Analyse
Bill Gates´ Abschied auf Raten

1975 startete Bill Gates mit seinem Freund Paul Allen die kleine Softwarefirma Microsoft mit einer riesigen Vision: Auf jedem Schreibtisch, in jedem Wohnhaus wird ein Personal Computer stehen. Die Vision von damals ist heute Wirklichkeit. Und 95 Prozent aller PCs laufen mit einem Microsoft-Betriebssystem.

dpa REDMOND/HAMBURG. Nach über 30 Jahren als Vorzeigefigur seines Unternehmens und der gesamten Softwareindustrie ordnet Bill Gates nun sein Leben neu: Er will künftig nicht mehr Software-Tycoon sein, sondern sich hauptsächlich seiner wohltätigen Arbeit in der Bill & Melinda Gates Stiftung widmen.

Gates verabschiedet sich in Raten von dem Softwaregiganten. Im Januar 2000 hatte er bereits die Position als Chief Executive Officer (CEO) an seinen langjährigen Freund Steve Ballmer abgegeben und die Rolle des „Chief Software Architect“ übernommen. Bis zum Juli 2008 will sich Gates nun komplett aus dem Tagesgeschäft bei Microsoft zurückziehen, allerdings die Position des Chairman (Aufsichtsratschef) behalten. „Ich gehe nicht in den Ruhestand, sondern ordne meine Prioritäten neu“, sagte Gates.

Microsoft in schwieriger Umbruchphase

Microsoft muss künftig in einer schwierigen Umbruchphase ohne die täglichen Impulse von Bill Gates auskommen. Der Softwaregigant tut sich derzeit schwer damit, auf neue Herausforderungen zu reagieren. Wettbewerber wie der Suchmaschinenbetreiber Google erobern den virtuellen Schreibtisch auf dem PC. Open Source Software wie Linux bereitet Microsoft zumindest im Bereich der Server-Computer größere Probleme. Und Mietsoftware-Firmen wie Salesforce.com, die Programme über das Internet bereit halten, stellen das traditionelle Vertriebssystem von Microsoft in Frage.

„Bill Gates war ein hervorragender Player in einer Welt, als Software noch in einer Schachtel steckte und man riesige Gewinne erzielen konnte“, sagte George Colony, Chef des Marktforschungsunternehmens Forrester Research. „Ich glaube, es ist sehr schwer für ihn, eine Strategie für eine Welt zu entwickeln, in der alles kostenlos angeboten wird.“

Microsoft erobert neue Geschäftsfelder

Auf der anderen Seite erobert Microsoft mit hohem Tempo neue Geschäftsfelder. So findet man das Betriebssystem Windows immer häufiger auf Mobiltelefonen, in Autos oder Geräten der Unterhaltungsindustrie (Spielekonsole Xbox, Windows Media Center).

Der scheue Software-Tycoon hatte spätestens mit der Vorstellung von Windows 95 im August 1995 einen Weg gefunden, öffentliche Auftritte routiniert über die Bühne zu bekommen. In der Rolle des Software-Megastars hat sich Gates aber nie wohl gefühlt. „Die Welt hat eine Tendenz, meiner Person ein unangemessenes Maß von Aufmerksamkeit zu schenken“, sagt Gates nun.

Der Microsoft-Gründer wird sich künftig mit voller Kraft seiner Arbeit für die Bill & Melinda Gates Stiftung widmen. Die Stiftung hat vor allem Bildungs- und Impfprogramme für die ärmsten Länder der Welt aufgelegt und gilt mit einem Stiftungsvermögen von über 29 Mrd. Dollar als weltgrößte gemeinnützige Stiftung. Gates verfügt nach der jüngsten Top-100-Liste der reichsten Menschen der Welt, die das US-Wirtschaftsmagazin Forbes aufstellt, noch über ein Nettovermögen von 50 Mrd. Dollar. Ein Großteil dieses Geldes soll nach dem Willen des Multimilliardärs auch für wohltätige Zwecke ausgegeben werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%