Aktie vom Handel ausgesetzt
Letsbuyit.com vor dem Aus

Der Internet-Händler Letsbuyit.com hat bei einem holländischen Gericht einen Antrag auf Zahlungsaufschub gestellt. Ein kurzfristiger Rettungsplan sei nicht zu erwarten, sagte Unternehmenssprecher Stephen Cox.. Kommentar: Wie die Lemminge Analyse: Liquiditätsengpass war abzusehen
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rtr LONDON. Ein Berater von Letsbuyit.com sagte, die Gesellschaft habe sich entschlossen, solange Zahlungen einzustellen, bis sie über ihr weiteres Vorgehen entschieden habe. Die Deutsche Börse setzte die Aktien der niederländischen Gesellschaft am Freitag nach eigenen Angaben auf Antrag des Unternehmens bis auf weiteres vom Handel aus. Am Donnerstag war der Titel mit 1,25 Euro aus dem Handel gegangen.

Das Unternehmen hatte am Vorabend nach Börsenschluss mitgeteilt, es wolle einen "Antrag auf Durchführung eines vorläufigen Moratoriums nach niederländischem Recht" stellen. Allgemein wird unter Moratorium ein Zahlungsaufschub verstanden. "Wir befinden uns in Gesprächen mit potenziellen Investoren, aber ein schneller Abschluss einer Vereinbarung ist nicht zu erwarten", erklärte Cox in London. Unter der Voraussetzung, dass Letsbuyit.com finanzielle Unterstützung erhalte, um Schulden bis dahin zu decken, hoffe die Gesellschaft trotzdem nach wie vor, im vierten Quartal 2002 schwarze Zahlen zu schreiben. Das Unternehmen habe im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2000 ein gutes Umsatzwachstum erzielt. Der Abfluss von Cash-Reserven sei ein Resultat der Marketing-Kosten in den Wochen vor Weihnachten. Das Management von Letsbuyit.com führe das Unternehmen gemeinsam mit dem Vermögensverwalter weiter, den das Gericht am Freitag benennen werde.

Mike van den Merkenhof, Sprecher des zuständigen Amsterdamer Gerichts, sagte, das Gericht werde ebenfalls am Freitag entscheiden, ob es Letsbuyit.com Schutz vor den Kreditgebern bewillige. Wenn es keine Verfahrensfehler gebe, werde dies automatisch bewilligt. Dann werde auch ein Vermögensverwalter ernannt.

Zahlungen vorerst eingestellt

Der Berater von Letsbuyit.com sagte, die Gesellschaft habe sich entschlossen, Zahlungen einzustellen, während sie über ihr weiteres Vorgehen entscheide. Letsbuyit.com verfüge über rund 18 Mill. Euro an liquiden Mitteln. Das Unternehmen wolle nicht warten, bis es über keine Mittel mehr verfüge. Es sei der letzte Versuch, neue Mittel zu finden. Bislang habe Letsbuyit.com einen Antrag auf Zahlungsaufschub nur in Holland gestellt, plane jedoch, dies auch in anderen Ländern zu tun. Der Berater fügte hinzu, es gebe noch keine anhängigen Klagen von Kreditgebern. Cox wollte die Angaben des Beraters über die Höhe der liquiden Mittel nicht bestätigen.

Mitte November hatte der Vorstandschef des Unternehmens, Martin Coles, in einem Interview gesagt, die Gesellschaft wolle ihre Kapitaldecke aufstocken. Das Unternehmen befinde sich auf der Suche nach geeigneten Investoren. Von diesen erhoffe er sich, bis zu 80 Mill. Euro zu erhalten.

Im Mai dieses Jahres hatte der Internet-Händler den von einer umfangreichen Werbe-Offensive begleiteten Gang an den Neuen Markt zunächst mit der Begründung verschoben, das Marktumfeld stehe einer fairen Bewertung seiner Aktien im Wege. Beim zweiten Anlauf im Juli reduzierte Letsbuyit.com einen Tag nach Ende der ursprünglichen Zeichnungsfrist - erneut unter Berufung auf das schwierige Marktumfeld - die Preisfindungsspanne auf drei bis vier Euro von zuvor sechs bis sieben Euro und verlängerte die Zeichnungsfrist. Zuvor hatte sich das Bankhaus Sal.Oppenheim aus dem Emissionskonsortium zurückgezogen, ohne dies zu begründen.

Kursgewinn nach Fall des Rabattgesetzes

Mit einem Ausgabekurs von 3,50 Euro ging das Unternehmen schließlich am 21. Juli an den Neuen Markt. Mit dem Fall des Rabattgesetzes zog der Aktienkurs von Letsbuyit.com kräftig an und kletterte am 13. Dezember zeitweise um mehr als 240 % auf 2,35 Euro. Noch am Tag davor hatte die Aktie ein neues Jahrestief von 0,59 Euro erreicht.

Auf der Internetseite von Letsbuyit.com können sich einzelne Konsumenten zu einer virtuellen Käufergemeinschaft zusammenschließen und so Markenprodukte zu Preisen erwerben, wie sie sonst nur Großabnehmer aushandeln können.

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