Analoge Plattenspieler
Renaissance der Rille

Trotz des Siegeszugs der Digitaltechnik behaupten sich analoge Plattenspieler. Vor allem im Luxussegment.
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DÜSSELDORF. Manche Musikliebhaber geben einfach nicht auf. Während die Computermesse Cebit Anfang März für die digitale Aufrüstung des Wohnzimmers zum privaten Tempel der Unterhaltungselektronik wirbt und MP3-Player zu den meistverkauften Musikabspielgeräten avancieren, legen Audiophile immer noch Vinyl auf den Plattenspieler. Für die gar nicht so kleine und sogar wieder wachsende Gemeinde der Retrofans ist ein perfektes Hörerlebnis nur, was aus einer Rille abgetastet wird. Sie genießen den warmen und räumlichen Klang der Schallplatte, für den vor allem die hohen, von digitaler Technik unerreichbaren Frequenzen sorgen - auch wenn sie das menschliche Ohr kaum wahrnehmen kann. Zwar fristen Plattenspieler und Vinyl seit der Markteinführung der CD 1982 ein Nischendasein. Analoge Laufwerke werden jedoch wieder populärer. "Der Plattenspieler erlebt eine Renaissance", sagt Branko Glisovic, Chef der High End Society, dem Verband für hochwertige Unterhaltungselektronik. "Das Auflegen der Platte ist ein sinnliches Erlebnis."

Einfache Wiedergabe. Ordentliche Leistung muss nicht teuer sein: Minimalistisch in der Funktion und schlicht im Design sind die Geräte der unteren Preiskategorie (200 bis 800 Euro). Ein Metall- oder Glas-Plattenteller wird von einem Motor über einen Gummiriemen angetrieben, der Tonarm entweder manuell bedient (Einsteigermodelle von Pro-Ject oder Rega) oder auf Knopfdruck gestartet (Dual).

Seine Renaissance verdankt der Plattenspieler nicht zuletzt der DJ-Szene.

Wer die Turntables professionell einsetzt, schwört auf die Technics-Geräte der SL 1210-Reihe für bis zu 900 Euro. Robust und auf schnelle Systemwechsel ausgelegt, haben die DJ-Modelle mit Kultstatus auch Jüngere wieder zu Analogfans gemacht. So zog der Absatz von Plattenspielern in Deutschland zuletzt wieder an. 2005 wurden laut Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik etwa 102 000 Stück verkauft, so viel wie seit fünf Jahren nicht mehr. Vor allem die hochklassigen Geräte legen zu.

High-End-Technik. Clearaudio, ein Hi-Fi-Spezialist aus Erlangen, hat im vergangenen Jahr rund 6500 Plattenspieler handgefertigt. Champion heißt das High-End-Einsteigermodell: "Bei diesen Geräten lassen sich Bauteile durch höherwertige Komponenten ersetzen, um den Klang zu verbessern", sagt Clearaudio-Gründer Peter Suchy. Das Basismodell kostet knapp 1900 Euro.

Der meistverkaufte Plattenspieler aller Zeiten ist der Sondek LP12 des schottischen Herstellers Linn (ab 4800 Euro). Seit der Vorstellung 1972 ist er konzeptionell fast unverändert, aber technisch gereift. "Wir produzieren highfidele Wellness", sagt Linn-Manager Ulrich Michalik. Dazu brauchen High-End-Plattenspieler ein resonanzarmes Chassis, einen schweren Plattenteller und einen zu gewaltigem Klangbild fähigen Tonarm. Der Preis kennt dann kein Limit: Der Transrotor Gravità wiegt 150 Kilo und kostet 55 000 Euro.

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