Vorwürfe zurück.

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