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Analyse: Die Siemens-Probleme waren hausgemacht

dpa MüNCHEN. Siemens-Handys sind derzeit bei vielen Mobiltelefon-Händlern eher Ladenhüter. Wegen hoher Verluste schloss der Konzern lange Zeit nicht einmal eine Schließung der Mobilfunksparte aus - die Negativschlagzeilen waren dem Absatz nicht gerade förderlich.

Aufsichtsrat Wolfgang Müller von der IG Metall warf Siemens vor, das Geschäft so tot geredet zu haben. „Die unklare Position führt zu einer Verunsicherung bei den Kunden“, sagte auch Rudolf Gröger, Chef des Mobilfunkbetreibers O2. Nun ist das leidige Problem durch die Übergabe an Benq gelöst - mit einem letzten kräftigen Aderlass für die Siemens-Kasse: 350 Mill. Euro vor Steuern legt der Konzern noch einmal drauf.

Denn eine attraktive Braut ist die Handysparte nicht. Im ersten Quartal des Kalenderjahres machte Siemens mit seinen Handys erneut knapp 140 Mill. Euro Verlust. Der Weltmarktanteil brach im Jahresvergleich von 8,0 auf 5,5 Prozent ein. Zu bieten hat Siemens vor allem eine in Deutschland, Europa und Südamerika noch immer recht starke Handy-Marke. An den im internationalen Maßstab vergleichsweise teuren Produktionsstandorten in Deutschland dürften mögliche Partner dagegen nur ein untergeordnetes Interesse haben.

Auch hochrangige Siemens-Manager räumen in Hintergrund-Gesprächen ein, dass die Probleme im Handygeschäft hausgemacht sind. Schon Anfang des vergangenen Jahres, also schon vor der fatalen Software-Panne im Sommer 2004, sei die Krise absehbar gewesen. Siemens hatte wichtige Trends in der schnelllebigen Branche verschlafen.

Der Konzern ist zudem kein Spezialist für das Endkundengeschäft. Die Handys sind der letzte Elektroartikel, den der Konzern komplett in Eigenregie produziert und an Endkunden verkauft. Für die Computer (Fujitsu Siemens) und die so genannte Weiße Ware (Bosch und Siemens Hausgeräte) ist der Konzern bereits Partnerschaften eingegangen. Allerdings hat Siemens bisher seine Marken nicht mehrheitlich in fremde Hände gegeben, sondern 50 Prozent behalten. Bei den Handys war der Leidensdruck nun so groß, dass der Konzern erstmals bereit war, sich von der Sparte ganz zu trennen.

Einst hatte Siemens große Hoffnungen in das Handygeschäft gesetzt. Der damalige Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer versprach den Aktionären im Februar 2000 auf der Hauptversammlung rasantes Wachstum: „Nachdem wir im Vorjahr eine Stückzahl von elf Mill. erreicht haben, sollen es im laufenden Geschäftsjahr 30 Mill. und nächstes Jahr bereits etwa 60 Mill. werden.“ Doch statt der 60 Mill. verkaufte Siemens im Jahr 2000/01 dann nicht einmal die Hälfte davon. Das ehrgeizige Ziel wurde seither ebensowenig erreicht wie der angekündigte Aufstieg zum drittgrößten Anbieter.

Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld zog jetzt die Notbremse. Leidtragende könnten die 6 000 Beschäftigten in Deutschland sein. Denn ob der neue Eigentümer Benq auf Dauer an der im Weltmaßstab teuren Produktion in Deutschland festhalten wird, gilt als höchst ungewiss.

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