Ahnenforschung online
Mausklick ins 18. Jahrhundert

Das Internet kann jeden zum Ahnenforscher machen. Die Ahnenforschung im Internet wird jetzt um eine seltene Datenbank erweitert. Marburger Forscher haben Spannendes über hessische Soldaten in Amerika gesammelt.
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Marburg/DüsseldorfFür die hessischen Soldaten war die Niederlage vernichtend. Völlig überraschend wurden sie an Weihnachten 1776 in der Schlacht von Trenton von amerikanischen Truppen überrannt und geschlagen. Die hessischen Soldaten kämpften damals aufgrund dynastischer Beziehungen der Landgrafschaft Hessen-Kassel auf Seiten der britischen Kolonialmacht. Bis dahin unbesiegt und gefürchtet, gerieten etliche in Gefangenschaft, darunter auch Leutnant Andreas Wiederhold aus Spangenberg. Aus dem Lager in Dumfries (Virginia) heraus beschreibt er in einem Brief den unheilvollen Verlauf der Schlacht und zeichnet eine Karte des Kampfgetümmels.

Wiederholds Rolle im US-Unabhängigkeitskrieg ist durch seine Briefe und ein Tagebuch weitgehend bekannt. Für die anderen sicherlich weniger bekannten hessischen, hanauischen und Waldecker Soldaten hat das Staatsarchiv Marburg bereits vor Jahrzehnten Tausende von Informationen zusammengestellt und in den sogenannten Hetrina-Bänden veröffentlicht. Sechs dicke Kataloge voller Lebensdaten, an denen sich nicht nur die Biografien ablesen, sondern mit deren Hilfe sich auch Vorfahren finden lassen.

Jetzt können diese Daten auch mit einem Mausklick abgerufen werden: Wen zog es damals ins Feld für die fremde Nation, wer wurde befördert, landete in Gefangenschaft oder desertierte, wer kam in der Schlacht ums Leben oder starb im Lazarett? Das Modul „Hetrina online“, das am Mittwoch in Marburg vorgestellt wird, informiert über die biografischen Details von rund 22.500 Soldaten aller Ränge, die damals als „Mietsoldaten“ ihres Regenten kämpften.

Hessische Soldaten spielten eine große Rolle im Krieg zwischen den 13 nordamerikanischen Kolonien und der britischen Kolonialmacht (1775-1783). Bekannt wurden sie auf britischer Seite als „Hessians“, weil die Landgrafschaft Hessen-Kassel das größte Kontingent stellte, damals immerhin 15.000 Mann. Kein Wunder, regierte dort doch Friedrich II. von Hessen-Kassel, ein Onkel des britischen Königs Georg III. Rund 6500 Soldaten sollen nach Schätzungen der Historiker den Kriegszug nicht überlebt haben.

Fundament wurde bereits in den 1970er Jahren gelegt

„Die Geschichtsschreibung kannte lange nur die Entscheidungsträger und hat die Schlachten thematisiert“, erklärt Holger Gräf vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg. „Die meisten unserer Daten beziehen sich dagegen auf ganz normale Männer, die in den Darstellungen bislang nicht vorkamen.“ Zunehmend setzten sich die Militärhistoriker zudem mit den sozialen Zusammensetzungen und der Struktur einer Truppe auseinander.

Das Fundament für die Online-Datenbank wurde bereits in den 1970er Jahren gelegt. Bis 1976 stellten vor allem die Marburger Archivare um Eckart Franz, Inge Auerbach und Otto Fröhlich ein alphabetisches Verzeichnis der Soldaten von Hessen-Kassel und ihrer Offiziere zusammen. Die Hetrina-Sammler stützten sich dabei vor allem auf die Maß- und Rangierlisten der einzelnen Truppenteile und die monatlichen Meldungen über Personalveränderungen während des Feldzuges. Ergänzt wurden die Daten für die Online-Bank zuletzt um das Archiv des früheren Frankfurter Stadtarchivars Joachim Fischer, der sich Anfang der 1960er Jahre auf die Hanauischen Truppen spezialisiert hatte.

„Hetrina online“ soll die Suche nach den Spuren der angeblich in Amerika oder Kanada zurückgebliebenen Hessen nun auch aus der Ferne erleichtern. Gefundenes Fressen nicht nur für hessische Hobby-Ahnenforscher, meint Gustaf-Götz Eichbaum von der Kasseler Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck. „An den Daten aus der Hetrina sind vor allem Amerikaner interessiert, die ihre Familiengeschichte studieren.“ Von den zurückgekehrten hessischen Soldaten sei das meiste ja bereits bekannt, sagt Eichbaum, dessen Vorfahr als Hauptmann in Trenton kämpfte - und überlebte.

Ahnenforschung online

Die weltweit größte Datenbank zur Ahnenforschung im Internet ist die von Mormonen betriebene Website Familysearch.org. Auch spezifisch deutsche Quellen gibt es zahlreich im Netz. So hat der Verein für Computergenealogie Anfang des Jahres ein Online-Erfassungsprojekt zu Verlustlisten des ersten Weltkriegs mit bereits mehr als einer Millionen Datensätze gestartet.

Das GenWiki sammelt Informationen rund um die Ahnenforschung, in der Sprache der Familienforscher selbst Genealogie genannt. Das Wiki bietet Einsteigern Basiswissen zur Genealogie, Literaturlisten, Wissenswertes über die Ahnenforschung mit Computerunterstützung, eine Liste genealogischer Vereine und praktische Hilfe für alle, die selbst Ahnenforschung betreiben wollen. So findet der Interessierte beispielsweise eine Übersicht über alle für die Genealogie relevanten Datenbanken wie Grabsteine und Ortsfamilienbücher.

Grundsätzliche Tipps zum Beginn der Ahnenforschung anhand der vorhandenen Fotos und eigenen Dokumente bietet ahnenforschung.net.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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