Aktivist kämpft für Reformen
Ägyptischer Blogger hinter Gittern

Selbst in seiner Gefängniszelle hört Alaa Abdel Fattah nicht auf zu bloggen. Seine Nachrichten schreibt er auf kleine Zettel, die irgendwie den Weg nach draußen finden. Das Blog des 24-Jährigen, das dieser zusammen mit seiner Frau Manal Hassan betreibt, gehört zu den populärsten Stimmen für die Demokratisierung Ägyptens.

HB KAIRO. Abdel Fattah wurde Anfang Mai bei einer Demonstration in Kairo festgenommen, als die Sicherheitskräfte gegen die reformorientierten Kräfte vorgingen. Aufgegeben hat er nicht. „Wir haben die Wände unserer Zelle mit Graffiti vollgeschrieben, mit unseren Namen, Slogans und mit Web-Adressen“, schreibt er an einer Stelle. „Wir haben gesungen und die Stimmung war großartig.“ Ein anderes Mal heißt es aber: „Ich sitze hier und habe Angst, dass sie mich in eine schlimmere Zelle stecken und mir die Besuche streichen. Was soll ich sagen - dass der letzte Tag des Regimes gekommen ist? Ich fürchte, dass unsere Enkel ihn nicht erleben werden, und wir erst recht nicht.“

Das Blog der beiden nennt sich Manalaa, eine Kombination ihrer beiden Vornamen. Sie sind jung, weltlich und antiautoritär, sie verbinden die Blogosphäre mit der Demokratiebewegung. Sie fordern Reformen vom ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak, der schon an der Macht ist, seit sie auf der Welt sind. Ihr Blog ist in einer Mischung aus Englisch und Arabisch geschrieben, und es gibt den Reformern eine Stimme, die sonst in den staatlichen Medien kaum zu Wort kommen.

Das Blog wird zur Ankündigung von Kundgebungen sowie zur Verbreitung politischer Kommentare oder auch von Bildern von Geheimpolizisten genutzt, die berüchtigt sind wegen ihres Vorgehens gegen Demonstranten. Im März organisierten die beiden Blogger ein Sit-in auf einem Platz in Kairo, zu dem hundert Demonstranten kamen.

Wichtig ist aber auch die technische Unterstützung, die Manalaa bietet. So werden dort Mitteilungen aus mehr als 1 000 anderen ägyptischen Blogs gesammelt. „Das ist eine Revolution im Internet in Ägypten“, sagt Salma Abdel Fattah, ein Freund von Alaa, mit diesem aber nicht verwandt. „Statt Al Dschasira oder die BBC zu sehen, gehen wir zu Manalaa und sehen, was los ist.“

Das Blog ist aber auch Teil einer Liebesgeschichte. Abdel Fattah und Hassan lernten sich in einer sozialistischen Jugendgruppe kennen, als er 13 und sie zwölf Jahre alt war. Seitdem kämpfen sie gemeinsam für Reformen in Ägypten. „Wir waren nie länger als eine Woche getrennt“, sagt Hassan im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. „Es ist das erste Mal, dass er so lange von seinen beiden Geliebten getrennt ist - von mir und seinem Computer.“

Zwtl: Weltweite Kampagne für Freilassung

Im vergangenen Monat gingen ägyptische Sicherheitskräfte hart gegen Reformer vor, was auch zu erheblicher Kritik von Seiten der USA führte, die gehofft hatten, dass Ägypten Mittelpunkt der demokratischen Veränderungen im Nahen Osten wird. Die Polizei nahm mehr als 600 Demonstranten fest. Meist waren es Mitglieder der fundamentalistischen Moslembruderschaft, aber es waren auch weltlich orientierte Regimekritiker darunter - wie Abdel Fattah.

Er wurde am 7. Mai zusammen mit zehn anderen Aktivisten festgenommen. Hassan vermutet, dass ihr Mann wegen des Blogs inhaftiert wurde. Sie hat ihn seitdem mehrere Male im Tora-Gefängnis südlich von Kairo besucht. Wie die Nachrichten aus dem Gefängnis heraus kommen, wollen aber weder sie noch Abdel Fattahs Mutter, Leila Soueif, sagen, die ihren Sohn auch besucht. „Er hat keinen Computer und darf auch auch keine Briefe nach draußen geben, die nicht von der Zensur geprüft wurden“, sagt Soueif.

Nach seiner Festnahme starteten ägyptische, amerikanische und europäische Blogger eine weltweite „Lasst Alaa frei“-Kampagne. Web-Banner mit der Aufschrift „Lasst Alaa zurück zu Manalaa“ werden allein in den USA 150 000 mal am Tag angeklickt.

» http://www.manalaa.net

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